Der Froschkönig oder der eiserne Heinrich
Eine goldene Kugel, ein geheimnisvoller Frosch und ein Versprechen mit Folgen: Erst als die Prinzessin ihr Wort hält, wird der alte Zauber gebrochen – und aus dem Frosch ein Prinz.
Hier steht Ihr vor einer Prinzessin mit einer goldenen Kugel in der Hand. Im Märchen „Der Froschkönig oder der Eiserne Heinrich“ fällt der Frau diese Kugel in einen Brunnen, und ein Frosch bietet ihr an, dieser wieder herauszuholen. Im Gegenzug soll sie ihm versprechen, seine Freundin zu werden und Teller und Bett mit ihm zu teilen. Sie willigt ein, versucht aber zunächst, dem Frosch zu entgehen. Ihr Vater, der König, befiehlt ihr daraufhin, dass sie ihr Wort hält. Und so muss sie ihren Teller mit dem Tier teilen. Als der Frosch dann auch noch darauf besteht, mit in ihr Bett zu kommen, wirft ihn die Prinzessin vor Abscheu an die Wand. Dabei verwandelt er sich ganz unerwartet in einen Prinzen. Denn einst war dieser von einer bösen Hexe verwünscht worden. Mit Billigung des Königs heiratet der zurück verwandelte Prinz die Prinzessin bald und nimmt sie mit in sein Reich. Während der Fahrt dorthin brechen drei Ketten mit einem lauten Krachen auseinander. Heinrich, der Diener des Prinzen, hatte sie sich ums Herz legen lassen. Denn einst hatte er befürchtet, dieses könne aus Kummer zerspringen, weil sein Herr in einen Frosch verwandelt worden war.
Die Hintergründe der Geschichte:
Das Märchen vom Froschkönig gab es allein in Deutschland in fast 40 Varianten – die meisten davon stammten von der Ostseeküste zwischen Mecklenburg und Ostpreußen. Es ist ein sogenanntes Tierbräutigam-Märchen, bei der eine Frau einen Mann heiratet, der vorher in ein Tier verwandelt worden war – etwa in einen Frosch, einen Bären, einen Wolf oder einen Löwen.
Die bekannteste Version der Froschkönig-Geschichte, die der Brüder Grimm, hat eine Wendung, die eher selten in Märchen vorkommt: Der Tierbräutigam verwandelt sich dort nämlich, ohne dass die Braut dafür etwas leisten muss, ja, sogar ohne dass sie überhaupt Interesse an ihm zeigt.
Heinrich wiederum ist im 19. Jahrhundert, dem Jahrhundert der Grimms, der am weitesten verbreitete Männername im einfachen Volk. So steht der Diener des Prinzen also für die einfachen Menschen, und symbolisiert die Sehnsucht nach einer verklärten, vorindustriellen Welt, in der das Volk angeblich seinen gütigen Herrschen treu gefolgt sei.
