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Stadt Bad Oeynhausen

Ehrenamtskoordinatorin

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„Die Auseinandersetzung mit dem Tod lehrt uns viel über das Leben“

Nawal El Shamsy engagiert sich neben ihrer Familie und ihrem Beruf als Apothekerin ehrenamtlich als Sterbebegleiterin beim Ökumenischen Hospizkreis Bad Oeynhausen.

In vielen Fällen sind es persönliche Erfahrungen mit dem Thema Tod und Krankheit, die die Menschen dazu bringen, sich in diesem Ehrenamt zu engagieren. Bei Nawal El Shamsy war es außerdem auch ihre Tätigkeit als Apothekerin, die sie schon vor Jahren in ein stationäres Hospiz führte. „Vor meinem ersten Besuch dort hatte ich ein mulmiges Gefühl in ein Haus zu gehen, in dem die Menschen sterben. Ich wusste nicht, wie das sein würde. Aber als ich dieses Haus betreten habe, spürte ich, dass das ein sehr friedlicher und sehr guter Ort ist.“
Wie sie selber sagt, hat es dann noch eine Weile gedauert, bis der Wunsch, sich in der Hospizarbeit zu engagieren, in ihr reifte. Nach einem Umzug entschließt sich Nawal El Shamsy dann, ihren Vorsatz in die Tat umzusetzen und sich nach einem Ehrenamt in der Hospizarbeit zu erkundigen.

Befähigungskurs als Voraussetzung für das Ehrenamt in der Hospizarbeit

Zu diesem Zeitpunkt stand der Start eines neuen Befähigungskurses bevor, sodass Nawal El Shamsy direkt einsteigen konnte. Dieser etwa 60 Stunden umfassende Kurs ist Voraussetzung dafür, dass man ein Ehrenamt als Hospizhelfer/in beginnen kann. Der Kurs vermittelt zum einen Wissen wie etwa über die Phasen des Sterbeprozesses und der Trauer, um den damit verbundenen aufkommenden Emotionen begegnen zu können. Fachkräfte referieren zu unterschiedlichen Themen wie der Gestaltung des Lebensendes mit Demenz oder berichten von ihrer Arbeit mit Patienten auf der Palliativstation und geben Tipps zum Umgang mit Sterbenden. Zum anderen geht es aber zu einem großen Teil um Selbstreflexion: „Der Kurs zielt darauf ab, zunächst sein eigenes Verhältnis zum Tod zu klären. Er fördert die Reflexion der eigenen Beweggründe für dieses Ehrenamt und ob man das wirklich kann. Man wird gut darauf vorbereitet, was auf einen zukommt. Und auch schon ohne den Einsatz in einer Begleitung lässt einen dieser Kurs bereits reifen, es bringt einem persönlich schon sehr viel“, berichtet die ehrenamtliche Hospizhelferin. Eine wichtige Rolle spielt dabei natürlich auch die restliche Gruppe. „Man wächst als Gruppe sehr zusammen, denn die Atmosphäre ist dem Thema entsprechend sehr intim. Man spricht ja über Dinge, über die man normalerweise im Freundeskreis nicht spricht. Die eigene Einstellung zum Tod, die Erfahrungen mit Tod und Krankheit, das sind Dinge, die einfach zusammenschweißen, weil man doch so einiges von den anderen erfährt und ja auch von sich selber preis gibt.“

Zum Abschluss des Kurses wird dann in einem individuellen Gespräch besprochen, welche Perspektive es geben könnte, welches Setting sich der oder die Freiwillige vorstellen kann, denn die ambulanten Begleitungen werden sowohl in den Familien, aber auch in Altenpflegeheimen und Krankenhäusern angeboten. „Und natürlich kann jemand auch sagen, wenn er im Laufe des Kursus merkt, dass er oder sie sich das im Moment gar nicht vorstellen kann, eine Begleitung zu übernehmen.“

Die Wünsche der schwer kranken und sterbenden Menschen werden mit den Möglichkeiten der Freiwilligen abgeglichen und ein gemeinsames Kennenlern-Treffen vereinbart, wenn sich die oder der Freiwillige eine Begleitung vorstellen kann. „Im optimalen Fall jedenfalls, manchmal müssen wir auch innerhalb von Stunden agieren, da fällt das dann schon einmal hintenüber“, erzählt Anne-Meike Thöne, die hauptamtliche Mitarbeiterin und Ansprechperson für die Freiwilligen.

