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Stadt Bad Oeynhausen

Ehrenamtskoordinatorin

Anna Südkamp
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32545 Bad Oeynhausen

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„Hier am Bahnhof, das ist Leben pur“

Als „Teil des harten Kerns“ bezeichnet sich Barbara Reimann, die, gemeinsam mit einer weiteren Kollegin, schon seit dem 01.10.2010 bei der Bahnhofsmission ehrenamtlich mitarbeitet, also dem Tag, an dem die Bahnhofsmission in Bad Oeynhausen eröffnet wurde. Andrea Wilken ist zwar noch nicht derart lange dabei, für sie war aber immer klar, dass sie gerne etwas im sozialen Bereich machen möchte.

Und nach anderen ehrenamtlichen Tätigkeiten ist sie bei der Suche nach etwas Neuem in die Bahnhofsmission „hineingestolpert“, wie sie sagt, hat „gefragt, ob ich hier anfangen kann und dann bin ich hier geblieben. Mir hat es sofort gefallen, vom ersten Tag an, das ist wirklich eine tolle Arbeit, eine sinnvolle Arbeit, wie sicher alle Ehrenämter. Seit drei Jahren mache ich das jetzt schon.“

Aus den Anfängen der Bahnhofsmission in Bad Oeynhausen

Frau Reimann berichtet von den Anfängen der Bahnhofsmission in Bad Oeynhausen und was sich seither geändert hat. „Damals waren es auch öfter jüngere Leute mit verschiedensten psychischen Erkrankungsformen, aber auch Suchtkranke, die bei uns reingekommen sind. Das war nicht immer ganz witzig, denn man wusste auch nicht immer, wie sie als nächstes reagieren würden, ob die Stimmung von jetzt auf gleich umschlagen kann. Oder es gab viele, die zwar hier in Bad Oeynhausen ansässig waren, in einer Unterkunft zum Beispiel, die aber eben auch hier regelmäßig hereinkamen auf einen Kaffee. Auch untereinander konnten sie dann hier reden, es gibt sonst für diese Klientel keine Möglichkeit, wo sie sich treffen könnten. Aber das ist, so empfinde ich das wenigstens, weniger geworden. Es haben sich daraus einige zu Stammgästen entwickelt, die sind aber nun schon älter, also auch Rentnerinnen und Rentner.“

Barbara Reimann und Andrea Wilken von der Bahnhofsmission

Barbara Reimann und Andrea Wilken von der Bahnhofsmission

Als der Bahnhof noch nicht umgebaut war und es nur wenige Wartemöglichkeiten und Sitzgelegenheiten gab, auf denen man sich bei Zugverspätungen, insbesondere im Winter, aufhalten konnte, kamen auch noch mehr Reisende in die Bahnhofsmission, berichtet Barbara Reimann. Da habe es dann, wenn gewünscht, auch einen warmen Tee oder Kaffee gegeben.

Einige Personen, die praktisch immer auf der Reise sind, die nicht sesshaft sind, dies aber aus Überzeugung, schauen auch regelmäßig in der Bahnhofsmission vorbei. Hier hört Barbara Reimann dann auch gerne genau zu: „Da bekomme ich dann immer große Ohren, weil ich es gut finde zu wissen, wo man hingehen kann oder wo es auch nicht so schön ist, wo es Duschen gibt und wo Waschmaschinen.“ Denn neben einem offenen Ohr möchten die Mitarbeitenden der Bahnhofsmission ihren Gästen auch mit Rat und Tat zur Seite stehen, wenn dies gewünscht wird. „Gerade in den Anfängen ist es dann so, dass die Menschen zwar kommen und mal einen Kaffee trinken, aber, dass die sich einem schnell öffnen im Gespräch, das kann man nicht erwarten. Das dauert lange, bis sie sich dann bei uns so wohl fühlen, dass sie dann auch mal etwas von sich selber erzählen.“

Grundlegende Schulungen für die Freiwilligen

Auf diese vielfältigen Aufgaben und Begegnungen in der Bahnhofsmission werden die Engagierten in sogenannten Grundausbildungen vorbereitet und geschult. Es ist vorgesehen, dass man die insgesamt zwei Grundkurse nach spätestens einem Jahr im Dienst der Bahnhofsmission besucht hat. Neben der Entstehungsgeschichte der Bahnhofsmissionen werden aber auch ganz lebenspraktische Erfahrungen ermöglicht, wie Andrea Wilken aus ihrer Grundausbildung berichtet: „Bei meinem Einführungslehrgang kam die Leitung mit einem Karton wieder und sagte, ‚Wir gehen nun zum Bahnhof‘. Am Bahnhof wurde der Karton dann geöffnet und wir sahen, dass dort Brillen drin waren. Diese Brillen simulieren, wie jemand mit geringer Sehkraft sieht, und unser Job war es dann, auszuprobieren und selber zu erfahren, wie man jemanden führt und anleitet, der sehbehindert ist. Und so konnte man sich da mal richtig hineinfühlen. Da war dann auch noch ein blinder Herr, den haben wir über Stunden mit unseren Fragen gelöchert. Oder wir sind auch in einer Obdachlosenunterkunft gewesen, um auch ganz praktisch zu lernen, was das bedeutet und wie es dort aussieht.“

Die Freiwilligen haben außerdem das Angebot, sich auch weiter fachspezifisch fortzubilden, wenn es um Gesprächsführung, Krisenintervention oder den Umgang mit psychisch Kranken oder Suchterkrankten geht. Auch für die Dienste zu dem Angebot „Kids on Tour“ stehen spezielle Fortbildungsangebote zur Verfügung.

