Rapunzel

Hoch oben in einem Turm ohne Tür wächst Rapunzel allein auf – gefangen, bis ihr langes Haar ihr zur einzigen Verbindung zur Welt wird. Ein Märchen über Sehnsucht, Liebe und den Mut, der selbst Mauern überwinden kann.

Hier oben am sogenannten Oeynhausener Verkehrshaus lässt eine junge Frau ihren Zopf aus dem Fenster herunter. Es ist Rapunzel, die seit ihrer Geburt von einer Magierin gefangen gehalten wird, und zwar in einem Turm ohne Eingang. Ihr Name kommt von den Rapunzeln, prächtigen Pflanzen, die ihre Eltern einst versucht hatten, von der Magierin zu stehlen. Zur Strafe für diese Tat hatten sie daraufhin ihre Tochter abgeben müssen.

Und so wächst das Kind im Turm zu einer wunderschönen Frau heran, ohne jemals etwas von der Welt gesehen zu haben. Ihre Haare hat sie dabei nie abgeschnitten, denn nur, wenn sie diese als Zopf zum Fenster hinauslässt, kommt sie auch an Nahrung heran: Die Magierin nämlich braucht den Zopf zum Klettern, um Rapunzel im Turm versorgen zu können.

Eines Tages schließlich hört ein Prinz den Gesang der Gefangenen. Am Fuße des Turms fragt er sie, wie er zu ihr herauf gelangen kann – und Rapunzel verrät ihm, wie das mit dem Klettern so funktioniert. Von nun an besucht der Prinz sie immer wieder. Doch eines Tages erfährt die Magierin von der Beziehung, schneidet Rapunzel die Haare ab und verbannt sie in die Wüstenei. Der Prinz irrt nun umher und sucht verzweifelt überall nach seiner großen Liebe. Bei einer Begegnung mit der Magierin verliert er sogar sein Augenlicht – und wird dann wundersam geheilt, als er seine Angebetete schließlich wiederfindet.

Die Hintergründe der Geschichte:

Rapunzel ist ein Märchen aus der Sammlung der Brüder Grimm. Die Motive darin von der bösen Magierin über den Kindesraub bis zur Wunderheilung finden sich in vielen Märchen auf der ganzen Welt. Und wie es typisch für viele Volksmärchen ist, werden junge Frauen hier als passive Wesen dargestellt, die nichts anderes sein müssen als schön, um ihr Glück zu finden. Männer hingegen erscheinen darin oft als diejenigen, die für ihr eigenes Glück immer etwas zu leisten haben und dabei keine Schwäche zeigen dürfen.

Mehr zu entdecken über beliebte Volksmärchen gibt es übrigens in unserem Märchenmuseum schräg gegenüber von hier.