Des Kaisers neue Kleider
Dieses Märchen erzählt auf humorvolle Weise, wie Eitelkeit und Angst vor Kritik selbst die klügsten Menschen täuschen können.
Ist der nackte Monarch nicht ein lustiger Anblick, so wie er hier ganz selbstverständlich in den Kurpark stolziert? Genau darum geht es in Des Kaisers neue Kleider: Um einen extrem eitlen Herrscher, der zum Gespött seines Volkes wird. Eines Tages nämlich kommen zwei Betrüger an seinen Hof und behaupten, sie könnten die feinste Kleidung herstellen, so fein, dass sie nur für kluge und fähige Menschen sichtbar sei. Der Kaiser, begeistert von der Idee, will daraufhin ein solches Gewand haben. Die Betrüger beginnen nun, vor leeren Webstühlen an einem unsichtbaren Stoff zu "arbeiten", während sie in Wirklichkeit gar nichts herstellen. Um ihre Täuschung zu perfektionieren und sich dabei zu bereichern, verlangen sie große Mengen Gold und feinste Seide für das unsichtbare Gewand. Weder der Kaiser noch seine Berater wollen zugeben, dass sie die entstehende Kleidung nicht sehen können – sie haben Angst, vor aller Welt für dumm oder unfähig gehalten zu werden.
Als nun das angebliche Gewand scheinbar "fertig" ist, lässt sich der Kaiser in einem feierlichen Umzug damit bewundern – freilich nackt, denn das Kleidungsstück gibt es ja gar nicht. Das Volk spielt zunächst mit, doch ein kleines Kind ruft schließlich, dass der Kaiser ja gar nichts an habe. Damit wird die Täuschung offenbar, aber der Herrscher setzt seinen Umzug dennoch fort: Er will nicht zugeben, dass er Betrügern aufgesessen ist.
Die Hintergründe der Geschichte:
„Des Kaisers neue Kleider“ ist ein ausgedachtes Kunstmärchen und stammt vom dänischen Schriftsteller Hans-Christian Andersen. Es ist eine beißende Satire auf Eitelkeit, Opportunismus und die Angst, die Wahrheit zu sagen, wenn diese unbequem ist. Dass solche Wahrheiten oft von unbedarften und unbeteiligten Dritten ausgesprochen werden, macht Andersen darin deutlich. Das Märchen wurde 1837 veröffentlicht und ist inspiriert von einer mittelalterlichen Erzählung aus Spanien. Darin geht es um die Marotten an einem Hof, als es dort noch ein islamisches Emirat gab.
Die Geschichte spiegelt auch die gesellschaftlichen und politischen Strukturen der Zeit wider. Denn damals kamen immer mehr Stimmen auf, die mehr Macht vom Volke und weniger vom Herrscher wünschten. Nicht umsonst kam es in Europa nur elf Jahre später überall zu Unruhen und Revolutionen (die aber weitestgehend missglückten).
