Die kleine Meerjungfrau
Aus Sehnsucht nach der Welt der Menschen wagt eine junge Meerjungfrau alles: Sie tauscht ihre Stimme gegen Beine und folgt ihrem Herzen. Ein bewegendes Märchen über Liebe, Mut und die Frage, was man bereit ist aufzugeben, um seinen größten Traum zu verfolgen.
Eine Frau mit menschlichem Oberkörper und dem Unterkörper eines Fisches: Das ist „Die kleine Seejungfrau“ oder auch „Die kleine Meerjungfrau“. Die Geschichte erzählt von einer jungen Frau, die im Ozean am Hofe des Meerkönigs lebt. Dort hört sie immer wieder Geschichten von der Welt der Menschen: Etwa, wie deren Städte aussehen, wie dort die Vögel singen oder die Blumen dort duften.
Eines Tages rettet sie einen menschlichen Prinzen vor dem Ertrinken. Dabei verliebt sie sich in ihn. Um heimlich an seiner Seite sein zu können, schließt sie einen Pakt mit einer Meerhexe: Sie erhält Beine, muss aber als Preis ihre Stimme opfern. Außerdem darf sie nur dann an Land bleiben, wenn der Prinz sich in sie verliebt – und wenn er sie heiratet. Andernfalls wird sie sterben und sich im Meer auflösen und zu Schaum werden.
Und, weil Meermenschen eben keine unsterbliche Seele haben, würde die kleine Meerjungfrau dann für immer aufhören zu existieren. Leider gelingt der Meerjungfrau es nicht, den Prinzen für sich zu gewinnen, denn der heiratet eine andere Frau, die er tief im Innern gar nicht liebt. Zugleich bringt die Meerjungfrau es aber auch nicht übers Herz, ihren Angebeteten zu ermorden, denn so würde sie auf magische Weise ihre ursprüngliche Gestalt zurückbekommen (das wäre nämlich auch möglich).
Und so nimmt sie schließlich ihr Schicksal an und stirbt. Doch statt nun ewig nicht mehr da zu sein, verwandelt sich die Meerjungfrau völlig unerwartet in einen Luftgeist. So hat sie bis ans Ende Ihrer Tage Zeit, die Welt der Menschen als Beobachter zu bereisen und an deren Glück zumindest aus der Ferne teilzuhaben.
Die Hintergründe der Geschichte:
Dieses etwas düstere Märchen erfand der dänische Autor Hans-Christian Andersen – ein sogenanntes Kunstmärchen, weil es nicht aus alter mündlicher Überlieferung stammt. Er veröffentlichte es 1837; es ist sein wohl bekanntestes Werk. Andersen war mit großer Wahrscheinlichkeit homosexuell. So vermuten einige Literaturwissenschaftler, Andersen habe in diesem Märchen die Liebe für einen Jugendfreund verarbeitet – eine vergebliche Liebe, weil der Jugendfreund sie nie erwiderte und solch eine Liebe auch nur heimlich und unter hoher Gefahr praktizierbar war. Denn im 19. Jahrhundert galt Schwulsein noch als abnorme Neigung und stand unter Strafe. Als sein Jugendfreund schließlich heiratete und Andersen nicht einmal zur Hochzeit einlud, war dieser dann gänzlich zum Beobachter geworden – genauso, wie die kleine Meerjungfrau am Ende der Geschichte.
Es gibt übrigens noch mehr zu entdecken über die Sammler und Erfinder bekannter Märchen – kommt einfach im Märchenmuseum vorbei, direkt gegenüber dem Kurpark.
