Bad Oeynhausen

Ehrenamt im Portrait

Ehrenamtliche berichten von sich und ihrem Ehrenamt

Das ehrenamtliche Engagement ist auch in der Zeit der Corona-Pandemie von
besonderer Bedeutung. Gleichzeitig steht das Ehrenamt vor großen
Herausforderungen, die jeweiligen Aktivitäten im Einklang mit den (Kontakt)-
Beschränkungen und Richtlinien anzubieten und durchzuführen. In vielen
Einrichtungen war das freiwillige Engagement im Jahr 2020 schlagartig nicht mehr
möglich.
Im Arbeitskreis „Lokales Netzwerk für Engagement“ ist daher die Idee entstanden,
Freiwillige und ihre ehrenamtlichen Tätigkeiten vorzustellen. Aus insgesamt 13
Interviews mit Freiwilligen aus unterschiedlichen Bereichen sind Porträts entstanden, 
 die stellvertretend für die vielen anderen Freiwilligen die Personen hinter dem
Ehrenamt vorstellen, die mit ihrem Engagement unschätzbare Arbeit leisten.
Denn es soll nicht in Vergessenheit geraten, wie wichtig jedes einzelne Ehrenamt und
vor allem jeder einzelne Freiwillige ist, die alle gemeinsam haben, dass sie Menschen
in unterschiedlichen Lebenssituationen unterstützen und das Zusammenleben
unserer Gesellschaft bereichern.
Wer sich ebenfalls für eine freiwillige Tätigkeit interessiert und Unterstützung bei der
Suche nach der geeigneten Einsatzstelle wünscht, kann sich gerne bei der
Ehrenamtskoordinatorin der Stadtverwaltung Bad Oeynhausen, Anna Südkamp,
melden, telefonisch unter 05731- 14 1024 oder per E-Mail an
ehrenamt@badoeynhausen.de. 

 

 

Hilfe für Geflüchtete

„Es fing an mit einem großen Berg von Koffern“

Gerold Haug ist ein Mann vieler Ehrenämter. Wobei er selber das Wort „Amt“ nicht mag, sondern lieber von seinen freiwilligen Tätigkeiten spricht. Seine Erfahrungen sind vielfältig, früher hat er oftmals auch Tätigkeiten übernommen, die eine fest vorgegebene Aufgabe umfassten, die es galt auszuführen. In der Flüchtlingshilfe aber hat er viel Spielraum, hier kann er mitgestalten.

„Damals dachte ich: da ist Not am Mann, da packst du einfach mit an“ berichtet Gerold Haug über seinen Einstieg in das freiwillige Engagement in der Flüchtlingshilfe im Jahr 2015. Es gab nicht viel zu fragen, es musste tatkräftig mitangepackt werden. Und das hieß zunächst einmal: Koffer auspacken. Berge von Koffern, gefüllt mit Kleidung türmten sich in einer Fahrzeug-Halle der Johanniter, die Menschen wollten spenden und Gutes tun, die Massen an Spenden mussten aber erst einmal sortiert werden.

Das erste Mal zur Notunterkunft zu gehen, in den großen Bettensaal, das habe ihn zunächst Überwindung gekostet, berichtet Gerold Haug. Überwindung, die sich jedoch schnellstens ausgezahlt hat. „Ich habe dann auf Englisch in den Männersaal gerufen, wer Deutsch lernen möchte. Ein paar haben das verstanden und so haben wir dann auf dem Flur Deutsch gelernt. Oder zwischen den Doppelstockbetten habe ich den einzelnen Leuten dann die allerwichtigsten Verständigungsfloskeln beigebracht.“ Schnell ist daraus eine feste, offene Lerngruppe geworden. Eine gespendete Tafel und ein passender Raum machten das Angebot komplett. „In der Flüchtlingsarbeit gilt es, Offenheit und Unvoreingenommenheit mitzubringen und man muss mit Unstrukturiertheit umgehen können. Und mit Lautstärke. Didaktisch war das nicht immer perfekt, das ist so mehr aus dem Ärmel geschüttelt. Aber es ist immer lebendig und das hat mir Spaß gemacht“, erzählt Gerold Haug.

„Alles, was ich hineingegeben habe, habe ich unmittelbar auch wieder zurückbekommen.“

Als die Notunterkunft aufgelöst und viele Geflüchtete auch anderen Kommunen zugewiesen wurden, bildete sich eine feste Gruppe, mit denen das Deutschlernen fortgesetzt wurde. Auch hier musste improvisiert werden, galt es kreativ zu werden, aber man habe immer dankbare Abnehmer gehabt. „Alles, was ich hineingegeben habe, habe ich unmittelbar auch wieder zurückbekommen. Einfach mit dem Gefühl, das ist sinnvoll, was ich mache und die Leute sind dankbar und wissen das zu schätzen. Und ich habe viel erfahren über andere Kulturen, wo ich vorher nur so diffuse Vorstellungen hatte.“

Gerold Haug möchte Gesicht zeigen für sein freiwilliges Engagement in der Flüchtlingshilfe. Noch aus Studententagen ist ihm und seiner Familie die Offenheit für internationale Kontakte geblieben und damit der Reiz und die Neugierde, auch einmal über den eigenen Tellerrand hinauszuschauen. Gerold Haug ist es wichtig, aus der Unmittelbarkeit seiner Erfahrungen heraus zu berichten und die Dinge, wie er sie erlebt hat, auch an die Öffentlichkeit zu bringen.

Natürlich habe es auch bei ihm zunächst Berührungsängste gegeben. „Man trifft auf fremde Menschen, fremde Sprachen und fragt sich: Wie kann man sich überhaupt verständigen? Und was hast du mit ihnen gemeinsam? Doch genau hierin und in der Unmittelbarkeit der Begegnung mit den Menschen liegt der große Gewinn dieser freiwilligen Tätigkeit. So eine anfängliche Befangenheit gegenüber dem Fremden, einer anderen Kultur, das hat sich mit der Zeit einfach aufgelöst“.

Über eine Nachbarschaftsplattform ergibt sich schlussendlich der Kontakt zu einem jungen Mann. Als junger, unbegleiteter Geflüchteter sucht dieser über das Portal nach jemandem aus seiner Nachbarschaft, der ihn beim Deutschlernen unterstützt.

„Und mit dem hat es sich ergeben. Mit jemand anderem hätte sich das so nicht ergeben, das war einfach Zufall. Da haben sich die zwei Richtigen gefunden. Das ist schon so wie ein Enkel- Opa- Verhältnis geworden, könnte man sagen“. Diesen jungen Mann auf seinem Weg zu begleiten, das macht Gerold Haug bis heute viel Spaß. Nach wie vor besprechen sich die beiden beinahe jeden Tag, damit der junge Mann schon bald sein Ziel erreichen kann: das Fachabitur.

Neben dem formellen Üben von Deutsch und Englisch entstehen hierbei für beide wertvolle Gespräche, über die sich die beiden immer besser kennen lernen. Und bei einiger Verschiedenheit doch viel mehr Gemeinsamkeiten entdecken.

 

 

Ferienspielbetreuung - Kinder-und Jugendförderung Stadt Bad Oeynhausen

„Man ist selber ein stückweit wieder ein Kind“

Junge Menschen braucht das Ehrenamt. Zwei junge Freiwillige, Markus Budde und Franziska Schmitt, berichten von ihrem Engagement im Bereich der Kinder- und Jugendförderung und teilen ihre Erfahrungen aus ihrem Ehrenamt.

Markus Budde studiert neben dem Ehrenamt an der TH OWL Medienproduktion in Lemgo. Franziska Schmitt studiert an der Uni Bielefeld Erziehungs- und Politikwissenschaften. Eigentlich wollte sie ursprünglich Lehrerin werden, hat über ihr Ehrenamt aber für sich entdeckt, dass sie keine Lehrkraft werden sondern lieber anders mit den Kindern in Kontakt sein möchte.

Bereits seit 2016 ist Markus Budde beinahe durchgängig Teil des Teams, das sich um die Organisation und Durchführung der Ferienspiele für Kinder im Alter von sechs bis dreizehn Jahren in Bad Oeynhausen kümmert. So hat er bisher schon eine Menge Erfahrung in seinem Ehrenamt gesammelt, ab und zu fährt er auch mit dem Spielmobil zu kleinen Festen. Franziska Schmitt ist bereits seit 2013 dabei und kann sich schon gar nicht mehr so ganz genau erinnern, wie sie damals dazu gekommen war, sich bei den Ferienspielen zu engagieren. „Über eine Schulfreundin war das. Und dann ist man irgendwie so da hängen geblieben“.

Und das natürlich nur im positiven Sinne.

Sein Ehrenamt beschreibt Markus vor allen Dingen mit diesen drei Worten: abwechslungsreich, spannend und chaotisch. Zusammen mit anderen Helferinnen und Helfern Konzepte zu planen und diese mit den Kindern umzusetzen, das macht ihm am meisten Spaß. Für Franziska ist ihr Engagement vor allem „laut, lustig, emotional“.

Mit der Zeit hat sich ihr Engagement weiterentwickelt. Anfangs ging es vor allem um die Arbeit mit den Kindern. Mittlerweile sind die beiden aktiv in die Planung einbezogen, planen die Tagesabläufe mit und entscheiden gemeinsam mit dem Helfenden- Team, welche Angebote umgesetzt werden können. „Von der Planung über die Durchführung bis zur Nachbereitung gemeinsam mit den anderen Helfenden sind wir einbezogen. Ich würde sagen, die Planung macht so etwa 60% der Arbeit aus, die Durchführung läuft dann mit einem gut eingestimmten Team schon fast von allein.“ Und seit er in 2016 angefangen ist, habe er nur gute Teams erlebt, berichtet Markus.

Vorfreude schon auf das nächste Mal

„Man möchte einfach dabei sein. Es klingt vielleicht kitschig, aber man fühlt sich schon verbunden, fast familiär. Je öfter man dabei ist und wenn das Team so gut passt, dann freut man sich auf die ‚großen‘ Ferienspiele, die 3 Wochen im Sommer. Wenn dann die Betreuenden nach Feierabend noch da bleiben und man sich austauscht. Man lernt auf jeden Fall viele Leute kennen. Und auch bei den Kindern ist es natürlich schön, wenn man sie in regelmäßigen Abständen dann wiedersieht. Und wenn sie einen wiedererkennen“ erzählt Franziska. „Oder dann unbedingt zu dem in die Gruppe wollen, weil es das letzte Mal so toll war“, ergänzt Markus lachend.

Als ihr Highlight beschreiben die beiden die Ferienspiele im Sommer 2017. Die harmonische Zusammenarbeit der Freiwilligen, eine gute Stimmung bei den Kindern und die reibungslose Planung und Durchführung der Angebote für die Kinder haben das Gesamtpaket rund gemacht. „Die drei Wochen liefen fast schon nebenher. Man konnte sich immer darauf verlassen, dass nach den Angeboten noch mindestens fünf bis sechs Betreuenden da waren“, berichtet Markus. „Die Kinder in diesem Jahr waren alle super aufgeweckt. Sie waren im Schnitt gerade sechs Jahre alt und noch so ganz kleine Mäuse. Und dann zu sehen, wie sie in den Wochen aufblühen, das war einfach richtig schön“, ergänzt Franziska ihre Erinnerungen aus 2017.

Von seinem inneren Kind aus planen

Und man sei selber auch wieder Kind, denn man könne Sachen umsetzen, die man sonst in seinem Alltag nicht mehr so umsetzt. „Ich habe das als Kind auch selber immer gemacht, Fensterbilder basteln und so weiter. Deswegen war ich in einem Jahr der Bastelexperte und habe mit den anderen große Bastelaktionen gemacht, die auch länger dauern. Jeder bringt da seine Stärken ein und versucht diese kindgerecht zu verpacken. Und man hat da teilweise echt gestaunt, wie schwer es am Anfang noch ging, das zu vermitteln und wie gut es dann nach 3 Wochen lief“, erzählt Markus.

Sei man erst einmal eine Woche dabei, habe man dann schon gelernt, wie Aufgaben und Angebote kindgerecht verpackt werden. Manche schreiben um die Aufgaben eine Geschichte herum, um das Interesse der Kinder zu wecken. „Wenn man dann einmal in sich geht und überlegt, was einem selber als Kind gefallen hat, dann macht man das nach einiger Zeit schon automatisch“, weiß Markus.

Franziska ist, laut eigener Aussage, nicht die große Theoretikerin sondern findet es super, die Angebote mit den Kindern umzusetzen, zu sehen, dass es den Kindern Spaß macht und sie manches dann zu Hause auch weiterführen. Oder einfach direkt zeigen, dass es ihnen Spaß macht.

„Es hat aber auch Kinder gegeben, die sahen die ganze Zeit so unglücklich aus und man hatte das Gefühl, dass sie froh waren, dass die Ferienspiele dann zu Ende waren. Und dann erzählen die Eltern aber, dass ihr Kind im nächsten Jahr auf jeden Fall wiederkommen möchte und zuhause nur noch von den Ferienspielen spricht“, erzählen die beiden.

Entscheidend ist, eigentlich ganz simpel: man sollte Kinder mögen.

„In ein gutes Team bringt jeder seine Stärken und Schwächen ein, niemand muss alles können. Man wird gut aufgefangen und genau das ist auch das Schöne daran. Man kann sich ein wenig selber verwirklichen und ausprobieren. Man gewinnt viel an Selbstvertrauen. Bei all den schönen Seiten darf aber natürlich auch nicht vergessen werden, dass man eine Verantwortung für die Kinder hat“, führt Franziska aus.

Als Engagierte/r bei den Ferienspielen ist man Ansprech- und Vertrauensperson für die Kinder. Angst brauche aber dennoch niemand zu haben. Zum Einstieg könne man zunächst Teil einer Gruppe sein und einfach die Aufgaben mit ausführen. So kann man von Jahr zu Jahr mehr Verantwortung übernehmen, wenn man dies möchte und seine Ideen einbringen und umsetzen. Und auch dann muss niemand befürchten, dass es schlimm wäre, wenn nicht alles perfekt klappt.

Obwohl coronabedingt im Sommer 2020 vieles anders war, beschreibt Franziska auch diesen als besonders: „Die Kinder haben einfach unbeschwert miteinander spielen können, die waren total glücklich. Sie waren froh, dass sie überhaupt mal wieder miteinander interagieren konnte, da musste man als Betreuende gar nicht viel reingeben.“

Bei den Ferienspielen sollen die Kinder frei und lebendig sein können, schließen die beiden, „es wäre komisch, wenn es leise wäre.“

 

 

Erzählkreis - Freundeskreis Märchenmuseum e.V.

