Weltweit größtes Computermuseum nimmt Bad Oeynhausener KI-Ausstellung in seine Dauerausstellung auf

Das Märchenmuseum schreibt Museumsgeschichte

Was heute selbstverständlich erscheint, war Anfang 2023 noch ein Blick in eine ungewisse Zukunft: Bilder und Texte, erzeugt von einer künstlichen Intelligenz, lösten gleichermaßen Faszination, Skepsis und kontroverse Debatten aus. Mitten in dieser gesellschaftlichen Aufbruchsstimmung eröffnete das Deutsche Märchen- und Wesersagenmuseum die Ausstellung „Alles Kunst -Meisterwerke der Künstlichen Intelligenz“, die erste Ausstellung in Europa, deren Bilder, Ausstellungstexte und Hintergrundmusik nahezu vollständig KI-generiert waren. Mittlerweile ist sie selbst zu einem historischen Dokument geworden: Das Heinz Nixdorf MuseumsForum (HNF) in Paderborn hat sie in digitaler Form in seine Dauerausstellung aufgenommen.

Das Heinz Nixdorf MuseumsForum ist das weltweit größte Computermuseum. Auf mehr als 6.000 Quadratmetern erzählt es die Geschichte der Informationstechnik – von den ersten Schriftzeichen bis zu den aktuellen Entwicklungen der Künstlichen Intelligenz. Mit der Aufnahme von „Alles Kunst“ erweitert das HNF seine Dauerausstellung um ein Exponat, das den Beginn einer technologischen Entwicklung dokumentiert, die inzwischen nahezu alle Lebensbereiche verändert.

„Alles Kunst“ zeigte jedoch weit mehr als spektakuläre KI-Bilder. Die Ausstellung fragte danach, wie künstliche Intelligenz überhaupt kreativ wird – und welche Rolle der Mensch dabei spielt. Im Mittelpunkt standen Bilder und begleitende Texte, die mithilfe generativer KI entstanden. Anders als viele frühe Präsentationen dieser neuen Technologie legte „Alles Kunst“ den gesamten Entstehungsprozess offen und machte nachvollziehbar, wie aus einer Idee ein KI-generiertes Werk entsteht.

Konzipiert wurde die Ausstellung von Dr. Hendrik Tieke, dem Leiter der Städtischen Museen Bad Oeynhausen, und dem Kulturwissenschaftler Jens-Florian Groß. Die beiden Kuratoren gaben die Themen der Werke vor. Auf dieser Grundlage erzeugte die Künstliche Intelligenz dann Bilder und begleitende Texte. Damit machten Tieke und Groß von Beginn an deutlich, dass KI nicht völlig unabhängig vom Menschen kreativ arbeiten kann. Dr. Stefan Meyer wiederum, Leiter des Museums Eulenburg Rinteln, bot in seinem Haus eine thematische Erweiterung der Ausstellung an, nachdem er das Konzept kennengelernt hatte – was Alles Kunst schließlich zu einer umfangreichen, stadtübergreifenden Doppelausstellung machte.

Konsequent entschieden sich die Kuratoren für Transparenz. Besucherinnen und Besucher konnten nachvollziehen, welche KI-Systeme zum Einsatz kamen, welche Prompts verwendet wurden und wie viele Änderungsschritte bis zum fertigen Ergebnis erforderlich waren. Die Ausstellung zeigte damit nicht nur die Möglichkeiten der neuen Technologie, sondern auch ihre Grenzen – und eröffnete einen differenzierten Blick auf das Zusammenspiel von menschlicher Kreativität und maschineller Bild- und Textgenerierung.

Mit diesem Ansatz traf Alles Kunst den Nerv der Zeit. Die Ausstellung fand bundesweit große Beachtung, und zwar weit über der Museumswelt hinaus. Sie trug ihren Teil dazu bei, die öffentliche Diskussion über Chancen, Grenzen und kulturelle Folgen generativer Künstlicher Intelligenz frühzeitig mitzuprägen.

So berichteten unter anderem ARD, 3sat, NDR, RTL Nord und ntv in verschiedenen Formaten darüber. Im WDR trat sogar eine Künstlerin gegen die KI in einem Malwettberwerb im Märchen- und Wesersagenmuseum an. Auch das IT-Fachportal heise online sowie das Kulturmagazin Kultur.West berichteten über das Projekt.

Für das Heinz Nixdorf MuseumsForum besitzt die Ausstellung deshalb einen besonderen Stellenwert. Dr. David Woitkowski, Kurator des HNF erklärt, warum das Museum den Bad Oeyhausener Teil der Ausstellung in seine eigene Dauerausstellung digital integriert hat:

„Alles Kunst war die erste Ausstellung in Deutschland mit KI-generierter Kunst. Sie ist ein Zeugnis dafür, wie sehr die gerade aufkommende Technologie die Gesellschaft seinerzeit beschäftigt und mit ihren Möglichkeiten auch beeindruckt hat. Mittlerweile haben Bild- und Text-KI-Generatoren natürlich einen gewaltigen Sprung gemacht – sechste Finger oder unnatürliche Augenstellungen bei Bildern etwa gibt es nicht mehr und auch KI-Texte sind in sich viel schlüssiger geworden. Die Ausstellung Alles Kunst lief ganz am Anfang dieser Entwicklung, und deshalb ist sie ein besonderes Zeitdokument. An ihr fanden wir besonders interessant, dass die Kuratoren transparent gemacht haben, mit welchen KI-Tools gearbeitet wurde, welche Prompts sie eingesetzt wurden und wie viele Iterationen bis zum „fertigen“ Bild notwendig waren. Das relativiert die Fähigkeiten der übermächtig erscheinenden KI und stellt die Arbeit des menschlichen Prompters und Kurators heraus. Es zeigt, dass die KI nicht `einfach so´ kreativ künstlerisch tätig wird.“

Mit der Aufnahme in die Dauerausstellung des Heinz Nixdorf MuseumsForums Alles Kunst selbst Teil der Geschichtsschreibung zur Digitalisierung. Sie dokumentiert nicht nur die Anfänge der generativen Künstlichen Intelligenz, sondern auch die Arbeit eines Museums, das eine neue Technologie gleich an ihrem Anfang wissenschaftlich einordnet und einer breiten Öffentlichkeit verständlich vermittelt.