Rotkäppchen
Rotkäppchen gerät auf dem Weg zur Großmutter in große Gefahr. Ein klassisches Märchen über Vertrauen, Vorsicht und die Folgen falscher Entscheidungen.
Hier stehen sich Rotkäppchen und der böse Wolf gegenüber – kurz bevor der Wolf das arme Kind verschlingt. Rotkäppchen ist ein sehr altes Märchen. In seiner bekanntesten Form erzählt es von einem Mädchen, das stets ein rotes Käppchen trägt. Eines Tages wird es von seiner Mutter losgeschickt, um der kranken Großmutter einen Korb mit Speisen zu bringen. Der Weg führt es durch den Wald, wo es einem Wolf begegnet. Trotz der Warnungen ihrer Mutter lässt sich das Mädchen vom Wolf in ein Gespräch verwickeln und verrät, wohin es unterwegs ist.
Der Wolf läuft daraufhin voraus, frisst die Großmutter und legt sich in deren Bett, verkleidet als die alte Frau. Als Rotkäppchen dann eintrifft, erkennt es zu spät die Gefahr: Der Wolf verschlingt es ebenso. Übrigens: In einer späteren Version der Geschichte taucht am Schluss ein Jäger auf. Der schneidet den sattgefressenen Wolf auf, befreit Großmutter und Rotkäppchen – und näht dem Tier Steine in den Bauch, sodass es nicht mehr fortkommt und sterben muss.
Die Hintergründe der Geschichte:
Das Märchen Rotkäppchen ist vermutlich über 900 Jahre alt und taucht in Varianten an verschiedenen Orten in Europa, Afrika und Asien auf. So ist der Wolf in einer Version aus Indien zum Beispiel ein Tiger. Kulturwissenschaftler vermuten, dass Rotkäppchen ursprünglich eine Variante von „Der Wolf und die Sieben Geißlein“ war. In diesem Märchen frisst ein Wolf eine Ziegenfamilie – und bekommt am Ende ebenfalls Steine in den Bauch genäht. Die bekannteste schriftliche Version von Rotkäppchen stammt von dem Franzosen Charles Perrault aus dem Jahr 1697.
Perrault schließt mit einer moralischen Lehre ab, die Frauen zum hilflosen Objekt degradiert und Männer ebenso schematisch zu potenziellen Tätern: Mädchen sollen sich stets vor fremden Männern hüten – denn sie können nie wissen, wer davon wie ein böser Wolf sei.
Seine Warnung hat auch etwas mit den damaligen Heiratsbräuchen zu tun: Eine Frau, die nicht mehr als Jungfrau in die Ehe ging, war kaum zu vermitteln. Und wenn eine unverheiratete Frau schwanger wurde, war sie meist gezwungen, den zukünftigen Vater zu ehelichen – egal, ob dieser sich als Ehemann und Geldverdiener eignete. Das aber war eine Horrorvorstellung in einer Gesellschaft ohne soziale Sicherungssysteme.
Übrigens: Für wen der Wald noch gefährlich ist, könnt Ihr in unserem Märchenmuseum am Kurpark entdecken.