„Der Wille, den Alltag der Menschen ein wenig aufzuheitern“

„Ich war als Zuhörer vor vier Jahren auf dem Museumshof beim Mittsommer- Erzählen. Ich war komplett gebannt, gefesselt. Ich habe nicht einmal mein mitgebrachtes Essen, Weintrauben und Käse, angerührt und nur einen winzigen Schluck von meinem Wein getrunken– es ging einfach nicht. Und da habe ich gedacht, das will ich auch können“, berichtet Martin Brune von seinem Einstieg in das Ehrenamt im Erzählkreis des Fördervereins Märchenmuseum e.V.

Katharina Birjukow, ebenfalls Mitglied des Erzählkreises, ging es ähnlich. Sie war als Zuschauerin bei „Bad Oeynhausen liest Märchen“ und war ebenfalls „total hin und weg“. Nach der Veranstaltung sprach sie Anette Gohlke an, die Vorsitzende des Fördervereins, die sie bereits kannte. Sie möchte unbedingt erfahren, wie sie mitmachen kann. Und da Frau Dr. Dose, die Museumsleitung, gleich nebenan stand, ermutigte sie Anette Gohlke diese anzusprechen. „Und ich durfte dann hineinschnuppern in den Erzählkreis. Und ein halbes Jahr später war dann plötzlich meine Premiere beim Mittsommer- Erzählen auf dem Museumshof.“ Und diese Premiere war dann auch gleich eines ihrer schönsten Erlebnisse im Rahmen ihres Ehrenamtes: „Und was soll ich sagen, das war ein erhabenes Gefühl. Alles hat gepasst! Das Wetter war toll, das Publikum gut drauf und ich habe mich nicht verhaspelt! Die Geschichte ist toll angekommen und zum Schluss kam eine Dame zu mir und sagte ,Ich habe mir alles gemerkt, diese Geschichte werde ich meiner ganzen Familie erzählen‘. Das ist genial. Und das hat noch einmal Auftrieb gegeben- das möchte ich nicht mehr missen.“

Die Einführung in die Erzähltechnik

In einem Schnupperkurs zum Märchenerzählen lernten die beiden bereits die Technik, die hilft, sich die Märchen zu merken, sie aber auch zu individuellen Geschichten zu machen und in das freie Erzählen zu kommen. „Das Märchen, jede Geschichte, kann man erst auf sieben Sätze und dann auf nur fünf Worte reduzieren. Und wenn man das im Kopf hat, diese fünf Worte, dann muss man eben mit dem, was man an Formulierungen und Wortschatz hat, diese Geschichte wieder zusammensetzen. Und das funktioniert bei jedem Märchen. Das haben wir in unserer ersten Stunde im Schnupperkurs gemacht. Jeder der acht Teilnehmenden konnte abends eine Geschichte erzählen, nicht vorlesen! Eine Geschichte, die er vorher nicht kannte“, schildert Martin Brune.

Katharina Birjukow ergänzt: „Ich erzähle einfach das, was ich fühle, wie es mir heute geht, was ich vom Publikum zurückbekomme, es spielt alles mit rein. Und so kommt es, dass die Märchen leben und sich ständig neu entwickeln. Auswendig lernen kann ich sie nicht. So passiert jedes Mal, dass dabei etwas anderes herauskommt. Aber der Ausgang der Geschichte bleibt natürlich gleich.“

Auf den Schnupperkurs und erste Erzähl-Erfahrungen folgte ein offizieller Lehrgang mit einer Abschlussprüfung, mit der die Teilnehmenden eine Ausbildungsurkunde erhielten. Martin Brune berichtet: „Was viele gar nicht wissen ist, dass wir damit eine Handwerksausbildung haben. Der Erzähler ist ein Handwerksberuf- noch.“

Man sollte ein Bücherwurm sein

„Um im Erzählkreis mitzuwirken, sollte man die Begeisterung mitbringen, anderen eine Geschichte zu erzählen“, berichten die beiden, „alles andere, die Technik, ein Repertoire an Geschichten, das kann man lernen. Und eine gewisse Rampensau sollte man auch schon sein.“ Aber im Erzählkreis gibt es auch viele andere Aufgaben, die man als Freiwillige und Freiwilliger übernehmen kann. „Man muss auch bereit sein etwas Zeit mitzubringen. Bei unseren regelmäßigen Treffen werden dann Geschichten erzählt, dazu gibt es Feedback. Aber es geht auch um Organisatorisches, zum Beispiel: Es steht demnächst wieder eine Veranstaltung an, welches Thema wollen wir wählen, wer hat Ideen, was sollten wir anders oder neu machen, sowas eben. Man sollte Lust haben, sich einzubringen und eigene Ideen haben“, erklärt Katharina Birjukow. Auf jeden Fall ist es keine Frage des Alters, wie das Schulprojekt in Kooperation mit dem IKG zeigt: „Mit den Kindern haben wir gar nicht so viel gearbeitet, da haben die Lehrer die Hauptarbeit gehabt. Wir hatten nur einige wenige Proben und danach konnte die Kinder bereits vor ihren Eltern, vor ihren Lehrern hier auf der Bühne Märchen erzählen. Faszinierend. Viele haben sich komplett neue Märchen ausgedacht mit viel Tiefgang. Wirklich toll.“

„Das finde ich so klasse, ich bin völlig frei in dem, was ich hier mache. Ich kann mich megamäßig einbringen, aber ich kann auch sagen: ich kassiere an der Kasse oder mache den Getränkeverkauf. Dafür werden auch Leute gebraucht. Einweiser, Kartenabreißer, Aufbauen der Stühle, das Hygienekonzept erstellen. Wie in jedem Ehrenamt: Eigeninitiative braucht es für die Sache, die ich da mache. Engagement auf jeder Ebene. Es ist so vielfältig in diesem Erzählkreis, was man machen kann. Es gibt auch Mitglieder, die erzählen nicht, die hören zu und helfen mit bei Veranstaltungen“, knüpft Martin Brune an.

Und man sollte ein Bücherwurm sein. So wie die beiden. „Seit ich lesen kann, lese ich. Irgendwann hatte ich in der Bibliothek nebenan alle Kinderbücher durch. Und dann hat mir die Bibliothekarin auch schon einmal Erwachsenenbücher zugeschoben, aber solche, die ein Kind gut verkraften konnte. Und in meiner Schulzeit waren wir viel unterwegs. Und ich war immer diejenige, die meinen Mitschülerinnen dann abends etwas erzählt hat. Also, das Erzählen habe ich scheinbar auch schon länger gemacht, das war mir gar nicht so bewusst“, erzählt Katharina Birjukow.

„Geht nicht auf die Suche nach den Geschichten, die Geschichten finden euch“

Wie man aus der Vielzahl der Märchen überhaupt eines auswählt, beschreibt Martin Brune: „Uns wurde das schon ganz oft gesagt ‚Geht nicht auf die Suche nach den Geschichten, die Geschichten finden euch‘. Und das ist auch so. Ich habe eine Geschichte, die ist 15 Minuten lang. Und die habe ich einmal gehört und danach konnte ich sie. Weil sie einfach passte.“ Katharina Birjukow unterstreicht dies und ergänzt: „Durch das Erzählen lese ich wieder sehr viele Märchen. Ich muss unzählige Märchen lesen, bis mich dann eines anspringt und ich merke ‚Oh, das ist meins‘. Und das Märchen verinnerliche ich dann auch und kann es gut erzählen. Und dann muss ich wieder viele lesen, bis wieder eines dabei ist, das mir zuruft: ‚Hier bin ich‘. Wir sind etwa 20 Personen hier im Erzählkreis und alle so unterschiedlich. Das spannende dabei ist, dass es für jedes Märchen ein Erzähler und auch ein Publikum findet. In einer Veranstaltung ist mir bewusst aufgefallen, wie gut das Märchen zu der erzählenden Person passte, auch das Publikum fühlte dies und war begeistert. Und gleichzeitig ist mir klar geworden, dass ich selber dieses Märchen nie erzählen könnte, weil es einfach nicht zu mir passen würde, einfach nicht meins war. Das ist das tolle daran, dass die Märchen so vielschichtig sind, dass für jeden etwas dabei ist.“

Was ihre Begeisterung für das Märchenerzählen ausmacht, berichtet Katharina Birjukow so: „Die Zuschauer verwandeln sich dabei wieder zum Kind, das ist so schön mit anzusehen. Das ist so dieses freie Gefühl, sie vergessen für einen Moment, immer schön die Mimik zu kontrollieren, und bloß die Hände irgendwie falten- sie folgen der Handlung und die Erleichterung am Ende der Geschichte ist dann bei allen gleich.“ Aufgeregt ist sie vor Auftritten aber trotzdem noch: „Ich kann mich vorbereiten wie ich will, ich kann beim Bügeln Geschichten erzählen, im Hüpfen und alles. Aber dann auf der Bühne des Museumshofs denke ich den ganzen Weg vom Stuhl zum Mikro ‚Das erste Wort nicht vergessen!‘ und ‚Bloß nicht stolpern, wenn es geht!‘ Mit dem ersten Wort aber geht irgendwie etwas auf, und dann läuft die Geschichte. Und dann geht es auch wieder mit der Aufregung.“

Neben Projekten mit Schulen ist der Erzählkreis mit seinen Erzählerinnen und Erzählern inzwischen fester Bestandteil vieler kultureller Veranstaltungen in Bad Oeynhausen. Martin Brune schildert die umfangreiche Vorbereitung: „Das ist schon richtig Arbeit. Wenn wir da was vom Erzählkreis aus machen, dann geht das Wochen vorher los, dann überlegen wir gemeinsam, welche Geschichten erzählt werden, wer welche Geschichte erzählt, dann wird zusammengestellt in welcher Reihenfolge die kommen und dann bereitet man die Geschichte vor, zwei, drei Abende vorher gibt es dann im Erzählkreis die Generalprobe.“

Die Begeisterung der beiden für ihr Ehrenamt ist das ganze Gespräch über deutlich spürbar. Sie fassen für sich zusammen: „Der Reiz liegt darin, den Menschen eine Alltagsflucht zu ermöglichen und ihnen einen kleinen Moment des Glücks zu verschaffen. Unser gemeinsamer Ausbilder Lothar Schröer hat immer gesagt: ,Geschichtenerzähler kommen mit nichts und gehen mit nichts, aber lassen trotzdem etwas da.‘ “

 

 

Bevölkerungsschutz - Johanniter-Unfallhilfe e.V.

Vom Chemielaborant zum Gesundheitspfleger: wie das Ehrenamt bei der Berufswahl helfen kann

Das Ehepaar Jennifer und Björn Niermann berichtet von ihrem gemeinsamen Ehrenamt, welches die beiden neben ihren Berufen als Altenpflegerin und als Gesundheits- und Krankenpfleger ausüben: sie unterstützen den Bevölkerungsschutz bei der Johanniter Unfall-Hilfe Minden Ravensberg, bei dem sie nicht nur langjährige Freunde gefunden haben, sondern auch Klarheit für ihren weiteren beruflichen Weg.

Angefangen sind beide als Sanitätshelfende. Jennifer berichtet: „Ich habe mich dann weiter hochgearbeitet zur Rettungshelferin NRW. Und habe inzwischen gemerkt, dass die Richtung ‚Fachdozentin‘ mir noch mehr Spaß macht. Ich bin zwar weiter auf Sanitätsdiensten, aber dann gerne im Bereich der psychologischen Betreuung, Notfallseelsorge. Da möchte ich noch den Aufbaukurs machen. Und ich bin Erste-Hilfe-Ausbilderin.“ Auch Björn erzählt von seinem beeindruckenden Werdegang in seinem Ehrenamt. Nachdem er 2011 seinen Bundesfreiwilligendienst bei der Johanniter Unfall-Hilfe angetreten ist, ist er auch danach ehrenamtlich dabei geblieben: „Ich habe auch angefangen als Sanitätshelfer, habe dann den Rettungshelfer NRW gemacht, mache zurzeit meinen Rettungssanitäter, was jetzt durch die Pandemie etwas ins Stocken geraten ist. Und ansonsten bin ich Gruppenführer in der Betreuungsgruppe und ich bin Leiter der Fahrradstaffel.“

Die Aufgaben der Fahrradstaffel

Damit man sich besser vorstellen kann, was das nun an Aufgaben heißt, erklärt Björn weiter: „Bei der Fahrradstaffel bekommt man Anfragen für Sanitätsdienste, die an die Zuständigen weitergeleitet werden, man schaut, dass genug Leute für den Dienst zusammenkommen. Außerdem müssen die Fahrräder instandgesetzt werden. Die Betreuungsgruppe springt ein im Katastrophenfall, wenn Menschen betreut werden müssten, alles aufgebaut werden müsste. Man schaut, dass allen die Abläufe klar sind und ist für die anderen ansprechbar, wenn es Probleme gibt. Auch schaut man, dass die Gruppenmitglieder regelmäßig aus- und fortgebildet werden.“

„Mindestens sollte man erweiterte Erste-Hilfe-Kenntnisse haben. Die Fahrradstaffel ist dazu da, bei Veranstaltungen größere Gelände zu sichern. Man fährt durch die Gegend, wo es motorisierte Fahrzeuge nicht dürften, und schaut, ob man hilflose Personen auffindet. Oder man wird über Funk informiert, wo man mit dem Fahrrad deutlich schneller hinkommt, als wenn jemand laufen müsste. Und seit zwei Jahren müssen wir auch keine schweren Rucksäcke mehr dabei haben, sondern haben hinten an den Mountainbikes kleine Taschen, die ausgestattet sind, wie ein kleiner Erste-Hilfe-Koffer. So kann man schon einmal die Patienten versorgen bis dann der Rettungsdienst eintrifft. Wir nehmen da die Ersteinschätzung vor, ob die Person ein Fahrzeug braucht oder zu Fuß gehen kann.“

Vielfältige Entwicklungsmöglichkeiten innerhalb des Ehrenamtes

Neben dem Beruf ein solches Ehrenamt aufrechthalten zu können, ist nicht immer ganz einfach. Beide äußern daher, dass sie es sehr hilfreich finden, wenn der Partner ebenfalls Teil des Ehrenamtes ist. Außerdem sind ihnen die Kenntnisse und Erfahrungen, die sie durch ihr Ehrenamt im Bevölkerungsschutz sammeln, durchaus auch in ihren Berufen nützlich.