"Meine erste und bisher einzige Begleitung war sehr besonders, weil ich die Person relativ lange über einen Zeitraum von 8 Monaten begleiten durfte. Ich bin sehr dankbar, dass sich eine sehr innige Beziehung daraus ergeben hat und dass ich sie tatsächlich auch in ihrem Sterben begleiten durfte, was nicht unbedingt die Regel ist“, berichtet Nawal El Shamsy.

Die ehrenamtliche Hospizhelferin Nawal El Shamsy

Sich einlassen und sich selbst zurücknehmen können

„Je nach Mobilität, Vorlieben und Wünschen der Menschen kann sich eine Begleitung ganz unterschiedlich gestalten. Wir versuchen ja, es diesen Menschen so angenehm wie möglich zu machen. Bei meinen Besuchen haben sich mit der Zeit Rituale eingespielt: Massagen mit ätherischen Ölen und das geliebte Märchenvorlesen. Andere möchten vielleicht ein bisschen Musik hören, sich unterhalten, möchten über das vergangene Leben sprechen. Wir bieten ja nur an, dass wir Zeit haben und da sind, und alles andere kommt von dieser Person. Wir warten nur ab, wir geben nichts vor“, erläutert Frau El Shamsy.

Und so ist es eben besonders wichtig, viel Empathie und Flexibilität mitzubringen und „sich einlassen zu können und sich selber zurückzunehmen. Man sollte Ansprechperson sein, ein offenes Ohr haben und möglichst Ruhe und Sicherheit ausstrahlen. Was dabei hilft ist natürlich, wenn man für sich Frieden gefunden hat mit dem Thema Tod. Ansonsten wird es schwer, dies auszustrahlen und zu vermitteln.“ Auch den eigenen Stress, die eigenen Sorgen sollte man während des Besuchs im besten Fall abfallen lassen. „Ich gebe dieser Person Ruhe und muss dafür zurückstellen, was bei mir los war. Das ist nicht immer ganz leicht. Aber auf der anderen Seite ist es ein unheimliches Geschenk. In der Situation, in der man zu dieser Person geht, ist das auch für einen selbst ein Abschalten, das habe ich immer sehr genossen. Eine Auszeit von dem, was ich sonst so habe. Und es relativiert vieles, es erinnert an das, was auf uns alle zukommt und es macht demütig und dankbar“, erklärt Nawal El Shamsy aus ihren eigenen Erfahrungen.

„Wir wissen, worauf wir uns einlassen“

„Die Sterbebegleitung eines Menschen, den man vorher nicht kannte, ist etwas ganz anderes als beispielsweise die Begleitung der eigenen Eltern. Hier gibt es keine gemeinsame Geschichte, was die Begegnung unkomplizierter macht. Wir wissen ja auch, worauf wir uns einlassen und wo die Reise hingeht. Trotzdem lässt uns die Person im optimalen Fall sehr nah an sich heran. Da kann dann eine    echte, pure Begegnung stattfinden, und es lässt sich viel über das Leben lernen.“

Nawal El Shamsy erzählt von der positiven Erfahrung ihrer ersten Begleitung: „Ich hatte das Glück, dass der Kontakt von Anfang an sehr wertgeschätzt und mir gleich gespiegelt wurde, wie gut das tut, dass ich da bin. Das hat mir das Herz geöffnet gegenüber dieser Frau. Sofort postwendend zu erfahren, wie dankbar jemand für dieses Zeitgeschenk ist, das ist sehr wertvoll.“

Die Freiwilligen werden durchgehend gut begleitet. Regelmäßig werden in den Gruppen Austauschtreffen und auch Supervisionssitzungen angeboten. Hier können Belastungen angesprochen oder besprochen werden, wenn jemand verstirbt. „Wir treffen uns regelmäßig und haben dann die Möglichkeit uns auszutauschen in dieser Gruppe von Menschen, die selber Erfahrungen in diesem Bereich haben. Das kann man oft nicht einfach mit dem Partner besprechen, da ist der geschützte Rahmen in der Gruppe doch sehr wichtig“, weiß Frau El Shamsy.

Und auch die eigene Familie sollte mittragen, dass man kein fest planbares Ehrenamt übernimmt. „Unter Umständen kommt man voll von Eindrücken zurück und das muss eine Familie natürlich auch mit tragen.“

Den großen Wert des Ehrenamtes, auch für sie selber, sieht Frau El Shamsy unter anderem hierin: „Anerkannt wird man im Alltag ansonsten oft für das Fachliche, für Leistung. Und im Ehrenamt bekommt man etwas auf der menschlichen Ebene zurück. Dass man Menschen etwas Gutes tun kann, ohne etwas leisten zu müssen. Einfach nur dadurch, dass man ist, wie man ist. Und so die Rückmeldung bekommt, dass man gut ist, wie man ist.“

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