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Stadt Bad Oeynhausen

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Vom Chemielaborant zum Gesundheitspfleger: wie das Ehrenamt bei der Berufswahl helfen kann

Das Ehepaar Jennifer und Björn Niermann berichtet von ihrem gemeinsamen Ehrenamt, welches die beiden neben ihren Berufen als Altenpflegerin und als Gesundheits- und Krankenpfleger ausüben: sie unterstützen den Bevölkerungsschutz bei der Johanniter Unfall-Hilfe Minden Ravensberg, bei dem sie nicht nur langjährige Freunde gefunden haben, sondern auch Klarheit für ihren weiteren beruflichen Weg.

Angefangen sind beide als Sanitätshelfende. Jennifer berichtet: „Ich habe mich dann weiter hochgearbeitet zur Rettungshelferin NRW. Und habe inzwischen gemerkt, dass die Richtung ‚Fachdozentin‘ mir noch mehr Spaß macht. Ich bin zwar weiter auf Sanitätsdiensten, aber dann gerne im Bereich der psychologischen Betreuung, Notfallseelsorge. Da möchte ich noch den Aufbaukurs machen. Und ich bin Erste-Hilfe-Ausbilderin.“ Auch Björn erzählt von seinem beeindruckenden Werdegang in seinem Ehrenamt. Nachdem er 2011 seinen Bundesfreiwilligendienst bei der Johanniter Unfall-Hilfe angetreten ist, ist er auch danach ehrenamtlich dabei geblieben: „Ich habe auch angefangen als Sanitätshelfer, habe dann den Rettungshelfer NRW gemacht, mache zurzeit meinen Rettungssanitäter, was jetzt durch die Pandemie etwas ins Stocken geraten ist. Und ansonsten bin ich Gruppenführer in der Betreuungsgruppe und ich bin Leiter der Fahrradstaffel.“

Die Aufgaben der Fahrradstaffel

Jennifer und Björn Niermann bei der Fahrradstaffel

Jennifer und Björn Niermann bei der Fahrradstaffel

Damit man sich besser vorstellen kann, was das nun an Aufgaben heißt, erklärt Björn weiter: „Bei der Fahrradstaffel bekommt man Anfragen für Sanitätsdienste, die an die Zuständigen weitergeleitet werden, man schaut, dass genug Leute für den Dienst zusammenkommen. Außerdem müssen die Fahrräder instandgesetzt werden. Die Betreuungsgruppe springt ein im Katastrophenfall, wenn Menschen betreut werden müssten, alles aufgebaut werden müsste. Man schaut, dass allen die Abläufe klar sind und ist für die anderen ansprechbar, wenn es Probleme gibt. Auch schaut man, dass die Gruppenmitglieder regelmäßig aus- und fortgebildet werden.“

„Mindestens sollte man erweiterte Erste-Hilfe-Kenntnisse haben. Die Fahrradstaffel ist dazu da, bei Veranstaltungen größere Gelände zu sichern. Man fährt durch die Gegend, wo es motorisierte Fahrzeuge nicht dürften, und schaut, ob man hilflose Personen auffindet. Oder man wird über Funk informiert, wo man mit dem Fahrrad deutlich schneller hinkommt, als wenn jemand laufen müsste. Und seit zwei Jahren müssen wir auch keine schweren Rucksäcke mehr dabei haben, sondern haben hinten an den Mountainbikes kleine Taschen, die ausgestattet sind, wie ein kleiner Erste-Hilfe-Koffer. So kann man schon einmal die Patienten versorgen bis dann der Rettungsdienst eintrifft. Wir nehmen da die Ersteinschätzung vor, ob die Person ein Fahrzeug braucht oder zu Fuß gehen kann.“

Vielfältige Entwicklungsmöglichkeiten innerhalb des Ehrenamtes

Björn und Jennifer Niermann

Neben dem Beruf ein solches Ehrenamt aufrechthalten zu können, ist nicht immer ganz einfach. Beide äußern daher, dass sie es sehr hilfreich finden, wenn der Partner ebenfalls Teil des Ehrenamtes ist. Außerdem sind ihnen die Kenntnisse und Erfahrungen, die sie durch ihr Ehrenamt im Bevölkerungsschutz sammeln, durchaus auch in ihren Berufen nützlich.

Und die vielfältigen Entwicklungsmöglichkeiten sind es, die besonders Jennifer motivieren, nun schon seit beinahe zehn Jahren ihr Ehrenamt auszuüben: „Gerade auch im Bereich Krisenintervention, psychosoziale Notfallseelsorge, in diese Richtung gehe ich gerne, und da gibt es viele Möglichkeiten sich weiterzubilden.“

Durch das Ehrenamt habe er seine Stärken überhaupt erst einmal kennengelernt, berichtet Björn. „Ich bin zum Beispiel direkt nach der Schule in den Bundesfreiwilligendienst und konnte durch das Ehrenamt testen, ob mich dieser Bereich überhaupt interessiert. Ursprünglich habe ich eine Ausbildung als Chemielaborant angefangen und im Rahmen meines Ehrenamtes gemerkt, dass mich der medizinische Bereich und der Umgang mit kranken Menschen viel mehr interessieren. So habe ich dann meine Ausbildung abgebrochen und etwas anderes gemacht.“

Beide berichten außerdem, dass sich viele private, sehr enge Freundschaften durch ihr Ehrenamt entwickelt haben. Und schließlich haben auch sie sich ja in ihrem Ehrenamt kennengelernt und sind nun verheiratet. „Es ist halt auch eine schöne Gemeinschaft, die Sanitätsdienste, das sind dann ja häufig auch dieselben, man kennt sich mit der Zeit gut und wird zum eingespielten Team.“ Und auch die Dankbarkeit der Leute, denen man helfen könne, sei toll und motivierend.