Und die vielfältigen Entwicklungsmöglichkeiten sind es, die besonders Jennifer motivieren, nun schon seit beinahe zehn Jahren ihr Ehrenamt auszuüben: „Gerade auch im Bereich Krisenintervention, psychosoziale Notfallseelsorge, in diese Richtung gehe ich gerne, und da gibt es viele Möglichkeiten sich weiterzubilden.“

Durch das Ehrenamt habe er seine Stärken überhaupt erst einmal kennengelernt, berichtet Björn. „Ich bin zum Beispiel direkt nach der Schule in den Bundesfreiwilligendienst und konnte durch das Ehrenamt testen, ob mich dieser Bereich überhaupt interessiert. Ursprünglich habe ich eine Ausbildung als Chemielaborant angefangen und im Rahmen meines Ehrenamtes gemerkt, dass mich der medizinische Bereich und der Umgang mit kranken Menschen viel mehr interessieren. So habe ich dann meine Ausbildung abgebrochen und etwas anderes gemacht.“

Beide berichten außerdem, dass sich viele private, sehr enge Freundschaften durch ihr Ehrenamt entwickelt haben. Und schließlich haben auch sie sich ja in ihrem Ehrenamt kennengelernt und sind nun verheiratet. „Es ist halt auch eine schöne Gemeinschaft, die Sanitätsdienste, das sind dann ja häufig auch dieselben, man kennt sich mit der Zeit gut und wird zum eingespielten Team.“ Und auch die Dankbarkeit der Leute, denen man helfen könne, sei toll und motivierend.

„Selbst wenn man kein Blut sehen kann, kann man mitmachen“

Dass es hilfreich ist, durch einen Erste-Hilfe-Kurs bereits ein Gefühl dafür zu haben, ob einem das Ehrenamt im Bevölkerungsschutz Spaß machen könnte, leuchtet unmittelbar ein. Jennifer meint aber: „Vorerfahrungen braucht man eigentlich nicht im Erste-Hilfe-Bereich, denn man sammelt die ganzen Erfahrungen dann sehr gut im Ehrenamt. Sowohl bei Dienstabenden, wo man ganze Fälle bespricht oder diese übt und nachstellt mit den Kollegen. Wir haben auch die Möglichkeit, erst einmal als Praktikant bei Sanitätsdiensten dabei zu sein. Oder die anderen Gruppen kennen zu lernen, die Betreuungsgruppe, die Fahrradstaffel, die Technikgruppe, da kann man überall mal ein wenig reingucken. Und auch nach Jahren kann man wechseln. Ich war auch lange in der Sanitätsgruppe, bis ich dann gemerkt habe, dass ich mich in der psychologischen Betreuung deutlich wohler fühle, als draußen bei der Fußstreife.“

„Und selbst wenn man kein Blut sehen kann, kann man kommen und mitmachen“, räumen Jennifer und Björn alle Bedenken aus, „da wäre dann eher der Betreuungsbereich oder die Technikgruppe geeignet. In der Technikgruppe oder der psychologischen Betreuung sieht man auch weniger Blut. Für jeden, der Interesse hat, ist ein Einsatzfeld dabei.“

„Vorbereitende Kurse und das Sammeln von Erfahrungen kosten anfangs schon ein wenig mehr Zeit,“ berichtet Björn, „aber dann gibt es auch bei uns Leute, die mehr und welche, die weniger Zeit investieren können nur bei großen Diensten dabei sind, wenn viele Personen gebraucht werden“ erklärt Björn.

„Da weiß jeder, wir stehen bereit, wenn etwas ist“

Manchmal lässt sich in den Einsätzen nicht vermeiden, dass man auch belastenden Situationen ausgesetzt sein kann. Am Ende des Dienstes gibt es immer die Möglichkeit, so etwas anzusprechen. „Aber auch, wenn sich das erst im Nachhinein herausstellt, haben wir hierzu die psychosoziale Betreuung. Diese ist auch für Einsätze der Sanitätsdienste, aber größtenteils für unsere eigene Einheit. Da weiß jeder, wir stehen bereit, wenn etwas ist und kommen auch nach Hause, um belastende Eindrücke zu besprechen.“

Auch für gefährliche Situationen werden die Helfenden geschult, zum Beispiel zum Thema Deeskalation. Zum Glück haben Jennifer und Björn dies noch nicht erleben müssen, leider kommt es aber immer häufiger zu Übergriffen auf Einsatzkräfte. „Man soll eben vorbereitet sein. Wir laufen ja aber auch nicht alleine durch die Gegend, wir sind immer mindestens zu zweit.“

Unterstützung bei Einsätzen über Bad Oeynhausen hinaus

„Und was natürlich auch toll ist, ist dass man zu vielen Veranstaltungen kommt“, ergänzt Jennifer. Zu den Parklichtern, dem Parookaville Festival, Karnevalsveranstaltungen oder auch dem Berlin Marathon werden die Einsatzkräfte u.a. aus ganz NRW kontaktiert, da die örtlichen Hilfsdienste eine Veranstaltung, zu der Hunderte Helfende benötigt werden, nicht alleine bewältigen könnten. „Dann fahren immer ein paar Helfer von hier dorthin. Da kommt man zu Großveranstaltungen, die man sonst nicht besuchen würde. Bei den Festivals kann man dann nach seinem Dienst auch einfach auf dem Gelände bleiben und am Festival teilnehmen“, schwärmt Björn.

Zum Schluss betont Jennifer noch einmal, was sie besonders toll findet an ihrer Tätigkeit: „Mich haben vor allem die Weiterbildungsmöglichkeiten gereizt und man wird auch nicht ausgebremst. Ich habe auch die Technik- und Sicherheitslehrgänge besucht. Man kann sich entfalten, man wird gefördert und es ist Raum für Weiterentwicklung. Und man muss sich nicht für eines entscheiden, die Vielfalt ermöglicht einem, auch nach Jahren noch einmal etwas Neues zu probieren.“

 

 

Gartengruppe - Freundeskreis Museumshof e.V.

„Man kann eigentlich immerzu hier sein“

Dass sich Frau Auf dem Kampe als Mitglied der Gartengruppe des Vereins „Freundeskreis Museumshof e.V.“ sehr gut auskennt mit ihren Pflanzen, deren Bedürfnissen und Wirkweisen, wird in unserem Gespräch sehr schnell klar.

Die unterschiedlichen Beete des tollen Hofgartens hinter dem Hauptgebäude auf dem Gelände des Museumshofs werden von ihr, ihrem Mann und den anderen Mitgliedern des Gartenteams mit viel Zeit und Muße gepflegt. Auch achten sie darauf, dass die Flächen um die Gebäude und auf dem Gelände gepflegt werden. Wer hier mitarbeitet sollte auf jeden Fall tatkräftig sein und mitanzupacken bereit sein.

Der Verein veranstaltet regelmäßig Feste und Veranstaltungen, deren Einnahmen zur Pflege des Museumshofs genutzt werden können. „Gut ist, dass das hier wirklich eingespielte Feste sind, die es schon seit Jahren gibt: Der Ostermarkt, immer drei Wochen vor Ostern. Dann das Oldtimertreffen im Mai, von den Müllern organisiert, aber vom Verein unterstützt mit einer Kuchentheke. Anfang Juli findet dann noch das seit einigen Jahren beliebte Gartenfest statt, außerdem das Open-Air-Konzert im August und dann zum Saisonende noch der Martinsmarkt im November. Das sind so feststehende Feste, da wissen wir das ganze Jahr über, wann was ist, was Planungssicherheit gibt.“

Alleine kann man das alles nicht schaffen

„Besonders für die Gartenarbeit und die Ausrichtung der Kuchentheke zu den Märkten und Festen benötigt es immer viele helfende Hände. Um das alles zu organisieren braucht es viele Mails, Telefongespräche und persönliche Ansprache. Denn für die Kuchentheke müssen genügend gespendete Kuchen bereit stehen und ausreichend Helferinnen und Helfer da sein für die Ausgabe oder um das Geschirr in die Küche zu transportieren und dort zu spülen“, berichtet Frau Auf dem Kampe nur von einem Teil der Aufgaben, die in der Vereinsarbeit anfallen.

„Auch wer gerne Strümpfe für unsere Vitrine strickt, das wäre auch noch eine Möglichkeit der Hilfe. Wenn wir die bestücken und daraus Dinge verkaufen können, dann hilft uns das auch sehr. Wer also künstlerisch Hergestelltes spenden mag, dass wir von dem Verkaufserlös wieder etwas für den Verein machen können, dann wäre das natürlich auch prima. Wobei es natürlich etwas sein sollte, was dann auch Abnehmerinnen und Abnehmer findet“, erzählt sie weiter und zeigt uns die Glasvitrine gleich neben der Museumskasse im Haupthaus. Dort finden sich unter anderem auch Greifbälle für Babys, gestrickte Socken und die Rosenmarmelade, die Frau Auf dem Kampe erst kürzlich eingekocht hat. „Bei mir brodelt immer etwas zu Hause auf dem Herd“, sagt Frau Auf dem Kampe, die aus den geeigneten Kräutern und Pflanzen des eigenen und des Hofgartens auch Salben herstellt. Der Ideenreichtum, wie Einnahmen für den Freundeskreis erwirkt werden können, ist wirklich groß.

Diese Kreativität hat Frau Auf dem Kampe nicht nur in ihren vielfältigen Hobbies einbringen können sondern auch beruflich. Denn sie ist Kindergärtnerin gewesen. „Das war auch ein toller Beruf. Ich war viele Jahre in Dortmund im Kinderkrankenhaus und habe die kranken Kinder beschäftigt. Mit einem großen Korb mit Bastelmaterial bin ich dort von Bett zu Bett zu den einzelnen Kindern gegangen. Sehr kranken Kindern habe ich auch etwas vorgelesen. So konnte ich dazu beitragen, dass der Krankenhausaufenthalt für die Kinder kurzweiliger war und sie schnell genesen konnten. Das war eine sehr erfüllende Arbeit.“

Ihr über die Jahre angereichertes, umfangreiches Wissen über Pflanzen gibt Frau Auf dem Kampe normalerweise auch in Gartenführungen an Besuchende des Museumshofs weiter mit dem Schwerpunkt „Kräuter und ihre Anwendung“.

Mit viel Engagement im Vereinsgeschehen

In ihrem Amt als Schriftführerin muss sie nur tätig werden, wenn die Mitgliederversammlungen und Vorstandssitzungen anstehen. Frau Auf dem Kampe und ihr Mann sind bereits seit der Gründung des Vereins 2012 Mitglieder und arbeiten seither ehrenamtlich auf dem Museumshof mit.

Mit den Einnahmen, die durch die unterschiedlichen Aktivitäten gewonnen werden können, hat der Freundeskreis Museumshof zum Beispiel auch Ausstellungen und dazugehörige Informationstafeln verwirklichen können, sodass der Museumsbesuch für die Gäste noch lehrreicher sein kann und nicht in Vergessenheit gerät, wie das bäuerliche Leben und Arbeiten in früheren Jahrhunderten gewesen ist. Auch einige Spendende gibt es, die nötige Maßnahmen zur Instandsetzung durch Sach- und Geldspenden unterstützen oder Getränke für den Abverkauf auf Festen stiften.

Erhaltung alter Samensorten

Frau Auf dem Kampe weiß viel zu erzählen über die aufwendige Arbeit im Garten des Museumshofs. Neben der Pflege der Beete und der sonstigen Anlagen des Gartens kümmert sie sich aber auch um den Erhalt alter Samensorten.

Denn, alte Gemüse- und Staudensorten sind wichtige Kulturgüter. Das LWL-Freilichtmuseum Detmold hat es sich vor einigen Jahren zur Aufgabe gemacht, diese zu erhalten. Ein großes Netzwerk an privaten Pflanzenliebhabern unterstützt dabei, indem auch sie die alten Sorten anpflanzen. Solch eine Pflanzenpatenschaft hat auch Frau Auf dem Kampe des Freundeskreises Museumshof e.V. übernommen und sich damit verpflichtet, diese Sorten zu vermehren und weiterzugeben. Die alten Pflanzensorten findet man im Garten des Museumshofs, wo ihre Samen gesammelt werden. Der größte Teil hiervon wird dann an das Freilichtmuseum Detmold zurückgegeben, um zum weiteren Erhalt der jeweiligen Sorten beizutragen. Der restliche Bestand wird im neuen Jahr wieder im Museumsgarten ausgesät.

Als Teil dieses Projekts zeigt Frau Auf dem Kampe die Lippische Palme, die sie im Garten neben anderen Kohlsorten angepflanzt hat. Die Lippische Palme ist eine besondere Grünkohl-Sorte, die auf eine lange Anbau-Tradition zurückblicken kann und die besonders hoch und kräftig wächst, sodass sie mit ihren gekräuselten Blättern am oberen Ende wie eine Palme aussieht. In Detmold kann Frau Auf dem Kampe auch anrufen, wenn sie sich versichern möchte , wie sie beispielsweise Schädlinge wie Schnecken unter ökologischen Gesichtspunkten bekämpfen kann.

Auch andere Blumen- und Kräutersamen aus dem Museumsgarten werden geerntet und getrocknet. In liebevoll vorbereiteten, beschrifteten Tütchen mit diesen Samen stehen sie dann an der Museumskasse im Haupthaus zum Verkauf bereit. Rund 100 Tütchen sind in diesem Jahr vorbereitet worden.

Die Helfenden des Gartenteams können zur Pflege des Gartens so kommen, wie es Ihnen in ihren Alltag passt, das Engagement ist zeitlich flexibel. Und Mitgestalten kann man auf jeden Fall. „Manchmal können die anderen abends besser, manchmal morgens. Das lässt sich recht individuell einplanen und einteilen“, berichtet Frau Auf dem Kampe, „aber eigentlich könnte man ständig hier sein, zu tun gibt es immer etwas!“

 

 

Evangelisches Jugendreferat - Kirchenkreis Vlotho

„Die Arbeit im Team, das ist der Dreh- und Angelpunkt“

Es ist sicher nicht immer ganz einfach genug Zeit aufzubringen, um Ausbildung und Ehrenamt zu vereinen, aber Lisa Lübcke vermittelt in ihrem Bericht über ihr Ehrenamt im Evangelischen Jugendreferat den Eindruck, als ob mit der passenden Motivation und Freude an der Tätigkeit auch dies gut möglich ist.

