Thonwaarenfabrik Actien Gesellschaft Oeynhausen vorm. A. Rasch

Ein Exkurs

Die 1852 in Niederbecksen an der Königstraße gegründete „Tonwarenfabrik A. Rasch“ ist die älteste und lange einzige Dampfziegelei der Region. Im Geschäftsbericht der Handelskammer Minden finden sich 1863 lobende Worte für die außerordentlich gute Qualität der dort produzierten Bausteine. Der Kammerbericht des Jahres 1869 führt aus, dass die Fabrik seine Kapazitäten im Vorjahr mit einem zweiten Ringofen erheblich vergrößert und inzwischen einen Mitarbeiterstamm von 160-180 habe. Die Dampfziegelei A. Rasch liegt technisch und an Firmengröße in der Branche weit vorne. Ihre Lage an der Königstraße in unmittelbarer Nähe zur Köln-Mindener-Bahnlinie sorgt für einen reibungslosen Schienentransport.

Für das Jahr 1884 nennt die Handelskammer die Zahl von 7.849.500 Kilo Fertigfabrikaten, vielfach Exportware, von dem ein nur verschwindend geringer Anteil nicht über die Schiene abgesetzt wird. Im Bericht heißt es weiter: Neben Mauersteinen werden besonders Verblendsteine verschiedener Farben sowie „Französische Dachziegel“ und Steinzeugröhren auf die Bahn gebracht. Rasch-Dachziegel finden aber auch im hiesigen Raum Zuspruch. Die Handelskammer ist davon überzeugt, dass ein mit Ziegeln gedecktes Dach nicht so reparaturanfällig ist, wie ein Schieferdach und sich aus diesem Grunde der französische Dachstein auf dem Lande allgemein einbürgere.

Die Fabrik Rasch liegt innenstadtnah, was zwei Standortnachteile mit sich bringt: Erstens fehlt ein direkter Zugang zu einer Wasserstraße und zweitens verfügt der Betrieb über kein nahgelegenes Tonabbruchgebiet, wie sonst für Ziegeleien üblich. Der Rohstoff muss mit Fuhrwerken aus der Umgebung geholt werden, zunächst aus Bergkirchen, seit 1870 aus der Gegend zwischen Bünde und Herford. Für Spezialartikel wird er aus dem Rheinland bezogen.

1898 wandelt sich die Firma in eine Aktiengesellschaft um. August Rasch sitzt gemeinsam mit einigen anderen Bad Oeynhausener Fabrikanten im Aufsitzrat, verstirbt aber bereits im Jahr darauf. Es folgen Jahre allgemeinen Arbeitermangels mit steigenden Löhnen und sinkenden Wirtschaftserträgen. Verblendsteine als das Hauptfabrikationsprodukt wird unmodern. Mit Beginn des ersten Weltkriegs stellt die Tonwarenfabrik ihre Produktion ein und nimmt sie nach Kriegsende nicht wieder auf. „Anfang des neuen Jahrhunderts rauschen in dem renommierten Unternehmen noch alle Schornsteine […] und im Direktionsgebäude, einer vornehmen Oeynhauser Villa, ahnt bestimmt noch keiner, dass es mit dem stolzen Industriebetrieb r-a-s-c-h zu Ende gehen würde. […] Das Ende von Rasch war bestimmt ein Verlust für die Stadt, dem man aber vielleicht deshalb nicht allzu lange nachtrauerte, weil inzwischen der Aufstieg der Weserhütte in vollem Gange war.“

Bildergalerie Thonwaarenfabrik Actien Gesellschaft

© Stadtarchiv Stadt Bad Oeynhausen

Quellen

Rolf Momburg: Ziegeleien überall. Die Entwicklung des Ziegeleiwesens im Minden-Lübbecker Land, hg.v. Mindener Geschichtsverein, Minden 2000, S. 130-132.