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Stadt Bad Oeynhausen

Ehrenamtskoordinatorin

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„Die Offenheit der Kinder hat mich sehr überrascht“

Bereits seit 2019 engagiert sich Christiane Millé einmal wöchentlich in einer Gruppe von Ehrenamtlichen in der Hausaufgabenbetreuung des Deutschen Kinderschutzbundes.

Als pensionierte Lehrerin kann Frau Millé einiges an beruflichem Wissen und Können in ihr Ehrenamt einbringen. Auch die 21-jährige Nadine Mawassi engagiert sich hier. Sie möchte eine Ausbildung als Erzieherin beginnen und sammelt durch ihre Mitarbeit Erfahrungen, die sie gerne in ihren Traumberuf einbringen möchte.

„Ich bin Lehrerin am Immanuel-Kant-Gymnasium gewesen, habe mich während meiner beruflichen Laufbahn dort entschieden, in den Bereich der Verkehrs- und Mobilitätserziehung zu gehen und war dann noch etwa 20 Jahre lang in der Oberstufenkoordination“, berichtet Frau Millé. Die Nachmittagsbetreuung des Deutschen Kinderschutzbundes wird aber natürlich eher von jüngeren Schülerinnen und Schülern besucht, daher erzählt sie weiter: „Ich denke, dass ich die Methodik des Unterrichts schon auch in mein Ehrenamt einbringen kann, wobei das hier natürlich schon ganz anders ist. Man weiß hier vorher nie, ob man heute ein Kind aus Klasse 1 oder Klasse 4 begleitet, man weiß nicht, ob man Deutsch oder Mathe oder Englisch mit ihnen macht und man weiß nicht genau, was das Kind an diesem Tag in diesem Augenblick braucht. Das ist manchmal herausfordernd, macht aber auch viel Spaß.“
Nadine berichtet, dass sie daneben auch Ausflüge begleitet und ein offenes Ohr hat für die Kinder, wenn sie jemanden zum Reden brauchen. Außerdem kocht sie mit einer anderen Kollegin zusammen mit und für die Kinder.

So gestaltet sich das Engagement

Nadine Mawassi in den Räumen des DKSB

Nadine Mawassi in den Räumen des DKSB

Typischerweise gestaltet sich der Einsatz der Freiwilligen bei der Hausaufgabenbetreuung etwa so: „Die Freiwilligen sind meist früher da, wir quatschen ein bisschen und tauschen uns über die Kinder aus. Nach und nach kommen die ersten Kinder, die sich dann selber ihre Betreuung aussuchen. Das klappt eigentlich immer gut, manchmal gibt es ein bisschen Gemaule. Mit der Zeit entstehen Beziehungen und die Kinder suchen sich schon von alleine wieder die gleiche Person aus. Wir machen Hausaufgaben. Wenn wir damit fertig sind bzw. wenn es keine Hausaufgaben gibt, haben wir hier sehr viele Übungsmaterialien. Man lässt entweder noch einen Text schreiben, man rechnet noch ein bisschen oder die Kinder lesen noch ein wenig vor, was auch sehr wichtig ist bei den Kindern, dadurch lernen sie auch wieder neue Begriffe. 45 Minuten müssen die Kinder arbeiten und anschließend dürfen sie spielen. Da spielt meist der Betreuende auch mit. Das ist dann für alle offen und die Gruppen mischen sich.“

„Die Kinder investieren sehr viel Willen und Kraft“

Christine Millé sucht ein Buch aus für die Hausaufgabenbetreuung

Christine Millé sucht ein Buch aus für die Hausaufgabenbetreuung

Zu ihrer Motivation, sich ehrenamtlich beim Kinderschutzbund zu engagieren, erzählt Christiane Millé: „Ich halte es einfach für sehr wichtig, dass die Kinder Hilfe bekommen für ihre Schullaufbahn. Es hat mich auch gereizt, wieder in einer Gruppe zu arbeiten. Das kannte ich so auch aus der Schule. Und ich habe hier gut Anschluss gefunden, es gibt ein sehr gutes Gruppenzusammengehörigkeits-gefühl mit den anderen Freiwilligen und den Mitarbeitenden des Kinderschutzbundes, obwohl wir alle sehr unterschiedlich sind. Es macht mir sehr viel Freude, wie offen die Kinder sind, damit hatte ich gar nicht gerechnet. Die Arbeit mit kleinen Kindern kannte ich vorher nicht. Man wird hier per Umarmung empfangen, die Kinder kommen auf uns zugerannt, nehmen uns in den Arm und freuen sich. Die überwiegende Zeit arbeiten sie auch wirklich gerne mit und investieren schon sehr viel Willen und Kraft. Die meisten lernen wirklich mit Hingabe, bis sie nicht mehr können.“

Nadine berichtet ähnliches: „Die Liebe der Kinder, die man zurückbekommt, motiviert mich da am meisten. Wenn ich die Kinder treffe, auch außerhalb des Kinderschutzbundes, dann fangen die an zu jubeln“, lacht Nadine. „Die Mutter eines Jungen hat mir erzählt, dass ihr Sohn fast aus dem Auto springt, wenn er mich sieht. Und ich freue mich dann sehr, das ist auch ein Antrieb für mich, immer wieder hierher zu kommen. Um die lachenden Gesichter zu sehen.“