Aber ja, auch sie räumt ein „Das geht nicht mit jedem Ehrenamt, aber mit diesem Ehrenamt ist es sehr gut vereinbar, einfach, weil die Zeiten so flexibel sind. Man kann auch sagen ‚Ne, heute kann ich nicht‘ und dann springt ein anderer Mitarbeitender ein, wir sind ein großes Team und das entlastet auch. Und so geht das dann, auch mit vielen anderen Hobbies nebenher.“

Als Teil eines Teams bei dem Evangelischen Jugendreferat organisiert Lisa zum Beispiel den Konfirmanden-Unterricht, plant diesen, setzt ihn mit um und bereitet ihn nach. Auch Events werden geplant, wie das „Konfi-Camp“ und andere Freizeiten, außerdem Jugendgottesdienste und Jugendwochen. Auch die Jugendwoche „I God it“ organisiert sie mit. Lisa berichtet, dass diese Jugendwoche seit etwa vier Jahren immer im gleichen Format angeboten wird, aber von Gemeinde zu Gemeinde wandert. Ein festes Mitarbeitendenteam aus ganz Bad Oeynhausen arbeitet seither an der Planung dieser Woche mit, die sich vor allem an Konfirmanden und junge Mitarbeitende richtet. Es werden externe Prediger eingeladen, Bands, unterstützt durch das Technikteam, spielen Musik und so werden drei bis vier Tage modernen Jugendgottesdienstes mit einem vielfältigen Programm auf die Beine gestellt. „Ganz besonders wichtig hierbei“, betont Lisa, „ist es, Kontakte und Freunde zu finden, den jungen Menschen eine Kommunikationsplattform zu stellen und den Kern der Gemeinde, nämlich die Gemeinschaft, zu stärken und zu leben. Das merkt man im Moment auch einfach total, dass das fehlt“, erzählt Lisa. Die Corona-Pandemie fordert auch in der Arbeit des Jugendreferates ein Umdenken und das Ausprobieren neuer Formate. „Manche Pastoren sind eher nicht so Zoom- affin, da ist es natürlich schwierig, einen Online- Konfi- Blocktag zu gestalten. Wir haben ein Kernteam von drei ehrenamtlichen Mitarbeitenden und zwei Hauptamtlichen und da haben wir das bisher immer gut gerockt.“

Digital von überall dabei sein

„Wir haben zum Beispiel bei Zoom jetzt Jugendgottesdienste gemacht, die waren dann 45 Minuten lang, mit dem ganzen Kirchenkreis zusammen, das ist super angenommen worden. Wir hatten über 115 Leute, die sich das angeschaut haben. Und die Übertragung via Zoom hat gegenüber Youtube zum Beispiel den Vorteil, dass man noch mehr interagieren kann, dass man die Menschen auch einbeziehen kann. Das wollen wir, wenn vielleicht auch in einem anderen Rhythmus, auch gerne beibehalten. Da ist ganz viel in der Planung, durch das Umdenken während der Pandemie sind auch Chancen entstanden, neue Sachen zu entdecken. Zum Beispiel lässt sich digital der Kontakt zu einigen Mitarbeitenden weiter halten, die nicht mehr vor Ort leben. Ein ehemaliger Mitarbeiter lebt jetzt in Bayern und schaltet sich dann eben auch mal dazu.“

Lisa arbeitet aber nicht nur in der Gemeinde mit, sie berichtet auch von ihrer Arbeit in verschiedenen Gremien nicht nur auf regionaler, sondern auch synodaler Ebene. Im Regionalen Kinder- und Jugendausschuss (kurz RKJ) hat Lisa als ehrenamtliche Mitarbeiterin der Gemeinde auch eine Stimme und hat so auch die Möglichkeit „etwas mitzubestimmen. Ich bin auch die stellvertretende Vorsitzende des RKJ und dann kann man auf jeden Fall etwas bewegen, Gelder für die Kinder- und Jugendarbeit gewinnen, das ist auch immer schön, dass man viel möglich machen kann.“

Etwas für die Kinder und Jugendlichen möglich machen

Mitbestimmen und gestalten, etwas bewirken zu können, das ist auch, was Lisa motiviert. Aber auch die Arbeit „an der Basis“, wie sie es nennt, die Arbeit im direkten Kontakt mit den Kindern und Jugendlichen macht ihr großen Spaß. „Wenn die Kinder, mit denen man etwas erarbeitet hat, sagen ‚Das war ein toller Tag‘ und ein Lächeln im Gesicht haben, das ist schon ein Traum.“ Und außerdem mache man „den ganzen Kram ja auch mit“ mit den Kindern, sodass man eben automatisch auch selber wieder zum Kind werde und genauso viel Spaß an der Arbeit habe, wie die Kinder.

Und auch die Arbeit im Team trägt viel zu Lisas Motivation für ihr freiwilliges Engagement bei: „Die Arbeit im Team, das ist der Dreh- und Angelpunkt des Ganzen.

Freunde von mir waren 2015 beim Kirchentag und haben dort einen Jugendgottesdienst mitgemacht, der sie so begeistert hat, dass sie so etwas in unserer Gemeinde auch realisieren wollten. Die haben mich dann überredet, auch mitzumachen. Wir sind dann eine buntgemischte Truppe geworden, so habe ich schon neue Kontakte geknüpft. Hieraus ergibt sich dann, dass man immer wieder gefragt wird, ob man nicht dieses oder jenes auch mitmachen möchte. So baut sich da nach und nach ein Netzwerk auf an Personen und so rutscht man immer tiefer hinein und dann gibt es kein Zurück mehr“, lacht Lisa.

Was ihr besonders gut gefällt und Spaß macht, fasst Lisa zusammen: „Alles, was mit ‚Wegfahren‘ zu tun hat, sind große Highlights. Ich war jetzt das erste Mal als Mitarbeiterin bei einer Kanu- Freizeit dabei, die war richtig klasse. Oder zum Beispiel das Konfi-Camp: als Jugendliche bin ich als Teilnehmende mitgefahren, jetzt bin ich als Mitarbeitende dabei, jetzt darf ich das mitgestalten. Das Gefühl ist einfach toll, wenn man mit allen Gemeinden zusammen etwas auf die Beine stellt, man mit 400 Leute zusammen in einer Turnhalle ist, in der eine Band auftritt, das ist wie eine Konzertatmosphäre. Das reißt die Jugendlichen mit und einen selber dann auch. Und dann hat man gleich wieder Lust, auch das nächste Mal wieder mitzufahren. Die Atmosphäre ist einfach ganz besonders.“

Die Kinder merken schnell, ob einem die Mitarbeit Spaß macht

Wenn man interessiert ist an der Mitarbeit im Evangelischen Jugendreferat, „sollte man auf jeden Fall Spaß an der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen haben. Man kann selber entscheiden, ob man lieber etwas mit Kindern machen möchte, so bis 12 Jahre oder ob man lieber etwas mit Jugendlichen. Ansonsten muss man einfach offen sein für die Ideen und Bedürfnisse der Kinder. Die merken das sofort, ob man Spaß daran hat. Wenn man selber motiviert ist, machen die auch alles mit und finden eigentlich alles super, was man mit ihnen macht. Und man wächst eben selber auch sehr daran, man profitiert für sich selber von der Mitarbeit. Man wird selbstsicherer, kann vor Gruppen sprechen. Und man kann immer Neues probieren und die Dinge, die einem keinen Spaß machen wieder sein lassen. Das ist alles sehr flexibel.“

Mögliche Sorgen vor der Verantwortung räumt sie auch gleich aus und berichtet: „Man braucht vor den ganzen Aufgaben auf jeden Fall keine Angst haben, das Jugendreferat bietet regelmäßig Schulungen an für Mitarbeitende. Schon nach der Konfirmation werden die Leute, die Interesse an der Mitarbeit haben, in das Team aufgenommen und geschult. Da lernt man dann, was man mit den Kindern machen kann, welche Spiele es gibt, wie man etwas kindgerecht anleitet. All sowas wird dann Stück für Stück aufgebaut, sodass man dann auch die Qualifizierung für die JuLeiCa, also die Jugendleiter- Card, hat und diese beantragen kann. Man wird sehr gut begleitet auf dem Weg.“

„Mir ist auch wichtig, dass es eigentlich ein Ehrenamt ist, das mit Kirche verbunden ist. Wir haben aber auch Leute dabei, die vor allem etwas mit Kindern und Jugendlichen erleben wollen, für die weniger der Glaube im Vordergrund steht. Das ist gar keine Hemmschwelle bei uns, wenn jemand sagt ‚Ich glaube nicht unbedingt an Gott‘, dass der trotzdem etwas mit den Kindern machen kann. Da sind wir sehr offen. Wir haben auch für unseren Jugendgottesdienst Mitarbeitende aus anderen Gemeinden dabei, wir denken da nicht in Gemeindegrenzen. Jeder ist willkommen. Das regt für uns ja auch den Austausch an, man kann sich bei den anderen etwas abgucken und wenn die Hilfe brauchen, sind wir da.“

Lisa möchte, dass kirchliche Arbeit ihr teilweise angestaubtes Image verliert und sieht, dass die Arbeit von ihr und dem übrigen Team hierzu beitragen kann. Der Glaube könne auch an einem anderen Ort als der Kirche und durchaus auch jugendgerecht gelebt werden, findet sie.

Und noch etwas Wertvolles nimmt Lisa aus ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit in der Jugendarbeit mit: Freunde. Enge Beziehungen, die auch über das freiwillige Engagement hinausreichen und so zu Freundschaften für das Leben werden.

 

 

Vereinsvorsitz - Schützenverein Rehme

„Vereine haben eine große Bedeutung in Kleinstädten und Ortsteilen

Seit 02.02.2013 schon leitet Rolf Althoff den Schützenverein Rehme von 1862 e. V. ehrenamtlich als 1. Vorsitzender. Der Verein ist der älteste im Stadtgebiet. Die Aufgabe des Vorsitzenden ist es unter anderem, die in der Satzung genannten Ziele des Vereins zu verwirklichen. Hierzu gehört vor allem die Pflege des Schießsports, die Förderung des Nachwuchses, die Durchführung von Meisterschaften und Wettkämpfen, die Durchführung bzw. Teilnahme an Sportförderlehrgängen zur Aus- und Weiterbildung der Übungs-, Jugend- und Organisationsleiter, die Zusammenarbeit mit den Sportverbänden und den örtlichen Vereinen sowie auch die Öffentlichkeitsarbeit.

Rolf Althoff wohnt seit 1947 in Rehme, ist Ehemann, Vater und Großvater. Er ist sportlich aktiv und pflegt die Geselligkeit. Außerdem ist er Mitglied in den Rehmer Vereinen, dazu zählen neben dem Schützenverein Rehme auch der Fußballverein Rot-Weiß Rehme, die TSG Rehme von 1888 sowie die Löschgruppe der Feuerwehr, der Heimatverein und die IG Pappelsee.

Ehrenamtliche Tätigkeit kannte Rolf Althoff schon in der Kindheit. Sein Vater war ein Vorbild für ihn. Dieser hat sich in den Rehmer Vereinen ehrenamtlich engagiert. Daher kommt sicherlich auch sein großes Engagement.

Denn seit seinem 18. Lebensjahr ist Rolf Althoff auch selber ehrenamtlich tätig. 20 Jahre lang war er im Fußballverein der Geschäftsführer, etliche Jahre bekleidete er außerdem das Amt des 1. Vorsitzenden im Vereinsring Rehme. Rolf Althoff war amtierender Oberst und 2. Vorsitzender im Schützenverein Rehme. Von 2004 bis 2008 hatte er auch eine ehrenamtliche Verantwortung in der ev. Kirchengemeinde Rehme als Presbyter.

„Vereine haben eine große Bedeutung in Kleinstädten und Ortsteilen“, meint Rolf Althoff. „Zweck der örtlichen Vereine ist, neben den satzungsgemäßen Aufgaben, die Festigung der Dorfgemeinschaft und die Förderung und Durchführung von Projekten der Dorfentwicklung, verstärkte Einflussnahme bei der Stadtverwaltung und anderen Stellen der öffentlichen Verwaltung, im Interesse aller Bürgerinnen und Bürger“. Als ein aktuelles Beispiel nennt Herr Althoff den Einsatz für den Erhalt des Bürgerhauses Rehme, in dem sich auch die Sportstätte des Schützenvereins befindet.

Die Vereine haben aus seiner Sicht aber auch die Pflicht, Neubürgerinnen und Neubürger in die Dorfgemeinschaft zu integrieren, sofern dies gewünscht wird. Hier sieht Rolf Althoff noch erheblichen Handlungsbedarf für das Ehrenamt in Rehme.

Auf die Frage, warum ehrenamtliches Engagement wichtig ist, antwortet der Vorsitzende des SV Rehme: „Es lohnt sich, mit Menschen zusammen zu kommen, die Chance zu haben, Dinge zu verändern bzw. zu bewegen. Und Erfahrungen zu sammeln, soziale Verantwortung zu übernehmen, gesellschaftliche Prozesse zu gestalten, etwas Sinnvolles tun, Konflikte zu lösen, oder einfach nur Spaß zu haben, denn das Ehrenamt stärkt das Gemeinwohl“.

„Wer ehrenamtlich tätig ist, erfährt aber auch Kritik“, erklärt Rolf Althoff. „Ich als Vorsitzender muss kritikfähig sein. Kritikfähigkeit bedeutet für mich, Kritik anzunehmen, die sachlich formuliert und gerechtfertigt ist. Wichtig ist, aus Fehlern zu lernen, um die eigenen Fähigkeiten zu verbessern. Nur wer in der Lage ist, konstruktive Kritik zu akzeptieren, lernt dazu“.

Von den 62 Mitglieder des Schützenvereins Rehme sind 45 Mitglieder über 50 Jahre alt. Der aktive Schießsport kann bis ins hohe Alter ausgeübt werden, der älteste Aktive bei den Rehmer Schützen ist 83 Jahre alt. Der Vorsitzende und der gesamte Vorstand des SV Rehme haben die Verantwortung für den ordnungsgemäßen Schießbetrieb im Verein. „Denn wettkampfmäßiges, regelmäßiges Schießen fördert die Fitness, Konzentration und Ausgeglichenheit, und das bei der unbedingten Beachtung der sicherheitstechnischen Voraussetzungen. Diese sind vom Landesportbund, dem Westfälischen Schützenbund und der Kreispolizeibehörde vorgegeben. Gleichzeitig fördern die geselligen Veranstaltungen das Zusammengehörigkeitsgefühl und sind unterhaltsame Freizeitgestaltungen.“

Rolf Althoff stellt fest: „Die Übernahme dieser Verantwortung macht mir als 1. Vorsitzenden auch Spaß, die positiven Rückmeldungen der Vereinsmitglieder nehme ich gerne entgegen. Und es gibt und gab auch bewegende Situationen in meiner bisherigen Amtszeit als Vorsitzender. So z. B. in einer Feierstunde des Schützenkreises Minden, die Ehrung durch den Westf. Schützenbund mit der "Kölner Medaille", der höchsten Auszeichnung, die ein Vereinsfunktionär erhalten kann, für meine Verdienste um das Schützenwesen“.

