„Die Jugend, die wir hatten, werden wir unseren Kindern nicht mehr geben können“

Sicherheitsexperte Christian Mölling spricht zu den Folgen des Ukraine-Konflikts beim Unternehmerfrühstück

In einem Vortrag hat der Sicherheits- und Verteidigungsexperte Christian Mölling im Kaiserpalais Hintergründe und mögliche Folgen des Ukraine-Konflikts und anderer globaler Krisen erläutert. Die städtische Wirtschaftsförderung hatte des gebürtigen Bad Oeynhausener für den Vortrag „Zeitenwende – Wohin?“ für die etablierte Veranstaltungsreihe Unternehmerfrühstück gewinnen können. Mölling ist Forschungsdirektor der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik.

„Die Ukraine-Krise beschäftigt uns auch hier in Bad Oeynhausen unmittelbar“; sagte Bürgermeister Lars Bökenkröger zur Begrüßung der etwa 80 Gäste im Oeynhausen-Saal im Kaiserpalais. Zu dem seit Jahren weiter voranschreitenden Fachkräftemangel kämen nun noch die seit Beginn des russischen Angriffskrieges deutlich gestiegenen Energie- und Baukosten, die Verwaltung wie heimische Unternehmen gleichermaßen treffen würden. „Wir tun vieles, um die Rahmenbedingungen auch für Sie als Unternehmen zu verbessern. Wir investieren in Kitas und Schulen. Vor kurzem hatten wir unsere Ausbildungsmesse, STEPone, um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken“, fasste Bökenkröger die städtischen Aktivitäten für eine lebenswerte Stadt zusammen. Gleichzeitig gebe es eine gesunde Unternehmensstruktur in der Stadt, vor allem durch die vielen Familienunternehmen, die oft auch als Sponsor der heimischen Vereine auftreten.

Christian Mölling brachte zum Beginn seines Vortrages die Freude zum Ausdruck, in der „guten Stube“ der Stadt im Kaiserpalais zu Gast zu sein um gleich zu Beginn klarzustellen: „Ich möchte nicht nur zu Ihnen sprechen sondern ich möchte auch mit Ihnen sprechen. Das ist mir fast noch wichtiger.“

Das konkrete Geschehen in der Ukraine sei nicht Thema des Vortrages. Das gebe es tagtäglich in den Nachrichten und sei ohnehin stetig im Wandel. „Es sind die längeren Linien, die dahinterstecken – verbunden mit der Frage: Was ist das sichere, worauf kann ich mich verlassen? Und wie sind wir eigentlich in den Schlamassel hereingeraten?“

Dabei zog Mölling die Liste etwas größere und warf einen kurzen Blick auf die Krisen und Kriege der vergangenen Jahre und Jahrzehnte. Der Konflikt in Libyen, der arabische Frühling, die Wirtschafts- und Finanzkrise, der Konflikt in Syrien – das alles ist ein Krisenbogen.“ Das sei immer schon da gewesen. Der jetzige Krieg in der Ukraine mit all seinen Auswirkungen sei dagegen aber ein Flächenbrand. Mit dem Krieg habe die Welt mittlerweile drei existenzielle Krisen zeitgleich zu bewältigen. Denn hinzu kämen die Corona-Pandemie und der Klimawandel. Wie die Pandemie, die nach experimentellen Studien erwartbar war und der Klimawandel, der seit den Siebziger Jahren in seinen grundsätzlichen Mechanismen bekannt sei, sei auch der Ukraine-Konflikt nicht wirklich neu. Mölling: „Die Absichten Putins waren lange klar.“

Das große Problem sei die Gleichzeitigkeit der Krisen. „Lange hat man gesagt, eine Bundesregierung könne anderthalb Krisen gleichzeitig bewältigen. Diese Grenze ist längst überschritten und ich beneide niemanden, der zurzeit politische Verantwortung hat.“

Aber es gebe auch gute Signale: Die Anpassung der Welt und auch hier bei uns in Deutschland läuft. „Es gibt eine grüne Transformation, die europäische politische Gemeinschaft sucht Mittel und Wege, um besser handlungsfähig zu werden, zum Beispiel bei der Verteidigung. Und internationale Partnerschaften gewinnen einen neuen Stellenwert.“ Vieles könne und müsse auch im Lokalen geschehen, zum Beispiel im Bereich der Digitalisierung. „Die Kräfte der Verharrung sind groß aber die Kräfte, die von außen an uns zerren, sind größer“, sagte Mölling, um den Mut zu Veränderungen auf allen Ebenen zu unterstreichen. Dabei könne wie Politik den Menschen durchaus noch mehr zumuten. „Aber wir sind dabei in einem demokratischen System eingebunden, dass am Ende entscheidet.“ Und dafür gelte es auch, den politischen Diskurs, den politischen Streit wieder zu kultivieren, um am Ende zu tragfähigen und ausgewogenen Lösungen zu kommen.

Das Unternehmerfrühstück der Wirtschaftsförderung ist seit mittlerweile zehn Jahren fest etabliert. Etwa zwei Mal im Jahr lädt die Stadt dazu Referenten zu verschiedenen Themen rund um die Themen Wirtschaft und Arbeitswelt ein. Neben den Vorträgen geht es bei dem Veranstaltungsformat aber vor allem auch darum, Netzwerke zwischen Verwaltung und Unternehmen einerseits und zwischen den Unternehmern anderseits zu knüpfen und auszubauen.

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