„Hexenwahn. Glaube. Macht. Angst“

Sonderausstellung im Märchenmuseum Bad Oeynhausen erweckt finstere Epoche zum Leben

Der Scheiterhaufen als Instrument der Ordnung. Die Folterkammer als Ort des „Rechts“. Und der Teufel nicht als Metapher, sondern als reale Bedrohung: Die neue Sonderausstellung „Hexenwahn. Glaube. Macht. Angst“ im Bad Oeynhausener Märchenmuseum öffnet ein Fenster in eine Zeit, in der das Irrationale staatstragend wurde. Und in der Abertausende Unschuldiger in ein unentrinnbares Räderwerk gerieten – aus religiösem Eifer, politischen Interessen und gesellschaftlichen Spannungen.

 

Wie Staat und Kirche sich an den Opfern bereicherten

Mit über 70 Exponaten lässt sie eine der düstersten Epochen der europäischen Geschichte wieder auferstehen: die Zeit der Hexenverfolgungen zwischen dem späten 15. und dem frühen 18. Jahrhundert. In diesen Jahrhunderten starben schätzungsweise 60.000 Menschen – zumeist auf dem Scheiterhaufen, seltener unterm Richtschwert – die Mehrheit von ihnen Frauen, viele aber auch Männer. Ihre Tode waren das Ventil einer krisengeschüttelten Epoche, in der das Klima immer lebensfeindlicher wurde und schwere Kriege und religiöse Unruhen den Kontinent erschütterten. Ob auf der großen politischen Bühne oder im Alltag auf dem Dorf: Hinter fast allen Schrecken sah eine große Mehrheit den Teufel mit am Werk – und zwar mit Hexen und Zauberern als seinen willfährigen Vollstreckern.

Die Ausstellung zeigt, wie in dieser Zeit der Paranoia aus alltäglicher Angst und kleinen Verdächtigungen tödliche Hexenprozesse wurden. Sie erzählt von Menschen, die unter dem Druck der Folter unmögliche Dinge gestanden und dabei oft ihre eigenen Kinder und Freunde belasteten. Und sie berichtet von Juristen, Landesherren und Theologen, die den tödlichen Eifer anfachten, weil sie davon überzeugt waren, das moralisch Richtige zu tun – und dabei die volle Unterstützung ihrer Universitäten, Städte, oder Kirchen erfuhren.

 

Originale Prozessakten und Folterinstrumente

In fünf thematisch gegliederten Abschnitten spürt „Hexenwahn“ den historischen, sozialen und theologischen Hintergründen dieser Verfolgungen nach. Sie veranschaulicht diese an vielen Originalexponaten aus der Zeit – von Richtschwertern und Folterinstrumenten über Prozessakten und Flugblätter bis hin zu Talismanen und Schutzamuletten des Volksglaubens. Ziegenbock, Rabe oder schwarze Katze: Lebensechte Tierpräparate stehen in der Ausstellung für die angeblichen Diener des Teufels, während sich Besucher an einer interaktiven Station in die Rolle einer angeklagten „Hexe“ versetzen können. Und spezielle hinterleuchteten Folien inszenieren zeitgenössische Maler von Teufeln und Dämonen oder übergroße Fotografien von Natur-Orten des Aberglaubens in besonders eindringlicher Form.

Auch die mutigen Gegner des mörderischen Wahns stellt die Ausstellung ausführlich vor: Nachdenkliche Kirchenleute, mitfühlende Monarchen und belesene Professoren. Sie erhoben ihre Stimme im Namen der Vernunft und Menschlichkeit, und mit Mut, Hartnäckigkeit und Ausdauer bereiteten sie dem Horror schließlich ein Ende. Sie trugen damit ihren Teil dazu bei, eine neue Epoche einzuläuten: das Zeitalter der Aufklärung.

 

Nie ausgestorben: Der verhängnisvolle Glaube an Hexen und Zauberer

Doch die Ausstellung bleibt nicht in der Vergangenheit stehen. Sie schlägt auch Brücken zur Gegenwart: Die Ausstellung stellt die Frage nach dem Mechanismus kollektiver Angst neu – in einer Zeit, in der Verschwörungserzählungen wieder zunehmen, genauso wie gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit und „Hexenjagden“ im digitalen Raum. Auch zeigt sie, wie und wo der Glaube an Hexen und den Teufel bis heute überlebt hat – ob nun im Christentum oder Islam, in Afrika, Amerika oder Deutschland – eigentlich überall auf der Welt. Und in einem eigenen Bereich stellt sie dar, wie die ursprünglich tragische Figur der Hexe zum Teil der Popkultur wurde.

Die Ausstellung läuft bis zum 31. März 2026 und ist von Mittwoch bis Sonntag zu sehen, und zwar von 11-13 und 14-18 Uhr. Geeignet für Erwachsene und mutige Kinder ab 10 Jahren. Kuratiert hat die Ausstellung Dr. Stefan Meyer aus Rinteln.