Der Wandel im Vereinsleben

Sorgen bereitet Rolf Althoff der Nachwuchsmangel im Schützenverein Rehme und auch bei den Schützenvereinen im Stadtgebiet. „Sportliches Schießen dürfen Kinder erst ab dem 12. Lebensjahr ausüben. Bis dahin haben die meisten Jugendlichen ihre „sportliche Heimat“ aber bereits gefunden und üben andere Sportarten aus. Neue, aktive Schützen gewinnt der SV Rehme aus Mitgliedern mittleren Alters, die ursprünglich wegen der Geselligkeit zum Verein gekommen sind,“ erklärt Rolf Althoff in unserem Gespräch.

„Das Schießen allgemein wird heute in der Bevölkerung sehr kritisch gesehen“, so Rolf Althoff. „Es gibt immer wieder Schlagzeilen und Meldungen, die im Zusammenhang mit dem Gebrauch von Schusswaffen großes Leid beschreiben. Wir Schützen haben bezüglich der Sicherheit unseres Sports eine große Verantwortung.“

„Festzustellen ist aber auch“, sagt Rolf Althoff, „dass bei den Olympischen Sommer- und Winter-Spielen, Schützen den Medaillenspiegel Deutschlands, in den Disziplinen Pistole, Gewehr, Wurfscheiben- und Bogenschießen, oder auch beim Biathlon, sehr positiv beeinflussen auch zum Gefallen der Sportinteressierten. Ansonsten stößt das sportliche Schießen auf eher wenig öffentliches Interesse“.

Rolf Althoff will sich auch jetzt, mit 73 Jahren, weiterhin ehrenamtlich engagieren. Aber auch seine Tätigkeit im Schützenverein Rehme ist endlich. Er möchte aber zum Nachahmen aufrufen und meint: „Gesellschaftliches Engagement ist nicht nur sinnvoll, es macht auch richtig Spaß!“

 

 

Bahnhofsmission - Diakonisches Werk im Kirchenkreis Vlotho e.V

„Hier am Bahnhof, das ist Leben pur“

Als „Teil des harten Kerns“ bezeichnet sich Barbara Reimann, die, gemeinsam mit einer weiteren Kollegin, schon seit dem 01.10.2010 bei der Bahnhofsmission ehrenamtlich mitarbeitet, also dem Tag, an dem die Bahnhofsmission in Bad Oeynhausen eröffnet wurde. Andrea Wilken ist zwar noch nicht derart lange dabei, für sie war aber immer klar, dass sie gerne etwas im sozialen Bereich machen möchte. Und nach anderen ehrenamtlichen Tätigkeiten ist sie bei der Suche nach etwas Neuem in die Bahnhofsmission „hineingestolpert“, wie sie sagt, hat „gefragt, ob ich hier anfangen kann und dann bin ich hier geblieben. Mir hat es sofort gefallen, vom ersten Tag an, das ist wirklich eine tolle Arbeit, eine sinnvolle Arbeit, wie sicher alle Ehrenämter. Seit drei Jahren mache ich das jetzt schon.“

Aus den Anfängen der Bahnhofsmission in Bad Oeynhausen

Frau Reimann berichtet von den Anfängen der Bahnhofsmission in Bad Oeynhausen und was sich seither geändert hat. „Damals waren es auch öfter jüngere Leute mit verschiedensten psychischen Erkrankungsformen, aber auch Suchtkranke, die bei uns reingekommen sind. Das war nicht immer ganz witzig, denn man wusste auch nicht immer, wie sie als nächstes reagieren würden, ob die Stimmung von jetzt auf gleich umschlagen kann. Oder es gab viele, die zwar hier in Bad Oeynhausen ansässig waren, in einer Unterkunft zum Beispiel, die aber eben auch hier regelmäßig hereinkamen auf einen Kaffee. Auch untereinander konnten sie dann hier reden, es gibt sonst für diese Klientel keine Möglichkeit, wo sie sich treffen könnten. Aber das ist, so empfinde ich das wenigstens, weniger geworden. Es haben sich daraus einige zu Stammgästen entwickelt, die sind aber nun schon älter, also auch Rentnerinnen und Rentner.“

Als der Bahnhof noch nicht umgebaut war und es nur wenige Wartemöglichkeiten und Sitzgelegenheiten gab, auf denen man sich bei Zugverspätungen, insbesondere im Winter, aufhalten konnte, kamen auch noch mehr Reisende in die Bahnhofsmission, berichtet Barbara Reimann. Da habe es dann, wenn gewünscht, auch einen warmen Tee oder Kaffee gegeben.

Einige Personen, die praktisch immer auf der Reise sind, die nicht sesshaft sind, dies aber aus Überzeugung, schauen auch regelmäßig in der Bahnhofsmission vorbei. Hier hört Barbara Reimann dann auch gerne genau zu: „Da bekomme ich dann immer große Ohren, weil ich es gut finde zu wissen, wo man hingehen kann oder wo es auch nicht so schön ist, wo es Duschen gibt und wo Waschmaschinen.“ Denn neben einem offenen Ohr möchten die Mitarbeitenden der Bahnhofsmission ihren Gästen auch mit Rat und Tat zur Seite stehen, wenn dies gewünscht wird. „Gerade in den Anfängen ist es dann so, dass die Menschen zwar kommen und mal einen Kaffee trinken, aber, dass die sich einem schnell öffnen im Gespräch, das kann man nicht erwarten. Das dauert lange, bis sie sich dann bei uns so wohl fühlen, dass sie dann auch mal etwas von sich selber erzählen.“

Grundlegende Schulungen für die Freiwilligen

Auf diese vielfältigen Aufgaben und Begegnungen in der Bahnhofsmission werden die Engagierten in sogenannten Grundausbildungen vorbereitet und geschult. Es ist vorgesehen, dass man die insgesamt zwei Grundkurse nach spätestens einem Jahr im Dienst der Bahnhofsmission besucht hat. Neben der Entstehungsgeschichte der Bahnhofsmissionen werden aber auch ganz lebenspraktische Erfahrungen ermöglicht, wie Andrea Wilken aus ihrer Grundausbildung berichtet: „Bei meinem Einführungslehrgang kam die Leitung mit einem Karton wieder und sagte, ‚Wir gehen nun zum Bahnhof‘. Am Bahnhof wurde der Karton dann geöffnet und wir sahen, dass dort Brillen drin waren. Diese Brillen simulieren, wie jemand mit geringer Sehkraft sieht, und unser Job war es dann, auszuprobieren und selber zu erfahren, wie man jemanden führt und anleitet, der sehbehindert ist. Und so konnte man sich da mal richtig hineinfühlen. Da war dann auch noch ein blinder Herr, den haben wir über Stunden mit unseren Fragen gelöchert. Oder wir sind auch in einer Obdachlosenunterkunft gewesen, um auch ganz praktisch zu lernen, was das bedeutet und wie es dort aussieht.“

Die Freiwilligen haben außerdem das Angebot, sich auch weiter fachspezifisch fortzubilden, wenn es um Gesprächsführung, Krisenintervention oder den Umgang mit psychisch Kranken oder Suchterkrankten geht. Auch für die Dienste zu dem Angebot „Kids on Tour“ stehen spezielle Fortbildungsangebote zur Verfügung.

Aufgaben und Haltungen in der Arbeit der Bahnhofsmission

Nicht nur Kindern bietet die Bahnhofsmission dabei eine Reisebegleitung an, auch Reisende, die sich beispielsweise aus gesundheitlichen Gründen das Alleinreisen nicht mehr zutrauen, können sich an die Bahnhofsmission wenden. „Aber das Angebot ist natürlich auch begrenzt. Wir können das nur in dem Rahmen machen, dass wir an dem gleichen Tag auch wieder zurückkommen. Wir haben einen Dienstausweis, sodass wir dann kostenlos mitfahren und auch wieder zurückkommen. Es ist immer besser, den Bedarf einer Reisebegleitung rechtzeitig anzumelden, denn an gewissen Knotenpunkten sind die Angebote so frequentiert und personelle Ressourcen auch nur begrenzt, dass es dann auch schon einmal nicht klappen kann. Aber in der Regel haben wir eigentlich alles gut organisiert bekommen“, erzählt Barbara Reimann. Neben umfangreicheren Reisebegleitungen bietet das ehrenamtliche Team der Bahnhofsmission auch Ein-, Aus- und Umsteigehilfen an. Nach Möglichkeit sollten auch diese für die bessere Organisation rechtzeitig angemeldet werden.

Da man vielen unterschiedlichen Menschen in verschiedenen Lebenslagen begegnet, ist es wichtig, den Menschen vorurteilsfrei zu begegnen. „Das ist eine Haltung, die man auch schon mitbringen muss. Ich denke, man braucht von Haus aus Empathie, Toleranz und Geduld. Wenn man sich verstellt, macht es das für beide Seiten anstrengend. Unsere Gäste sind in der Beziehung auch wirklich sensibel und merken, wenn man etwas nicht ehrlich meint. Was man aber nicht braucht, das war mir damals wichtig, als ich mich hier erkundigt habe, ist eine spezielle Konfession. Man soll natürlich nach den Werten der Nächstenliebe arbeiten, aber das macht man recht automatisch, wenn man sich in diesem Feld engagiert“, macht Andrea Wilken deutlich. Und berichtet weiter, dass es manchmal auch ein dickes Fell braucht, nicht nur bezüglich der Gäste der Bahnhofsmission, sondern auch gegenüber Vorbehalten, die mancher der Arbeit gegenüber haben mag: „Ich habe auch Bekannte gehabt, die das nicht verstehen konnten, wie ich mit diesen Menschen arbeiten kann. Da kann ich nur erwidern, dass die meisten ganz normal gestartet sind, wie jeder andere auch, und dann gab es einen Trauerfall oder einen unerwarteten Arbeitsverlust oder eine andere Krise. Einer sagte einmal ‚Wenn ich bei euch reinkomme, nehmt ihr mich einfach so, wie ich bin‘. Und das ist es halt, was mir dann auch wieder viel zurückgibt. Ich muss niemanden bewerten oder beurteilen, jeder ist genauso Mensch und willkommen, wie jeder andere auch. Das Engagement hier erdet einen und einem wird immer wieder klar, dass das Leben nicht nach Plan läuft und nichts selbstverständlich ist.“

Das Team entscheidet über Neuzugänge

Neben den Fortbildungen gibt es aber auch monatliche Teambesprechungen und eine hauptamtliche Mitarbeiterin, die bei Problemen jederzeit erreichbar ist. „Idealerweise ist man auch immer zu zweit im Dienst. Es geht auch mal alleine, aber sicherer ist es einfach zu zweit. Es ist auch von der Arbeit her sinnvoller und schöner, wenn man zu zweit ist.“ Das Team entscheidet außerdem auch darüber mit, ob neue Interessierte in das Team passen und schätzen gemeinsam ein, ob die Person die richtige Vorstellung von der Arbeit der Bahnhofsmission hat. Hierzu findet erst einmal eine Probeeinarbeitung statt und beide Seiten haben Gelegenheit, einander kennen zu lernen.

„Zeitlich sollte man so einen halben Tag oder Tag pro Woche einplanen können. Wir haben Öffnungszeiten von 10 bis 16 Uhr. Da gibt es welche, die eine ganze Schicht abdecken, aber auch welche, die drei Stunden oder vier Stunden übernehmen. Jetzt wollen wir auch bald probieren, freitags bis 18 Uhr zu öffnen“, erklärt Barbara Reimann noch.

Für sie jedenfalls steht fest, dass sie sich in der Arbeit in ihrer „Kuschelbahnhofsmission“, wie sie sie liebevoll nennt, nichts anders wünschen würde. „Wir haben hier den Vorteil, dass unsere Arbeit viel persönlicher ist als in großen Städten. Ich möchte wirklich nichts anders haben, weil ich hier diesen Kontakt zu den Menschen haben kann. Ich denke mal, solange ich Lust habe und ich das kann, mache ich das auch gerne weiter.“ Und auch Andrea Wilken ist es wichtig, noch eine Sache zum Ehrenamt in der Bahnhofsmission zu sagen: „Es ist eine erfüllende Arbeit!“

 

 

Kinderbetreuung - Deutscher Kinderschutzbund Minden-Bad Oeynhausen e.V.

„Die Offenheit der Kinder hat mich sehr überrascht“

Bereits seit 2019 engagiert sich Christiane Millé einmal wöchentlich in einer Gruppe von Ehrenamtlichen in der Hausaufgabenbetreuung des Deutschen Kinderschutzbundes. Als pensionierte Lehrerin kann Frau Millé einiges an beruflichem Wissen und Können in ihr Ehrenamt einbringen. Auch die 21-jährige Nadine Mawassi engagiert sich hier. Sie möchte eine Ausbildung als Erzieherin beginnen und sammelt durch ihre Mitarbeit Erfahrungen, die sie gerne in ihren Traumberuf einbringen möchte.

„Ich bin Lehrerin am Immanuel-Kant-Gymnasium gewesen, habe mich während meiner beruflichen Laufbahn dort entschieden, in den Bereich der Verkehrs- und Mobilitätserziehung zu gehen und war dann noch etwa 20 Jahre lang in der Oberstufenkoordination“, berichtet Frau Millé. Die Nachmittagsbetreuung des Deutschen Kinderschutzbundes wird aber natürlich eher von jüngeren Schülerinnen und Schülern besucht, daher erzählt sie weiter: „Ich denke, dass ich die Methodik des Unterrichts schon auch in mein Ehrenamt einbringen kann, wobei das hier natürlich schon ganz anders ist. Man weiß hier vorher nie, ob man heute ein Kind aus Klasse 1 oder Klasse 4 begleitet, man weiß nicht, ob man Deutsch oder Mathe oder Englisch mit ihnen macht und man weiß nicht genau, was das Kind an diesem Tag in diesem Augenblick braucht. Das ist manchmal herausfordernd, macht aber auch viel Spaß.“

Nadine berichtet, dass sie daneben auch Ausflüge begleitet und ein offenes Ohr hat für die Kinder, wenn sie jemanden zum Reden brauchen. Außerdem kocht sie mit einer anderen Kollegin zusammen mit und für die Kinder.

