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Stadt Bad Oeynhausen

Ehrenamtskoordinatorin

Anna Südkamp
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„Der Wille, den Alltag der Menschen ein wenig aufzuheitern“

„Ich war als Zuhörer vor vier Jahren auf dem Museumshof beim Mittsommer- Erzählen. Ich war komplett gebannt, gefesselt. Ich habe nicht einmal mein mitgebrachtes Essen, Weintrauben und Käse, angerührt und nur einen winzigen Schluck von meinem Wein getrunken– es ging einfach nicht. Und da habe ich gedacht, das will ich auch können“, berichtet Martin Brune von seinem Einstieg in das Ehrenamt im Erzählkreis des Fördervereins Märchenmuseum e.V.

Katharina Birjukow, ebenfalls Mitglied des Erzählkreises, ging es ähnlich. Sie war als Zuschauerin bei „Bad Oeynhausen liest Märchen“ und war ebenfalls „total hin und weg“. Nach der Veranstaltung sprach sie Anette Gohlke an, die Vorsitzende des Fördervereins, die sie bereits kannte. Sie möchte unbedingt erfahren, wie sie mitmachen kann. Und da Frau Dr. Dose, die Museumsleitung, gleich nebenan stand, ermutigte sie Anette Gohlke diese anzusprechen. „Und ich durfte dann hineinschnuppern in den Erzählkreis. Und ein halbes Jahr später war dann plötzlich meine Premiere beim Mittsommer- Erzählen auf dem Museumshof.“ Und diese Premiere war dann auch gleich eines ihrer schönsten Erlebnisse im Rahmen ihres Ehrenamtes: „Und was soll ich sagen, das war ein erhabenes Gefühl. Alles hat gepasst! Das Wetter war toll, das Publikum gut drauf und ich habe mich nicht verhaspelt! Die Geschichte ist toll angekommen und zum Schluss kam eine Dame zu mir und sagte ,Ich habe mir alles gemerkt, diese Geschichte werde ich meiner ganzen Familie erzählen‘. Das ist genial. Und das hat noch einmal Auftrieb gegeben- das möchte ich nicht mehr missen.“

In einem Schnupperkurs zum Märchenerzählen lernten die beiden bereits die Technik, die hilft, sich die Märchen zu merken, sie aber auch zu individuellen Geschichten zu machen und in das freie Erzählen zu kommen. „Das Märchen, jede Geschichte, kann man erst auf 7 Sätze und dann auf nur 5 Worte reduzieren. Und wenn man das im Kopf hat, diese fünf Worte, dann muss man eben mit dem, was man an Formulierungen und Wortschatz hat, diese Geschichte wieder zusammensetzen. Und das funktioniert bei jedem Märchen. Das haben wir in unserer ersten Stunde im Schnupperkurs gemacht. Jeder der 8 Teilnehmenden konnte abends eine Geschichte erzählen, nicht vorlesen! Eine Geschichte, die er vorher nicht kannte“, schildert Martin Brune.

Katharina Birjukow ergänzt: „Ich erzähle einfach das, was ich fühle, wie es mir heute geht, was ich vom Publikum zurückbekomme, es spielt alles mit rein. Und ich erzähle nie die gleiche Geschichte zweimal. Auswendig lernen kann ich sie nicht. So passiert jedes Mal, dass dabei etwas anderes herauskommt. Aber der Ausgang der Geschichte bleibt natürlich gleich.“

Auf den Schnupperkurs und erste Erzähl- Erfahrungen folgte ein offizieller Lehrgang mit einer Abschlussprüfung, mit der die Teilnehmenden eine Ausbildungsurkunde erhielten. Martin Brune berichtet: „Was viele gar nicht wissen ist, dass wir damit eine Handwerksausbildung haben. Der Erzähler ist ein Handwerksberuf- noch.“