„Selbst wenn man kein Blut sehen kann, kann man mitmachen“

Dass es hilfreich ist, durch einen Erste-Hilfe-Kurs bereits ein Gefühl dafür zu haben, ob einem das Ehrenamt im Bevölkerungsschutz Spaß machen könnte, leuchtet unmittelbar ein. Jennifer meint aber: „Vorerfahrungen braucht man eigentlich nicht im Erste-Hilfe-Bereich, denn man sammelt die ganzen Erfahrungen dann sehr gut im Ehrenamt. Sowohl bei Dienstabenden, wo man ganze Fälle bespricht oder diese übt und nachstellt mit den Kollegen. Wir haben auch die Möglichkeit, erst einmal als Praktikant bei Sanitätsdiensten dabei zu sein. Oder die anderen Gruppen kennen zu lernen, die Betreuungsgruppe, die Fahrradstaffel, die Technikgruppe, da kann man überall mal ein wenig reingucken. Und auch nach Jahren kann man wechseln. Ich war auch lange in der Sanitätsgruppe, bis ich dann gemerkt habe, dass ich mich in der psychologischen Betreuung deutlich wohler fühle, als draußen bei der Fußstreife.“

„Und selbst wenn man kein Blut sehen kann, kann man kommen und mitmachen“, räumen Jennifer und Björn alle Bedenken aus, „da wäre dann eher der Betreuungsbereich oder die Technikgruppe geeignet. In der Technikgruppe oder der psychologischen Betreuung sieht man auch weniger Blut. Für jeden, der Interesse hat, ist ein Einsatzfeld dabei.“

„Vorbereitende Kurse und das Sammeln von Erfahrungen kosten anfangs schon ein wenig mehr Zeit,“ berichtet Björn, „aber dann gibt es auch bei uns Leute, die mehr und welche, die weniger Zeit investieren können nur bei großen Diensten dabei sind, wenn viele Personen gebraucht werden“ erklärt Björn.

„Da weiß jeder, wir stehen bereit, wenn etwas ist“

Manchmal lässt sich in den Einsätzen nicht vermeiden, dass man auch belastenden Situationen ausgesetzt sein kann. Am Ende des Dienstes gibt es immer die Möglichkeit, so etwas anzusprechen. „Aber auch, wenn sich das erst im Nachhinein herausstellt, haben wir hierzu die psychosoziale Betreuung. Diese ist auch für Einsätze der Sanitätsdienste, aber größtenteils für unsere eigene Einheit. Da weiß jeder, wir stehen bereit, wenn etwas ist und kommen auch nach Hause, um belastende Eindrücke zu besprechen.“

Auch für gefährliche Situationen werden die Helfenden geschult, zum Beispiel zum Thema Deeskalation. Zum Glück haben Jennifer und Björn dies noch nicht erleben müssen, leider kommt es aber immer häufiger zu Übergriffen auf Einsatzkräfte. „Man soll eben vorbereitet sein. Wir laufen ja aber auch nicht alleine durch die Gegend, wir sind immer mindestens zu zweit.“

Unterstützung bei Einsätzen über Bad Oeynhausen hinaus

„Und was natürlich auch toll ist, ist dass man zu vielen Veranstaltungen kommt“, ergänzt Jennifer. Zu den Parklichtern, dem Parookaville Festival, Karnevalsveranstaltungen oder auch dem Berlin Marathon werden die Einsatzkräfte u.a. aus ganz NRW kontaktiert, da die örtlichen Hilfsdienste eine Veranstaltung, zu der Hunderte Helfende benötigt werden, nicht alleine bewältigen könnten. „Dann fahren immer ein paar Helfer von hier dorthin. Da kommt man zu Großveranstaltungen, die man sonst nicht besuchen würde. Bei den Festivals kann man dann nach seinem Dienst auch einfach auf dem Gelände bleiben und am Festival teilnehmen“, schwärmt Björn.

Zum Schluss betont Jennifer noch einmal, was sie besonders toll findet an ihrer Tätigkeit: „Mich haben vor allem die Weiterbildungsmöglichkeiten gereizt und man wird auch nicht ausgebremst. Ich habe auch die Technik- und Sicherheitslehrgänge besucht. Man kann sich entfalten, man wird gefördert und es ist Raum für Weiterentwicklung. Und man muss sich nicht für eines entscheiden, die Vielfalt ermöglicht einem, auch nach Jahren noch einmal etwas Neues zu probieren.“

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