So gestaltet sich das Engagement

Typischerweise gestaltet sich der Einsatz der Freiwilligen bei der Hausaufgabenbetreuung etwa so: „Die Freiwilligen sind meist früher da, wir quatschen ein bisschen und tauschen uns über die Kinder aus. Nach und nach kommen die ersten Kinder, die sich dann selber ihre Betreuung aussuchen. Das klappt eigentlich immer gut, manchmal gibt es ein bisschen Gemaule. Mit der Zeit entstehen Beziehungen und die Kinder suchen sich schon von alleine wieder die gleiche Person aus. Wir machen Hausaufgaben. Wenn wir damit fertig sind bzw. wenn es keine Hausaufgaben gibt, haben wir hier sehr viele Übungsmaterialien. Man lässt entweder noch einen Text schreiben, man rechnet noch ein bisschen oder die Kinder lesen noch ein wenig vor, was auch sehr wichtig ist bei den Kindern, dadurch lernen sie auch wieder neue Begriffe. 45 Minuten müssen die Kinder arbeiten und anschließend dürfen sie spielen. Da spielt meist der Betreuende auch mit. Das ist dann für alle offen und die Gruppen mischen sich.“

„Die Kinder investieren sehr viel Willen und Kraft“

Zu ihrer Motivation, sich ehrenamtlich beim Kinderschutzbund zu engagieren, erzählt Christiane Millé: „Ich halte es einfach für sehr wichtig, dass die Kinder Hilfe bekommen für ihre Schullaufbahn. Es hat mich auch gereizt, wieder in einer Gruppe zu arbeiten. Das kannte ich so auch aus der Schule. Und ich habe hier gut Anschluss gefunden, es gibt ein sehr gutes Gruppenzusammengehörigkeits-gefühl mit den anderen Freiwilligen und den Mitarbeitenden des Kinderschutzbundes, obwohl wir alle sehr unterschiedlich sind. Es macht mir sehr viel Freude, wie offen die Kinder sind, damit hatte ich gar nicht gerechnet. Die Arbeit mit kleinen Kindern kannte ich vorher nicht. Man wird hier per Umarmung empfangen, die Kinder kommen auf uns zugerannt, nehmen uns in den Arm und freuen sich. Die überwiegende Zeit arbeiten sie auch wirklich gerne mit und investieren schon sehr viel Willen und Kraft. Die meisten lernen wirklich mit Hingabe, bis sie nicht mehr können.“

Nadine berichtet ähnliches: „Die Liebe der Kinder, die man zurückbekommt, motiviert mich da am meisten. Wenn ich die Kinder treffe, auch außerhalb des Kinderschutzbundes, dann fangen die an zu jubeln“, lacht Nadine. „Die Mutter eines Jungen hat mir erzählt, dass ihr Sohn fast aus dem Auto springt, wenn er mich sieht. Und ich freue mich dann sehr, das ist auch ein Antrieb für mich, immer wieder hierher zu kommen. Um die lachenden Gesichter zu sehen.“

„Und dann ist mir aufgefallen, dass man viele Begriffe erklären muss, wenn man mit den Kindern lesen übt. Zum Beispiel wird vorgelesen ‚Das Kind geht in den Wald und sieht ein Reh.‘ Aber was ist ein Reh? Die Kinder, die hier nicht aufgewachsen sind, kennen diese Tiere bzw. unsere deutsche Lebensumwelt gar nicht so, wie wir sie kennen. Sie können diese Begriffe nicht mit Bildern und Inhalt füllen. Da muss man sehr kreativ sein, um diese Begriffe zu erklären. Notfalls eben mit einem Handybild“, stellt Frau Millé dar.

Auch beim Kochangebot hat Nadine Mawassi festgestellt, dass die Kinder manches von zu Hause aus nicht kennen: „Wir kochen hier gemeinsam mit den Kindern. Viele der Kinder dürfen zu Hause kein Messer benutzen, wahrscheinlich, weil die Eltern Angst haben, das Kind könnte sich verletzen. Aber wir möchten dem Kind hier mitgeben, dass es sich etwas zutrauen kann. Nur so kann ein Kind lernen, selbständig und selbstbewusst zu werden. Es muss sich ausprobieren können und man muss darauf vertrauen, dass es manches eben auch alleine schafft. Wir wollen Selbstbewusstsein und Selbstwertgefühl mitgeben. Die Kinder fragen hier von selbst, ob sie mithelfen dürfen. Diese Kooperationsbereitschaft wollen wir unbedingt unterstützen. Und sie wollen zum Teil auch aus diesen typischen Rollenklischees ausbrechen. Hier wollen genauso viele Jungs mithelfen wie Mädchen. Zu Hause sollen die Jungs das aber häufig nicht. Und diese Jungs sind es dann eben auch nicht gewohnt, ihren Teller selber wegzuräumen. Da möchte ich denen auch mitgeben, dass es nicht der Job der Schwester oder der Mutter ist, den Tisch aufzuräumen, sondern dass sie auch selber für sich sorgen können. Die Kinder sollen hier lernen können, dass jeder Verantwortung übernehmen kann.“

Geduld und Spaß am Umgang mit jüngeren Kindern

„Man sollte Spaß an der Sache mitbringen und geduldig sein. Spontanität und Flexibilität sind hilfreich. Und offen für Neues sollte man sein“, da sind sich beide einig.

„Ich war schon überrascht, von den älteren Schülerinnen und Schüler aus der Schule kannte ich es gar nicht, dass die einen auch schon einmal am Arm streicheln oder sagen ‚Was hast du denn für Haare, so weiß!‘, das ist alles von absolutem Interesse“, lacht Christiane Millé. „Aber die sind noch so unbefangen in dem Alter, neugierig und trauen sich einfach, alles zu fragen. Sowas sollte man nicht übel nehmen.“

Dass die Kinder ihr zu ihrem Geburtstag kleine Geschenke gebastelt und Bilder gemalt hatten, das war ein besonderes Erlebnis für Nadine Mawassi. „Als ich hierherkam war ich total überrascht über all die Geschenke und Bilder, die ich von den Kindern bekommen habe. Da war ich sehr gerührt.“

Frau Millé erinnert sich besonders an die Weihnachtsfeier: „Ich fand das erstaunlich, dass die muslimischen Kinder und ihre Eltern so offen waren und eine schöne, christliche Weihnachtsfeier mit uns gefeiert haben. Die Kinder haben ein Programm erstellt und alle haben etwas gebastelt. Es war ein sehr schönes Miteinander mit den Ehemaligen, den Freiwilligen, den Kindern und vielen Eltern. Das war eine wirklich sehr schöne Feier.“

Aufmerksam geworden auf ein Ehrenamt beim Deutschen Kinderschutzbund in Bad Oeynhausen ist sie über die vielen Berichte in der Lokalpresse. „Als ich dann pensioniert wurde, habe ich gedacht, ich frage einfach einmal nach, ob sie mich gebrauchen können. Ich sollte dann einfach mal vorbeikommen und als ich das erste Mal hier herauskam, habe ich gedacht ‚Das ist es!‘ Da ging es mir richtig gut! Ich mache das nur einmal die Woche, aber man freut sich wirklich auf den Tag und wenn es dann soweit ist, kommt man wirklich gerne.“

Und auch Nadine Mawassi sagt: „Jedes Mal, wenn ich hier hereinkomme, habe ich ein Lächeln auf dem Gesicht und wenn ich herausgehe, dann immer mit guter Laune.“

 

 

Programmgruppe - Druckerei Begegnungszentrum Bad Oeynhausen e.V.

„Als ich wieder angefangen habe, war das wie nach Hause kommen“

Seit etwa anderthalb Jahren ist Friedrich Schwetje wieder ehrenamtlich im „Druckerei Begegnungszentrum Bad Oeynhausen e.V.“, besser bekannt als „Die Druckerei“, tätig. „Wieder“, denn ursprünglich war er in den 80er Jahren eines der Gründungsmitglieder des Vereins. Nachdem er lange Zeit den Kontakt zum Verein verloren hatte, ist er nun Mitglied der dortigen Programmgruppe und berichtet, wie es zum Abschied kam, wie er wieder eingestiegen ist und was er besonders schätzt an der Mitarbeit in der Druckerei.

„Das ist damals aus viel Euphorie entstanden, wie bei vielen dieser Bürgerinitiativen oder eigenverantwortlichen Vereinen. In den 80er Jahren hatte man ganz andere Vorstellungen: man stellte sich viel Selbstverwaltung vor und alles sollte von alleine laufen. Man hat doch sehr idealistisch gedacht: die Leute sind alle aktiv und es wird schon alles funktionieren. Wir hatten uns das damals also alles etwas freier vorgestellt in dem Verein. Dann wurde das Gebäude der Druckerei renoviert. Das war dann nicht mehr so ganz im Sinne der Gründenden, denn das Gebäude ist ja eine alte Fabrikhalle und in diesem Zustand hatten wir als Bürgerinitiative das Haus eben auch ins Auge gefasst. Einige sind dann abgesprungen und auch ich hatte dann eher das Interesse verloren. Mir war das alles ein bisschen zu schick und auch die Akustik war schlechter geworden“, berichtet Friedrich Schwetje von den Anfängen des Vereins.

„Die ersten Veranstaltungen, die wir hier gemacht haben, die wären gar nicht mehr durchführbar, da würde sofort das Ordnungsamt kommen und den Laden zu machen“, muss Friedrich Schwetje schmunzeln bei dem Gedanken an manche Veranstaltung zu Anlässen wie der Innenstadtfete.

Verbundenheit zur Druckerei ist geblieben

„Ich bin aber jahrelang immer wieder hier im Gebäude gewesen, weil ich bei der VHS Gitarrenunterricht gegeben habe. Und als ich dann meine Arbeit eingestellt habe und Rentner geworden bin, hab ich gedacht, ‚Was mache ich mit meiner neugewonnenen Freizeit?‘. Ich wollte ja auch mit anderen Menschen in Kontakt bleiben. Und da habe ich mich an die Druckerei erinnert, von der ich natürlich über all die Jahre in der Zeitung gelesen habe, selber Veranstaltungen hier besucht und seit 2014 auch eigene Auftritte mit meiner Band gehabt habe.“

Engagiert hat sich Herr Schwetje an unterschiedlichen Stellen: „Ich habe mich eigentlich immer irgendwie engagiert seitdem ich Kinder habe. Erst im Trägerverein des Kindergartens, dann in Schulen in den Gremien. Ich hatte nicht immer verantwortliche Position inne, mir war es aber wichtig, immer auch aktiv dabei zu sein. Für mich spielen in ein Engagement immer zwei Aspekte mit hinein: das ist zum einen der persönliche Nutzen, den ich aus dem Ganzen ziehe. Dass ich Leute kennenlerne und alte Bekannte, auch aus meiner Jugendzeit, wiedertreffe. Zum anderen denke ich aber auch, dass man der Gesellschaft etwas zurückgeben muss.“

Und so kam Friedrich Schwetje zurück in die Druckerei und schildert: „Als ich wieder angefangen habe, war das wie nach Hause kommen. Einige der Leute, die in der Programmgruppe sind, kenne ich noch von früher, die sind die Zeit über dabei geblieben im Verein. Vor allen Dingen bin ich hier auch sehr nett aufgenommen worden, da gab es überhaupt keine Probleme.“

Bürgerschaft für Bürgerschaft

Nun ist er wieder Teil der Programmgruppe, die sich alle 14 Tage am Montagabend trifft. Dort bespricht eine Runde von 10 bis 15 Leuten, welche Ideen es für die Gestaltung des Programms in der Druckerei gibt. Die Zahl der Teilnehmenden variiert, denn die Treffen sind offen und für die Freiwilligen nicht obligatorisch. Wer Zeit hat, ist willkommen, wer keine Zeit hat, braucht auch keine Entschuldigung.

„Jeder interessiert sich für eine andere Richtung, ich eben vor allem für Musik, jemand anderes vielleicht für Literatur oder Theater. Und in dieser Runde wird dann eben beschlossen, was wir hier machen, wann wir das machen und wir planen die Termine. Und dann werden immer Leute gesucht, die die Veranstaltung betreuen, die alles vorbereiten, den Saal herrichten, Technik aufbauen. In der Regel ist man dann so anderthalb bis zwei Stunden vor der Veranstaltung hier, je nach dem, welches Equipment gebraucht wird. Während der Pandemie mussten die Freiwilligen auch Ordner sein und auf die Einhaltung der Corona-Auflagen achten. Das gehört auch dazu.“

„Hier die Veranstaltungen zu betreuen, das macht mir wirklich Spaß. Zum einen, weil ich immer wieder andere Leute treffe, zum anderen, weil ich das gut mit meinen anderen Hobbies verbinden kann. Ich mache selber Musik und habe auch ein bisschen Ahnung von Technik. Ich ‚betreue‘ die Künstler und baue die Technik mit auf. Würde es mir nicht so viel Spaß machen, wäre ich auch nicht hier.“ Auch, dass in der Druckerei Menschen verschiedener Generationen zusammenarbeiten, findet Friedrich Schwetje toll: „Viele der Mitarbeitenden hier sind im Alter meiner Kinder, ich finde es wichtig, dass man sich als Rentner nicht nur mit Gleichaltrigen umgibt, das wäre nicht mein Ding. Ich bin gerne mit jüngeren Leuten zusammen.“

Lust am Mitgestalten ist gefragt

„Wer sich auch gerne engagieren möchte, sollte auf jeden Fall offen sein für andere Menschen. Wenn man in so eine Gruppe reinkommt, muss man in der Lage sein, Kontakt aufzunehmen und auch selber auf die Leute zuzugehen. Und man sollte Spaß an dieser Art der Kultur und der Zielgruppe haben, die die Druckerei besucht“, meint Friedrich Schwetje.

Um sich in der Druckerei zu engagieren, muss man nicht zwangsläufig Vereinsmitglied sein, Friedrich Schwetje aber sagt: „Für mich gehörte das einfach dazu. Wenn man hier über längere Zeit aktiv mitarbeiten will, werden die Meisten schon Vereinsmitglied, weil man unmittelbar sieht, dass mit mehr Mitgliedsbeiträgen natürlich auch die finanziellen Möglichkeiten des Vereins wieder größer sind.“

Zum Schluss lädt er jedenfalls ein: „Wer Lust hat, selber kreativ zu werden und eigene Ideen in die Arbeit der Druckerei einzubringen, der ist hier sehr willkommen!“

 

 

Vorstand - Förderverein Stadtbücherei Bad Oeynhausen e.V.