Aufgaben und Haltungen in der Arbeit der Bahnhofsmission

Nicht nur Kindern bietet die Bahnhofsmission dabei eine Reisebegleitung an, auch Reisende, die sich beispielsweise aus gesundheitlichen Gründen das Alleinreisen nicht mehr zutrauen, können sich an die Bahnhofsmission wenden. „Aber das Angebot ist natürlich auch begrenzt. Wir können das nur in dem Rahmen machen, dass wir an dem gleichen Tag auch wieder zurückkommen. Wir haben einen Dienstausweis, sodass wir dann kostenlos mitfahren und auch wieder zurückkommen. Es ist immer besser, den Bedarf einer Reisebegleitung rechtzeitig anzumelden, denn an gewissen Knotenpunkten sind die Angebote so frequentiert und personelle Ressourcen auch nur begrenzt, dass es dann auch schon einmal nicht klappen kann. Aber in der Regel haben wir eigentlich alles gut organisiert bekommen“, erzählt Barbara Reimann. Neben umfangreicheren Reisebegleitungen bietet das ehrenamtliche Team der Bahnhofsmission auch Ein-, Aus- und Umsteigehilfen an. Nach Möglichkeit sollten auch diese für die bessere Organisation rechtzeitig angemeldet werden.

Da man vielen unterschiedlichen Menschen in verschiedenen Lebenslagen begegnet, ist es wichtig, den Menschen vorurteilsfrei zu begegnen. „Das ist eine Haltung, die man auch schon mitbringen muss. Ich denke, man braucht von Haus aus Empathie, Toleranz und Geduld. Wenn man sich verstellt, macht es das für beide Seiten anstrengend. Unsere Gäste sind in der Beziehung auch wirklich sensibel und merken, wenn man etwas nicht ehrlich meint. Was man aber nicht braucht, das war mir damals wichtig, als ich mich hier erkundigt habe, ist eine spezielle Konfession. Man soll natürlich nach den Werten der Nächstenliebe arbeiten, aber das macht man recht automatisch, wenn man sich in diesem Feld engagiert“, macht Andrea Wilken deutlich. Und berichtet weiter, dass es manchmal auch ein dickes Fell braucht, nicht nur bezüglich der Gäste der Bahnhofsmission, sondern auch gegenüber Vorbehalten, die mancher der Arbeit gegenüber haben mag: „Ich habe auch Bekannte gehabt, die das nicht verstehen konnten, wie ich mit diesen Menschen arbeiten kann. Da kann ich nur erwidern, dass die meisten ganz normal gestartet sind, wie jeder andere auch, und dann gab es einen Trauerfall oder einen unerwarteten Arbeitsverlust oder eine andere Krise. Einer sagte einmal ‚Wenn ich bei euch reinkomme, nehmt ihr mich einfach so, wie ich bin‘. Und das ist es halt, was mir dann auch wieder viel zurückgibt. Ich muss niemanden bewerten oder beurteilen, jeder ist genauso Mensch und willkommen, wie jeder andere auch. Das Engagement hier erdet einen und einem wird immer wieder klar, dass das Leben nicht nach Plan läuft und nichts selbstverständlich ist.“

Das Team entscheidet über Neuzugänge

Neben den Fortbildungen gibt es aber auch monatliche Teambesprechungen und eine hauptamtliche Mitarbeiterin, die bei Problemen jederzeit erreichbar ist. „Idealerweise ist man auch immer zu zweit im Dienst. Es geht auch mal alleine, aber sicherer ist es einfach zu zweit. Es ist auch von der Arbeit her sinnvoller und schöner, wenn man zu zweit ist.“ Das Team entscheidet außerdem auch darüber mit, ob neue Interessierte in das Team passen und schätzen gemeinsam ein, ob die Person die richtige Vorstellung von der Arbeit der Bahnhofsmission hat. Hierzu findet erst einmal eine Probeeinarbeitung statt und beide Seiten haben Gelegenheit, einander kennen zu lernen.

„Zeitlich sollte man so einen halben Tag oder Tag pro Woche einplanen können. Wir haben Öffnungszeiten von 10 bis 16 Uhr. Da gibt es welche, die eine ganze Schicht abdecken, aber auch welche, die drei Stunden oder vier Stunden übernehmen. Jetzt wollen wir auch bald probieren, freitags bis 18 Uhr zu öffnen“, erklärt Barbara Reimann noch.

Für sie jedenfalls steht fest, dass sie sich in der Arbeit in ihrer „Kuschelbahnhofsmission“, wie sie sie liebevoll nennt, nichts anders wünschen würde. „Wir haben hier den Vorteil, dass unsere Arbeit viel persönlicher ist als in großen Städten. Ich möchte wirklich nichts anders haben, weil ich hier diesen Kontakt zu den Menschen haben kann. Ich denke mal, solange ich Lust habe und ich das kann, mache ich das auch gerne weiter.“ Und auch Andrea Wilken ist es wichtig, noch eine Sache zum Ehrenamt in der Bahnhofsmission zu sagen: „Es ist eine erfüllende Arbeit!“

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