Die Einführung in die Erzähltechnik

Katharina Birjukow und Martin Brune in der Bibliothek des Märchenmuseums

Katharina Birjukow und Martin Brune in der Bibliothek des Märchenmuseums

In einem Schnupperkurs zum Märchenerzählen lernten die beiden bereits die Technik, die hilft, sich die Märchen zu merken, sie aber auch zu individuellen Geschichten zu machen und in das freie Erzählen zu kommen. „Das Märchen, jede Geschichte, kann man erst auf 7 Sätze und dann auf nur 5 Worte reduzieren. Und wenn man das im Kopf hat, diese fünf Worte, dann muss man eben mit dem, was man an Formulierungen und Wortschatz hat, diese Geschichte wieder zusammensetzen. Und das funktioniert bei jedem Märchen. Das haben wir in unserer ersten Stunde im Schnupperkurs gemacht. Jeder der 8 Teilnehmenden konnte abends eine Geschichte erzählen, nicht vorlesen! Eine Geschichte, die er vorher nicht kannte“, schildert Martin Brune.

Katharina Birjukow ergänzt: „Ich erzähle einfach das, was ich fühle, wie es mir heute geht, was ich vom Publikum zurückbekomme, es spielt alles mit rein. Und so kommt es, dass die Märchen leben und sich ständig neu entwickeln. Auswendig lernen kann ich sie nicht. So passiert jedes Mal, dass dabei etwas anderes herauskommt. Aber der Ausgang der Geschichte bleibt natürlich gleich.“

Auf den Schnupperkurs und erste Erzähl- Erfahrungen folgte ein offizieller Lehrgang mit einer Abschlussprüfung, mit der die Teilnehmenden eine Ausbildungsurkunde erhielten. Martin Brune berichtet: „Was viele gar nicht wissen ist, dass wir damit eine Handwerksausbildung haben. Der Erzähler ist ein Handwerksberuf- noch.“

Man sollte ein Bücherwurm sein

„Um im Erzählkreis mitzuwirken, sollte man die Begeisterung mitbringen, anderen eine Geschichte zu erzählen“, berichten die beiden, „alles andere, die Technik, ein Repertoire an Geschichten, das kann man lernen. Und eine gewisse Rampensau sollte man auch schon sein.“ Aber im Erzählkreis gibt es auch viele andere Aufgaben, die man als Freiwillige und Freiwilliger übernehmen kann. „Man muss auch bereit sein etwas Zeit mitzubringen. Bei unseren regelmäßigen Treffen werden dann Geschichten erzählt, dazu gibt es Feedback. Aber es geht auch um Organisatorisches, zum Beispiel: Es steht demnächst wieder eine Veranstaltung an, welches Thema wollen wir wählen, wer hat Ideen, was sollten wir anders oder neu machen, sowas eben. Man sollte Lust haben, sich einzubringen und eigene Ideen haben“, erklärt Katharina Birjukow. Auf jeden Fall ist es keine Frage des Alters, wie das Schulprojekt in Kooperation mit dem IKG zeigt: „Mit den Kindern haben wir gar nicht so viel gearbeitet, da haben die Lehrer die Hauptarbeit gehabt. Wir hatten nur einige wenige Proben und danach konnte die Kinder bereits vor ihren Eltern, vor ihren Lehrern hier auf der Bühne Märchen erzählen. Faszinierend. Viele haben sich komplett neue Märchen ausgedacht mit viel Tiefgang. Wirklich toll.“

„Das finde ich so klasse, ich bin völlig frei in dem, was ich hier mache. Ich kann mich megamäßig einbringen, aber ich kann auch sagen: ich kassiere an der Kasse oder mache den Getränkeverkauf. Dafür werden auch Leute gebraucht. Einweiser, Kartenabreißer, Aufbauen der Stühle, das Hygienekonzept erstellen. Wie in jedem Ehrenamt: Eigeninitiative braucht es für die Sache, die ich da mache. Engagement auf jeder Ebene. Es ist so vielfältig in diesem Erzählkreis, was man machen kann. Es gibt auch Mitglieder, die erzählen nicht, die hören zu und helfen mit bei Veranstaltungen“, knüpft Martin Brune an.

Und man sollte ein Bücherwurm sein. So wie die beiden. „Seit ich lesen kann, lese ich. Irgendwann hatte ich in der Bibliothek nebenan alle Kinderbücher durch. Und dann hat mir die Bibliothekarin auch schon einmal Erwachsenenbücher zugeschoben, aber solche, die ein Kind gut verkraften konnte. Und in meiner Schulzeit waren wir viel unterwegs. Und ich war immer diejenige, die meinen Mitschülerinnen dann abends etwas erzählt hat. Also, das Erzählen habe ich scheinbar auch schon länger gemacht, das war mir gar nicht so bewusst“, erzählt Katharina Birjukow.