„Innerhalb eines Jahres wuchs der Verein auf 100 Mitglieder an“

Herbert Althoff ist Mitbegründer des Fördervereins Stadtbücherei Bad Oeynhausen e.V., war bis 2015 dessen 1. Vorsitzender und ist seither Ehrenvorsitzender. Seine Ehefrau Marlis Althoff arbeitete früher in der Stadtbücherei und ist seit ihrer Pensionierung ebenfalls Teil des Teams, ebenso wie Marion Stahlsmeier-Eberle, die die derzeitige stellvertretende Vorsitzende ist. In guter Stimmung berichten die drei von vielen Erlebnissen aus ihrer bisherigen Zeit im Förderverein und wissen auch über dessen Anfänge zu erzählen.

„Aus der Not der Haushaltssicherung und damit verbundener Kürzungen der Haushaltsmittel für den kulturellen Sektor war damals im Jahr 2003 die Idee eines Fördervereins für die Stadtbücherei entstanden. Diese kam von Frau Lindhorst-Braun, der damaligen Leiterin der Stadtbücherei. Wir hatten oft zeitgleich Feierabend und haben auf dem gleichen Parkplatz geparkt. Das war zu der Zeit, als mein Mann eher in Rente ging als ich. Und sie fragte dann damals: ‚Mensch, wäre das nichts für Ihren Mann?‘ Da eröffneten sich für mich ja auch ganz neue Welten“, berichtet Marlis Althoff lachend aus ihrer Zeit als Mitarbeiterin der Stadtbücherei. „Ich habe es dann hier zu Hause angesprochen und mein Mann war nicht abgeneigt. Und dann ging das im Grunde so seinen Weg.“

Herbert Althoff erzählt weiter: „Für Bücher alleine hätte der Etat nach der Mittelkürzung vielleicht noch gereicht, aber für die Neuanschaffung digitaler Medien wäre dann nichts übrig gewesen. Daher war dann eben die Idee entstanden, diesen Förderverein zu gründen, hauptsächlich, um an finanzielle Mittel kommen und Dinge anschaffen zu können.“ Und so ist Herr Althoff damals im März 2003 mit etwa 17 weiteren Gründungsmitgliedern „mit nichts“ in die Arbeit des Fördervereins gestartet. „Da haben wir dann also überlegt ‚Wie kommt man jetzt an Geld?‘. Und da kam mir die Idee mit den Tagesfahrten, über die dann auch das meiste Geld zusammengekommen ist. Die Fahrten waren immer sehr günstig, auch für die Teilnehmenden, aber durch harte Verhandlungen mit den Busunternehmen und Hotels haben wir doch immer einen Überschuss für den Förderverein erwirtschaften können. Und einige Fördergelder oder Sponsoren und auch Preise haben wir gewinnen können. Aber was uns vor allen Dingen weiterbrachte, war die Mund-zu-Mund-Propaganda zu den Veranstaltungen, also den Fahrten. Und dadurch ist der Verein dann in kurzer Zeit enorm gewachsen, weil sich das herum gesprochen hatte, dass wir schöne Fahrten für die Fördervereinsmitglieder angeboten haben.“ So wuchs der Verein dann innerhalb eines Jahres bereits auf 100 Mitglieder an, heute sind es etwa 350 Mitglieder. Der Mitgliedsbeitrag ist seither gleich geblieben „Wir haben uns damals auf 12 Euro geeinigt, so hoch ist der Beitrag heute noch. Das war damals im Prinzip der Jahresbeitrag für die Bücherei.“

Die Aktivitäten des Vereins

Die Vereinsreisen werden bis heute organisiert. Als nächstes ist eine Fahrt nach Bonn geplant. Nachdem diese aufgrund der Corona-Pandemie mehrmals verschoben werden musste, hoffen nun alle Beteiligten, dass Ende August endlich alles klappen kann. Denn die Lust der Mitglieder auf Veranstaltungen, Erlebnisse und kleine Reisen ist groß, das berichtet auch Herbert Althoff:

„ ‚Endlich geht das wieder los‘, sagen die meisten und fragen auch schon, wann wieder Lesungen sind. Wir haben das zum Teil zwar über Zoom digital gemacht, aber es ist einfach nicht das Gleiche. Es kommt nicht so eine Stimmung auf, das Persönliche fehlt.“

Neben den Tagesfahrten bietet der Förderverein aber auch viele regelmäßige Veranstaltungen an. So zum Beispiel die „Dienstagsleser“, Lesungen, die normalerweise jeden ersten Dienstag im Monat stattfinden. Marion Stahlsmeier-Eberle berichtet: „Wir machen es auch immer ein bisschen nett, wir bieten Getränke an und einen kleinen Snack, der zum Thema des Abends passt. Wir sind noch zwei, drei andere, die noch zum Team dazugehören, mit denen wir dann gemeinsam überlegen, was man machen kann.“

Bewährtes bewahren, Neues vorantreiben

Herr Althoff weiß zu erzählen, dass diese Lesungen aus dem ehemaligen Angebot des Literaturcafés in der Wandelhalle entstanden sind. Mit dem Führungswechsel im Vorstand des Vereins wurde die Grundidee übernommen, dem Angebot aber eine neue, eigene Note gegeben. „Mit dem neuen Vorstand wollten wir dem Ganzen einen anderen Namen und neuen Anstrich geben, und dennoch die Tradition an sich bewahren. Jetzt ist es inzwischen ein Vorlesekreis. Etwa acht Engagierte, die hierfür auch extra im Vorlesen geschult wurden, besprechen den Abend vor, legen das Thema fest und überlegen, wer was genau und wie lange vorliest. Das müssten inzwischen dann auch etwa 40 Lesungen gewesen sein. Die Veranstaltungen sind für jeden offen. Wir schreiben das immer in die Presse und machen Öffentlichkeitsarbeit.“

Der Förderverein bietet mit dem „Büchermobil“ außerdem einen besonderen Service für Menschen, die die Stadtbücherei selber nicht mehr besuchen können: die Bücher werden ihnen zum Ausleihen nach Hause gebracht. „Inzwischen kenne ich den Geschmack der einzelnen Personen und schreibe mir auch immer auf, welches Buch ich ihnen schon vorbeigebracht habe, damit ich nichts doppelt bringe“, führt Marlis Althoff aus.

Das Sprachcafe wiederum ist ein Angebot für Menschen mit Migrationshintergrund und findet immer Freitagnachmittags statt. „Es ist leider kein fester Platz da, wir sind dann wirklich mitten in der Bücherei und das stört eigentlich immer eher ein bisschen. Daher müssen wir immer schauen, dass wir wirklich nicht länger als eine Stunde machen, was schade ist, wenn man Gespräche dann manchmal mittendrin abbrechen muss“, erzählt Marion Stahlsmeier-Eberle. „Es geht vor allem darum, zu sprechen, um eine normale Unterhaltung. Wir verbessern schon, aber es ist kein Sprachkurs. Wir wollen reden. Wir bieten dann auch immer Getränke und Kekse an, um es etwas gemütlich zu machen. Es waren Teilnehmende aller Altersgruppen und aller Sprachniveaus dabei. Oft brachten die Teilnehmenden noch jemanden mit. Wenn jemand wegging, war eigentlich auch immer schnell jemand Neues da.“

Die lange Zwangspause aufgrund der Pandemie hat jedoch dafür gesorgt, dass viele Personen nun nicht mehr dabei sind. „Einige sind zum Beispiel aus beruflichen Gründen weggezogen. Das Sprachcafé müssen wir jetzt erst wieder neu aufleben lassen“, erklärt Frau Stahlsmeier-Eberle.

Samstags wird außerdem für Kinder ab 5 Jahren vorgelesen. Um dieses Angebot kümmert sich noch eine weitere Person aus dem Vorstandskreis. Nachdem auch hier pandemiebedingt lange keine Vorlesezeit stattfinden konnte, weiß Frau Stahlsmeier-Eberle aber: „Diejenigen, die da vorgelesen haben, stehen auch schon wieder in den Startlöchern. Die freuen sich sehr darauf, wieder eine Geschichte vorzubereiten oder manchmal suchen dann auch die Kinder ein Buch aus, das wird dann in der Bücherei herausgesucht und vorgelesen.“

Neue Köpfe sind immer willkommen

„Helfende Hände sind immer willkommen. Wir haben zwar um die 350 Mitglieder, viele davon sind aber eher passive Mitglieder. Wenn es darum geht etwas zu organisieren oder bei Veranstaltungen, wie dem Sommerleseclub oder den Bücherflohmärkten, zu unterstützen, dann reduziert sich dieser Kreis stark. Bisher haben wir aber immer noch genug Leute gefunden, aber da wären weitere Helferinnen und Helfern doch gerne gesehen“, sind sich alle drei einig.

„Also, das kann sporadische Hilfe sein, das kann aber auch die Unterstützung des Kreises der Vorlesenden sein, die den Kindern samstags vorlesen. Bei dem Sprachcafé sind wir auch immer wieder auf der Suche nach Unterstützenden. Da muss man vor allem versuchen, die Leute zum Erzählen zu ermuntern und das auch ein wenig aus ihnen herauskitzeln. Daher sind wir immer wieder dankbar, wenn es neue Personen gibt, die mitarbeiten wollen. Man muss nur eben bereit sein, in den Förderverein einzutreten, schon aus versicherungstechnischen Gründen. Wir haben auf jeden Fall genügend Anlässe, zu denen sich Neue einbringen können, ob regelmäßig oder unregelmäßig bei Veranstaltungen oder beim Kindervorlesen. Auch jüngerer Nachwuchs wäre toll. Wir sind auch immer interessiert zu hören, welche Themen junge Menschen bei den Dienstagslesern interessieren würden“, machen Ehepaar Althoff und Frau Stahlsmeier-Eberle deutlich.

„Manchmal habe ich schon gedacht, dass ich eigentlich keine Lust habe, noch einmal loszugehen, aber wenn man dann da ist, dann ist es immer toll. Wenn die Menschen so dankbar sind und einem rückmelden, wie gut es ihnen gefallen hat, das motiviert dann wieder“, findet Frau Althoff einen schönen Abschluss für unser Gespräch, „bei allem was so war und ist, man möchte die Zeit nicht missen.“

 

 

Müller der Hofwassermühle am Museumshof

„Die Müller sind so eine kleine, besondere Gruppe“

Karl-Heinz Terbeck und Norbert Koch sind Mitglieder der Gruppe der Müller auf dem Museumshof, die sich um den Betrieb und den Erhalt der Hofwassermühle im Siekertal kümmern und dabei ihren Gästen nicht nur Einblicke in die historische Mühlentechnik sondern auch kulinarischen Kuchengenuss ermöglichen. Das war nicht immer so, wissen die zwei in unserem Gespräch genauer zu berichten.

Karl-Heinz Terbeck, der außerdem noch ehrenamtlich bei der AWO Altstadt arbeitet und einmal monatlich ein offenes Singen in der Druckerei organisiert, ist bereits seit 24 Jahren Teil der Müller. Und nach wie vor hat er viel Spaß an seinem freiwilligen Engagement: „Vor allen Dingen die letzten 10 Jahre haben richtig Spaß gemacht. In diesen Jahren sind neue Mitglieder dazugekommen und wir durften hier unser Gartencafé einrichten, das war vorher nicht möglich. Erst mit dem neuen Mietvertrag hatten wir die Erlaubnis an unseren Öffnungstagen Kaffee auszuschenken und Kuchen zu verkaufen. Und dadurch ist eine Gemeinschaft entstanden, dass man gerne hierhin kommt. Die Menschen fragen auch schon, wann wir wieder öffnen.“

Norbert Koch, der ebenfalls auf viele Jahre Erfahrung in verschiedenen Ehrenämtern zurückschauen kann, ergänzt: „Vor der Pandemie hatten wir an jedem 2. und 4. Sonntag im Monat von April bis Oktober geöffnet. An jedem Öffnungstag hatten wir circa 120 bis 150 Besucherinnen und Besucher. Durch die wechselnden Kurgäste und die Besuchenden und Angehörigen wird das hier nie weniger. Und dann haben wir natürlich auch Stammgäste aus Bad Oeynhausen, die unseren Kuchen besonders mögen. Außerdem ist es hier sehr einfach, mit anderen in Kontakt zu kommen. Man setzt sich einfach an diese Bierzeltgarnituren, zu Fremden mit an den Tisch, ganz untypisch für Ostwestfalen. Da kommen die Leute ins Gespräch und besuchen uns regelmäßig wieder. Böse Zungen sagen ja, dass bei uns der Kuchen günstig ist und dass die Leute deswegen kommen. Aber nein, die kommen, weil der Kuchen eben selbstgebacken ist. Das kann manchmal schon ein Problem werden, wenn wir 150 Besuchende haben, dann brauchen wir etwa 12 bis 15 Torten und Kuchen. Die muss erst einmal jemand backen!“

Neben neuen Müllern, braucht es also außerdem immer fleißige Bäckerinnen und Bäcker, die Lust haben, zu dem Kuchenverkauf der Müller einen der beliebten selbstgebackenen Kuchen beizusteuern.

„Hier ist einfach Stimmung, wenn Karl-Heinz dann noch Musik macht“

„An den Sonntagen sind sonst immer zwei Müller in Uniform in der Mühle, einer ist im Mühlenkeller und erzählt wie die Mühle funktioniert. Da kommen eine ganze Menge Gäste, es laufen aber nicht alle durch die Mühle, das würde dann viel zu eng werden. Viele haben die Mühle schon mehrmals besichtigt oder sie interessieren sich sowieso nicht dafür. Das hat eben auch etwas mit dem Gartencafé zu tun. Hier ist einfach Stimmung, wenn Karl-Heinz dann noch Musik macht und die Menschen mitsingen“, beschreibt Norbert Koch die besondere Atmosphäre zu den Sonntagsöffnungen der Mühle.

