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Stadt Bad Oeynhausen

Ehrenamtskoordinatorin

Anna Südkamp
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„Es fing an mit einem großen Berg von Koffern“

Gerold Haug ist ein Mann vieler Ehrenämter. Wobei er selber das Wort „Amt“ nicht mag, sondern lieber von seinen freiwilligen Tätigkeiten spricht.

Seine Erfahrungen sind vielfältig, früher hat er oftmals auch Tätigkeiten übernommen, die eine fest vorgegebene Aufgabe umfassten, die es galt auszuführen. In der Flüchtlingshilfe aber hat er viel Spielraum, hier kann er mitgestalten.
„Damals dachte ich: da ist Not am Mann, da packst du einfach mit an“ berichtet Gerold Haug über seinen Einstieg in das freiwillige Engagement in der Flüchtlingshilfe im Jahr 2015. Es gab nicht viel zu fragen, es musste tatkräftig mitangepackt werden. Und das hieß zunächst einmal: Koffer auspacken. Berge von Koffern, gefüllt mit Kleidung türmten sich in einer Fahrzeug-Halle der Johanniter, die Menschen wollten spenden und Gutes tun, die Massen an Spenden mussten aber erst einmal sortiert werden.

Das erste Mal zur Notunterkunft zu gehen, in den großen Bettensaal, das habe ihn zunächst Überwindung gekostet, berichtet Gerold Haug. Überwindung, die sich jedoch schnellstens ausgezahlt hat. „Ich habe dann auf Englisch in den Männersaal gerufen, wer Deutsch lernen möchte. Ein paar haben das verstanden und so haben wir dann auf dem Flur Deutsch gelernt. Oder zwischen den Doppelstockbetten habe ich den einzelnen Leuten dann die allerwichtigsten Verständigungsfloskeln beigebracht.“ Schnell ist daraus eine feste, offene Lerngruppe geworden. Eine gespendete Tafel und ein passender Raum machten das Angebot komplett. „In der Flüchtlingsarbeit gilt es, Offenheit und Unvoreingenommenheit mitzubringen und man muss mit Unstrukturiertheit umgehen können. Und mit Lautstärke. Didaktisch war das nicht immer perfekt, das ist so mehr aus dem Ärmel geschüttelt. Aber es ist immer lebendig und das hat mir Spaß gemacht“, erzählt Gerold Haug.

Gerold Haug hilft Geflüchteten

„Alles, was ich hineingegeben habe, habe ich unmittelbar auch wieder zurückbekommen“

Als die Notunterkunft aufgelöst und viele Geflüchtete auch anderen Kommunen zugewiesen wurden, bildete sich eine feste Gruppe, mit denen das Deutschlernen fortgesetzt wurde. Auch hier musste improvisiert werden, galt es kreativ zu werden, aber man habe immer dankbare Abnehmer gehabt. „Alles, was ich hineingegeben habe, habe ich unmittelbar auch wieder zurückbekommen. Einfach mit dem Gefühl, das ist sinnvoll, was ich mache und die Leute sind dankbar und wissen das zu schätzen. Und ich habe viel erfahren über andere Kulturen, wo ich vorher nur so diffuse Vorstellungen hatte.“

Gerold Haug möchte Gesicht zeigen für sein freiwilliges Engagement in der Flüchtlingshilfe. Noch aus Studententagen ist ihm und seiner Familie die Offenheit für internationale Kontakte geblieben und damit der Reiz und die Neugierde, auch einmal über den eigenen Tellerrand hinauszuschauen. Gerold Haug ist es wichtig, aus der Unmittelbarkeit seiner Erfahrungen heraus zu berichten und die Dinge, wie er sie erlebt hat, auch an die Öffentlichkeit zu bringen.

Erste Hürden überwinden

Natürlich habe es auch bei ihm zunächst Berührungsängste gegeben. „Man trifft auf fremde Menschen, fremde Sprachen und fragt sich: Wie kann man sich überhaupt verständigen? Und was hast du mit ihnen gemeinsam? Doch genau hierin und in der Unmittelbarkeit der Begegnung mit den Menschen liegt der große Gewinn dieser freiwilligen Tätigkeit. So eine anfängliche Befangenheit gegenüber dem Fremden, einer anderen Kultur, das hat sich mit der Zeit einfach aufgelöst“.

Über eine Nachbarschaftsplattform ergibt sich schlussendlich der Kontakt zu einem jungen Mann. Als junger, unbegleiteter Geflüchteter sucht dieser über das Portal nach jemandem aus seiner Nachbarschaft, der ihn beim Deutschlernen unterstützt.

„Und mit dem hat es sich ergeben. Mit jemand anderem hätte sich das so nicht ergeben, das war einfach Zufall. Da haben sich die zwei Richtigen gefunden. Das ist schon so wie ein Enkel- Opa- Verhältnis geworden, könnte man sagen“. Diesen jungen Mann auf seinem Weg zu begleiten, das macht Gerold Haug bis heute viel Spaß. Nach wie vor besprechen sich die beiden beinahe jeden Tag, damit der junge Mann schon bald sein Ziel erreichen kann: das Fachabitur.

Neben dem formellen Üben von Deutsch und Englisch entstehen hierbei für beide wertvolle Gespräche, über die sich die beiden immer besser kennen lernen. Und bei einiger Verschiedenheit doch viel mehr Gemeinsamkeiten entdecken.

Haben auch Sie Interesse an einer freiwilligen Tätigkeit?

Dann melden Sie sich, die Ehrenamtskoordination hilft Ihnen gerne bei der Suche nach dem geeigneten Ehrenamt für Sie.

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