„Geht nicht auf die Suche nach den Geschichten, die Geschichten finden euch“

Wie man aus der Vielzahl der Märchen überhaupt eines auswählt, beschreibt Martin Brune: „Uns wurde das schon ganz oft gesagt ‚Geht nicht auf die Suche nach den Geschichten, die Geschichten finden euch‘. Und das ist auch so. Ich habe eine Geschichte, die ist 15 Minuten lang. Und die habe ich einmal gehört und danach konnte ich sie. Weil sie einfach passte.“ Katharina Birjukow unterstreicht dies und ergänzt: „Durch das Erzählen lese ich wieder sehr viele Märchen. Ich muss unzählige Märchen lesen, bis mich dann eines anspringt und ich merke ‚Oh, das ist meins‘. Und das Märchen verinnerliche ich dann auch und kann es gut erzählen. Und dann muss ich wieder viele lesen, bis wieder eines dabei ist, das mir zuruft: ‚Hier bin ich‘. Wir sind etwa 20 Personen hier im Erzählkreis und alle so unterschiedlich. Das spannende dabei ist, dass es für jedes Märchen ein Erzähler und auch ein Publikum findet. In einer Veranstaltung ist mir bewusst aufgefallen, wie gut das Märchen zu der erzählenden Person passte, auch das Publikum fühlte dies und war begeistert. Und gleichzeitig ist mir klar geworden, dass ich selber dieses Märchen nie erzählen könnte, weil es einfach nicht zu mir passen würde, einfach nicht meins war. Das ist das tolle daran, dass die Märchen so vielschichtig sind, dass für jeden etwas dabei ist.“

Was ihre Begeisterung für das Märchenerzählen ausmacht, berichtet Katharina Birjukow so: „Die Zuschauer verwandeln sich dabei wieder zum Kind, das ist so schön mit anzusehen. Das ist so dieses freie Gefühl, sie vergessen für einen Moment, immer schön die Mimik zu kontrollieren, und bloß die Hände irgendwie falten- sie folgen der Handlung und die Erleichterung am Ende der Geschichte ist dann bei allen gleich.“ Aufgeregt ist sie vor Auftritten aber trotzdem noch: „Ich kann mich vorbereiten wie ich will, ich kann beim Bügeln Geschichten erzählen, im Hüpfen und alles. Aber dann auf der Bühne des Museumshofs denke ich den ganzen Weg vom Stuhl zum Mikro ‚Das erste Wort nicht vergessen!‘ und ‚Bloß nicht stolpern, wenn es geht!‘ Mit dem ersten Wort aber geht irgendwie etwas auf, und dann läuft die Geschichte. Und dann geht es auch wieder mit der Aufregung.“

Neben Projekten mit Schulen ist der Erzählkreis mit seinen Erzählerinnen und Erzählern inzwischen fester Bestandteil vieler kultureller Veranstaltungen in Bad Oeynhausen. Martin Brune schildert die umfangreiche Vorbereitung: „Das ist schon richtig Arbeit. Wenn wir da was vom Erzählkreis aus machen, dann geht das Wochen vorher los, dann überlegen wir gemeinsam, welche Geschichten erzählt werden, wer welche Geschichte erzählt, dann wird zusammengestellt in welcher Reihenfolge die kommen und dann bereitet man die Geschichte vor, zwei, drei Abende vorher gibt es dann im Erzählkreis die Generalprobe.“

Die Begeisterung der beiden für ihr Ehrenamt ist das ganze Gespräch über deutlich spürbar. Sie fassen für sich zusammen: „Der Reiz liegt darin, den Menschen eine Alltagsflucht zu ermöglichen und ihnen einen kleinen Moment des Glücks zu verschaffen. Unser gemeinsamer Ausbilder Lothar Schröer hat immer gesagt: ,Geschichtenerzähler kommen mit nichts und gehen mit nichts, aber lassen trotzdem etwas da.‘ “

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