Familien und Kinder können sich an zwei Handmühlen ausprobieren, dann wird gemahlen. „Und das Mehl, das die Kinder produzieren, verpacken wir ihnen in kleine Beutelchen, dann können sie das Mehl mit nach Hause mitnehmen. Ein Rezept für Kekse ist gleich mit dabei.“

Weitere Feste im Sommer

Neben den regulären Sonntagsöffnungen stehen regelmäßig noch weitere Veranstaltungshighlights an. Einmal jährlich findet der Sommernachtstraum statt, ein Abend mit Musik und Müllergeschichten, die vorgelesen werden. Für das leibliche Wohl der etwa 200 Gäste wird ebenfalls gesorgt, dies will aber auch alles organisiert sein. „Der Ort ist im Sommer einfach fantastisch. Abends ist das hier wirklich wunderschön.“

Bereits seit 6 Jahren haben die Müller außerdem ein Oldtimertreffen am Museumshof organisiert. „Am Museumshof ist genügend Platz, um die Autos auszustellen. Zuletzt hatten wir um die 70 Fahrzeuge da stehen. Das war immer sehr interessant, denn die Fahrzeuge und deren Besitzer kamen alle aus dem Umkreis von etwa 15 bis 20 km Entfernung. Man wundert sich, wie viele alte Autos in den Garagen herumstehen. Es war dann die ganze Palette vom BMW Isetta bis zum amerikanischen Straßenkreuzer vertreten. Es kamen immer viele Besuchende und überall, wo man hinzugekommen ist, konnte man alten Geschichten lauschen, die die Besuchenden mit einem solchen Auto erlebt haben: ‚Weißt du noch, als wir mit der Isetta zum Gardasee gefahren sind‘. Das ist natürlich besonders interessant für Leute, die in ihrer Jugend diese Autos noch erlebt haben. Aber ob wir das Oldtimertreffen in Zukunft wieder auf die Beine kriegen, wissen wir noch nicht. Wir sind ja auch alle etwas älter geworden und das macht wirklich eine Menge Arbeit, der organisatorische Aufwand ist enorm“, räumen die beiden ein.

Norbert Koch, der nach eigener Aussage noch nicht so lange dabei ist, „erst etwa 10 Jahre“, ist damals mit zwei weiteren Neuen zu der Gruppe der Müller dazugestoßen, erzählt er. „Wir Alten haben die aber gerne aufgenommen“, wirft Karl-Heinz Terbeck lachend ein, „es ist ja so, er ist in die Lehre zu uns gekommen, das hat lange gedauert. Und jetzt ist er unser Chef!“

Die Mühle gehört zwar zum Museumshof, die Müller aber schätzen sehr, dass sie als Gruppe recht frei agieren dürfen. „Wenn wir keinen Unsinn machen, müssen wir uns zwar hin und wieder abstimmen, aber im Großen und Ganzen sind wir ziemlich frei in unserer Gestaltung.“

Jeder kann seine Fähigkeiten einbringen

Karl-Heinz Terbeck macht deutlich, wie wichtig jedes einzelne Mitglied der Müllertruppe ist, denn „jeder in unserer Gruppe hat besondere Dienste und Stärken: ich bin für Musik und Unterhaltung zuständig, Norbert passt auf unser Geld auf, wenn wir denn welches haben. Hermann ist die technische Leitung, Walter ist immer gefragt, wenn es um die Organisation des Sommernachtstraums und das Märchenlesen geht. Und Wolfgang organisiert mit Norbert das Oldtimertreffen und hat das Fachwerk der Mühle gestrichen. Karsten ist Meister beim Grillen bei den Mühlenfesten, Jürgen hat ein Auge auf das äußere Erscheinungsbild der Mühle. Jeder hat seine unterschiedlichen Fähigkeiten und das ist auch sehr schön so.“

Dementsprechend müssen neue Interessierte keine technischen Vorkenntnisse oder bestimmte berufliche Erfahrungen mitbringen, auch die jetzigen Müller haben die unterschiedlichsten Berufe gehabt. Nur Freude an der Interaktion mit Menschen sollte derjenige haben, und die Kommunikation untereinander pflegen. Ein Interesse für die alte Technik der Mühle wäre toll, das Verständnis hierfür lasse sich aber recht schnell aneignen, meint Norbert Koch. „Die Technik dieser alten Mühle, die kann eigentlich jedes Kind mit den Augen aufnehmen. Wenn Sie da unten im Keller die alten Holzgetriebe sehen, dann muss man das eigentlich nicht lange erklären, man sieht das. Aber man muss darauf achten, dass man die gefährlichen Stellen kennt. Manches kann man nicht alleine machen oder man muss einfach vorsichtig sein. Aber das bekommt man von uns gezeigt. Sonst hätte ich nicht mehr alle Finger.“

Über „Nachwuchs“ würde sich die Gruppe der Müller auf jeden Fall freuen.

„Wenn wir jemanden begeistern könnten, hier einmal hineinzuschnuppern, dann würde derjenige sicher feststellt, dass unsere Truppe eine ganz harmonische ist. Es ist natürlich schon eine gewisse Verpflichtung, wenn jetzt neue Personen dazukommen, die aber nie verfügbar sind, das wäre unglücklich. Ein wenig Zuverlässigkeit gehört schon dazu. Je mehr wir sind, desto eher darf dann ja auch mal jemand fehlen.“

Je mehr Mitstreiter, desto weniger Arbeit für jeden Einzelnen

Und um den Betrieb aufrecht erhalten zu können, wird schon zu Beginn des Jahres ein fester Einsatzplan erstellt. „Wenn wir denn wirklich vierzehn bis fünfzehn Mal im Jahr geöffnet haben, ist man etwa sechs bis acht Mal im Dienst eingeplant. Bis jetzt macht das alles noch viel Spaß, aber wenn es an immer weniger Leuten hängen bleibt, dann kann das schon zur Belastung werden. Durch den Jahresplan lässt sich das eigentlich gut einplanen. Das ist so im Sinne aller, man möchte ja auch mal wegfahren können. Und an die Pläne haben sich bisher eigentlich alle weitestgehend gehalten. Wenn durch Krankheit mal jemand ausfällt, hat derjenige dafür zu sorgen, dass er einen anderen als Ersatz findet. Das klappt bisher sehr gut.“

Herr Koch und Herr Terbeck sind sich einig: „Man muss sich in einer Gruppe natürlich wohlfühlen, sonst kommt man nicht gerne hin. Aber bisher ist noch keiner deshalb weggeblieben.“

Sterbebegleitung - Ökumenischer Hospizdienst Bad Oeynhausen

„Die Auseinandersetzung mit dem Tod lehrt uns viel über das Leben“

Nawal El Shamsy engagiert sich neben ihrer Familie und ihrem Beruf als Apothekerin ehrenamtlich als Sterbebegleiterin beim Ökumenischen Hospizkreis Bad Oeynhausen.

In vielen Fällen sind es persönliche Erfahrungen mit dem Thema Tod und Krankheit, die die Menschen dazu bringen, sich in diesem Ehrenamt zu engagieren. Bei Nawal El Shamsy war es außerdem auch ihre Tätigkeit als Apothekerin, die sie schon vor Jahren in ein stationäres Hospiz führte. „Vor meinem ersten Besuch dort hatte ich ein mulmiges Gefühl in ein Haus zu gehen, in dem die Menschen sterben. Ich wusste nicht, wie das sein würde. Aber als ich dieses Haus betreten habe, spürte ich, dass das ein sehr friedlicher und sehr guter Ort ist.“

Wie sie selber sagt, hat es dann noch eine Weile gedauert, bis der Wunsch, sich in der Hospizarbeit zu engagieren, in ihr reifte. Nach einem Umzug entschließt sich Nawal El Shamsy dann, ihren Vorsatz in die Tat umzusetzen und sich nach einem Ehrenamt in der Hospizarbeit zu erkundigen.

Befähigungskurs als Voraussetzung für das Ehrenamt in der Hospizarbeit

Zu diesem Zeitpunkt stand der Start eines neuen Befähigungskurses bevor, sodass Nawal El Shamsy direkt einsteigen konnte. Dieser etwa 60 Stunden umfassende Kurs ist Voraussetzung dafür, dass man ein Ehrenamt als Hospizhelfer/in beginnen kann. Der Kurs vermittelt zum einen Wissen wie etwa über die Phasen des Sterbeprozesses und der Trauer, um den damit verbundenen aufkommenden Emotionen begegnen zu können. Fachkräfte referieren zu unterschiedlichen Themen wie der Gestaltung des Lebensendes mit Demenz oder berichten von ihrer Arbeit mit Patienten auf der Palliativstation und geben Tipps zum Umgang mit Sterbenden. Zum anderen geht es aber zu einem großen Teil um Selbstreflexion: „Der Kurs zielt darauf ab, zunächst sein eigenes Verhältnis zum Tod zu klären. Er fördert die Reflexion der eigenen Beweggründe für dieses Ehrenamt und ob man das wirklich kann. Man wird gut darauf vorbereitet, was auf einen zukommt. Und auch schon ohne den Einsatz in einer Begleitung lässt einen dieser Kurs bereits reifen, es bringt einem persönlich schon sehr viel“, berichtet die ehrenamtliche Hospizhelferin. Eine wichtige Rolle spielt dabei natürlich auch die restliche Gruppe. „Man wächst als Gruppe sehr zusammen, denn die Atmosphäre ist dem Thema entsprechend sehr intim. Man spricht ja über Dinge, über die man normalerweise im Freundeskreis nicht spricht. Die eigene Einstellung zum Tod, die Erfahrungen mit Tod und Krankheit, das sind Dinge, die einfach zusammenschweißen, weil man doch so einiges von den anderen erfährt und ja auch von sich selber preis gibt.“

Zum Abschluss des Kurses wird dann in einem individuellen Gespräch besprochen, welche Perspektive es geben könnte, welches Setting sich der oder die Freiwillige vorstellen kann, denn die ambulanten Begleitungen werden sowohl in den Familien, aber auch in Altenpflegeheimen und Krankenhäusern angeboten. „Und natürlich kann jemand auch sagen, wenn er im Laufe des Kursus merkt, dass er oder sie sich das im Moment gar nicht vorstellen kann, eine Begleitung zu übernehmen.“

Die Wünsche der schwer kranken und sterbenden Menschen werden mit den Möglichkeiten der Freiwilligen abgeglichen und ein gemeinsames Kennenlern-Treffen vereinbart, wenn sich die oder der Freiwillige eine Begleitung vorstellen kann. „Im optimalen Fall jedenfalls, manchmal müssen wir auch innerhalb von Stunden agieren, da fällt das dann schon einmal hintenüber“, erzählt Anne-Meike Thöne, die hauptamtliche Mitarbeiterin und Ansprechperson für die Freiwilligen.

„Meine erste und bisher einzige Begleitung war sehr besonders, weil ich die Person relativ lange über einen Zeitraum von 8 Monaten begleiten durfte. Ich bin sehr dankbar, dass sich eine sehr innige Beziehung daraus ergeben hat und dass ich sie tatsächlich auch in ihrem Sterben begleiten durfte, was nicht unbedingt die Regel ist“, berichtet Nawal El Shamsy.

Sich einlassen und sich selbst zurücknehmen können

„Je nach Mobilität, Vorlieben und Wünschen der Menschen kann sich eine Begleitung ganz unterschiedlich gestalten. Wir versuchen ja, es diesen Menschen so angenehm wie möglich zu machen. Bei meinen Besuchen haben sich mit der Zeit Rituale eingespielt: Massagen mit ätherischen Ölen und das geliebte Märchenvorlesen. Andere möchten vielleicht ein bisschen Musik hören, sich unterhalten, möchten über das vergangene Leben sprechen. Wir bieten ja nur an, dass wir Zeit haben und da sind, und alles andere kommt von dieser Person. Wir warten nur ab, wir geben nichts vor“, erläutert Frau El Shamsy.

Und so ist es eben besonders wichtig, viel Empathie und Flexibilität mitzubringen und „sich einlassen zu können und sich selber zurückzunehmen. Man sollte Ansprechperson sein, ein offenes Ohr haben und möglichst Ruhe und Sicherheit ausstrahlen. Was dabei hilft ist natürlich, wenn man für sich Frieden gefunden hat mit dem Thema Tod. Ansonsten wird es schwer, dies auszustrahlen und zu vermitteln.“

Auch den eigenen Stress, die eigenen Sorgen sollte man während des Besuchs im besten Fall abfallen lassen. „Ich gebe dieser Person Ruhe und muss dafür zurückstellen, was bei mir los war. Das ist nicht immer ganz leicht. Aber auf der anderen Seite ist es ein unheimliches Geschenk. In der Situation, in der man zu dieser Person geht, ist das auch für einen selbst ein Abschalten, das habe ich immer sehr genossen. Eine Auszeit von dem, was ich sonst so habe. Und es relativiert vieles, es erinnert an das, was auf uns alle zukommt und es macht demütig und dankbar“, erklärt Nawal El Shamsy aus ihren eigenen Erfahrungen.

„Wir wissen, worauf wir uns einlassen“

„Die Sterbebegleitung eines Menschen, den man vorher nicht kannte, ist etwas ganz anderes als beispielsweise die Begleitung der eigenen Eltern. Hier gibt es keine gemeinsame Geschichte, was die Begegnung unkomplizierter macht. Wir wissen ja auch, worauf wir uns einlassen und wo die Reise hingeht. Trotzdem lässt uns die Person im optimalen Fall sehr nah an sich heran. Da kann dann eine    echte, pure Begegnung stattfinden, und es lässt sich viel über das Leben lernen.“

Nawal El Shamsy erzählt von der positiven Erfahrung ihrer ersten Begleitung: „Ich hatte das Glück, dass der Kontakt von Anfang an sehr wertgeschätzt und mir gleich gespiegelt wurde, wie gut das tut, dass ich da bin. Das hat mir das Herz geöffnet gegenüber dieser Frau. Sofort postwendend zu erfahren, wie dankbar jemand für dieses Zeitgeschenk ist, das ist sehr wertvoll.“

Die Freiwilligen werden durchgehend gut begleitet. Regelmäßig werden in den Gruppen Austauschtreffen und auch Supervisionssitzungen angeboten. Hier können Belastungen angesprochen oder besprochen werden, wenn jemand verstirbt. „Wir treffen uns regelmäßig und haben dann die Möglichkeit uns auszutauschen in dieser Gruppe von Menschen, die selber Erfahrungen in diesem Bereich haben. Das kann man oft nicht einfach mit dem Partner besprechen, da ist der geschützte Rahmen in der Gruppe doch sehr wichtig“, weiß Frau El Shamsy.

Und auch die eigene Familie sollte mittragen, dass man kein fest planbares Ehrenamt übernimmt. „Unter Umständen kommt man voll von Eindrücken zurück und das muss eine Familie natürlich auch mit tragen.“

Den großen Wert des Ehrenamtes, auch für sie selber, sieht Frau El Shamsy unter anderem hierin: „Anerkannt wird man im Alltag ansonsten oft für das Fachliche, für Leistung. Und im Ehrenamt bekommt man etwas auf der menschlichen Ebene zurück. Dass man Menschen etwas Gutes tun kann, ohne etwas leisten zu müssen. Einfach nur dadurch, dass man ist, wie man ist. Und so die Rückmeldung bekommt, dass man gut ist, wie man ist.“