„Und dann ist mir aufgefallen, dass man viele Begriffe erklären muss, wenn man mit den Kindern lesen übt. Zum Beispiel wird vorgelesen ‚Das Kind geht in den Wald und sieht ein Reh.‘ Aber was ist ein Reh? Die Kinder, die hier nicht aufgewachsen sind, kennen diese Tiere bzw. unsere deutsche Lebensumwelt gar nicht so, wie wir sie kennen. Sie können diese Begriffe nicht mit Bildern und Inhalt füllen. Da muss man sehr kreativ sein, um diese Begriffe zu erklären. Notfalls eben mit einem Handybild“, stellt Frau Millé dar.

Auch beim Kochangebot hat Nadine Mawassi festgestellt, dass die Kinder manches von zu Hause aus nicht kennen: „Wir kochen hier gemeinsam mit den Kindern. Viele der Kinder dürfen zu Hause kein Messer benutzen, wahrscheinlich, weil die Eltern Angst haben, das Kind könnte sich verletzen. Aber wir möchten dem Kind hier mitgeben, dass es sich etwas zutrauen kann. Nur so kann ein Kind lernen, selbständig und selbstbewusst zu werden. Es muss sich ausprobieren können und man muss darauf vertrauen, dass es manches eben auch alleine schafft. Wir wollen Selbstbewusstsein und Selbstwertgefühl mitgeben. Die Kinder fragen hier von selbst, ob sie mithelfen dürfen. Diese Kooperationsbereitschaft wollen wir unbedingt unterstützen. Und sie wollen zum Teil auch aus diesen typischen Rollenklischees ausbrechen. Hier wollen genauso viele Jungs mithelfen wie Mädchen. Zu Hause sollen die Jungs das aber häufig nicht. Und diese Jungs sind es dann eben auch nicht gewohnt, ihren Teller selber wegzuräumen. Da möchte ich denen auch mitgeben, dass es nicht der Job der Schwester oder der Mutter ist, den Tisch aufzuräumen, sondern dass sie auch selber für sich sorgen können. Die Kinder sollen hier lernen können, dass jeder Verantwortung übernehmen kann.“

Geduld und Spaß am Umgang mit jüngeren Kindern

„Man sollte Spaß an der Sache mitbringen und geduldig sein. Spontanität und Flexibilität sind hilfreich. Und offen für Neues sollte man sein“, da sind sich beide einig. „Ich war schon überrascht, von den älteren Schülerinnen und Schüler aus der Schule kannte ich es gar nicht, dass die einen auch schon einmal am Arm streicheln oder sagen ‚Was hast du denn für Haare, so weiß!‘, das ist alles von absolutem Interesse“, lacht Christiane Millé. „Aber die sind noch so unbefangen in dem Alter, neugierig und trauen sich einfach, alles zu fragen. Sowas sollte man nicht übel nehmen.“

Dass die Kinder ihr zu ihrem Geburtstag kleine Geschenke gebastelt und Bilder gemalt hatten, das war ein besonderes Erlebnis für Nadine Mawassi. „Als ich hierherkam war ich total überrascht über all die Geschenke und Bilder, die ich von den Kindern bekommen habe. Da war ich sehr gerührt.“

Frau Millé erinnert sich besonders an die Weihnachtsfeier: „Ich fand das erstaunlich, dass die muslimischen Kinder und ihre Eltern so offen waren und eine schöne, christliche Weihnachtsfeier mit uns gefeiert haben. Die Kinder haben ein Programm erstellt und alle haben etwas gebastelt. Es war ein sehr schönes Miteinander mit den Ehemaligen, den Freiwilligen, den Kindern und vielen Eltern. Das war eine wirklich sehr schöne Feier.“

Aufmerksam geworden auf ein Ehrenamt beim Deutschen Kinderschutzbund in Bad Oeynhausen ist sie über die vielen Berichte in der Lokalpresse. „Als ich dann pensioniert wurde, habe ich gedacht, ich frage einfach einmal nach, ob sie mich gebrauchen können. Ich sollte dann einfach mal vorbeikommen und als ich das erste Mal hier herauskam, habe ich gedacht ‚Das ist es!‘ Da ging es mir richtig gut! Ich mache das nur einmal die Woche, aber man freut sich wirklich auf den Tag und wenn es dann soweit ist, kommt man wirklich gerne.“

Und auch Nadine Mawassi sagt: „Jedes Mal, wenn ich hier hereinkomme, habe ich ein Lächeln auf dem Gesicht und wenn ich herausgehe, dann immer mit guter Laune.“

Haben auch Sie Interesse an einer freiwilligen Tätigkeit?

Dann melden Sie sich, die Ehrenamtskoordination hilft Ihnen gerne bei der Suche nach dem geeigneten Ehrenamt für Sie.

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