30.12.16

Gefragter Spezialist bei der Oeynhausener Feuerwehr

Oberbrandmeister Jan Hoberg ist „Fachkraft Tierrettung“ bei der Feuerwehr

Jan Hoberg ist Feuerwehrmann durch und durch. Von Kindesbeinen an interessiert sich der 30-Jährige für die Feuerwehr, hat seine ersten Schritte in dieses Ehrenamt bei der Löschgruppe Dehme der Freiwilligen Feuerwehr der Stadt Bad Oeynhausen gemacht und ist nach einer Vorausbildung zum Tischler mittlerweile bereits 10 Jahre hauptamtlich als Oberbrandmeister bei der Feuerwehr in Bad Oeynhausen. Aber es gibt auch eine andere Seite des Jan Hoberg: er arbeitet seit 10 Jahren ehrenamtlich mit Tieren. Seit gut vier Jahren verbindet der Bad Oeynhausener die beiden Interessen und ist zusätzlich Fachberater „Tierrettung“ bei der Feuerwehr. Damit sticht die Bad Oeynhausener Feuerwehr hier in der Region deutlich heraus, denn so eine Fachkraft ist nicht selbstverständlich. „Die nächsten Kollegen dieser Art arbeitet bei der Feuerwehr in Hannover und bei der Feuerwehr in Bielefeld gibt es einen Reptilienexperten“, erläutert Jan Hoberg. Angefangen hat alles mit einem gemeinsamen Besuch mit Kollegen im Zoo. „Da wollten wir uns informieren, was bei der Rettung von Tieren wichtig ist, da so etwas immer mal wieder vorkommen kann.“ Bei diesem Besuch ging es vor allem um eher nicht alltägliche Tiere wie Spinnen oder Reptilien. „Und kurze Zeit später hat es dann einen Einsatz mit einer Schlange hier bei uns in Bad Oeynhausen gegeben und dadurch war die Idee geboren, mein ehrenamtliches Interesse für Tiere auch offiziell mit dem Dienst zu verbinden“, sagt Jan Hoberg. Vieles habe er sich im Selbststudium beigebracht. Mittlerweile macht Hoberg in seiner Freizeit aber eine Zootierpfleger-Ausbildung in Zusammenarbeit mit dem Tierpark Ströhen. „Ich hoffe, dass ich diese Ausbildung am Ende auch mit dem staatlichen Abschluss beenden kann und meine Arbeit in der Tierrettung dann auch entsprechend untermauern kann.“ Gewisse Befugnisse hat Jan Hoberg in seiner Tätigkeit jetzt schon. So hat er vom Veterinäramt des Kreises eine „Immobilisationserlaubnis“ bekommen, das heißt dass er Tiere im Rahmen von Feuerwehreinsätzen betäuben darf. „Diese Erlaubnis gibt es nicht einfach so, sie war verbunden mit einer ausführlichen Einweisung und Prüfung durch den Kreis-Tierarzt“, beschreibt Hoberg den Aufwand, der hinter dieser Zusatzqualifikation steckt. Hinzu kamen noch zwei Sachkundenachweise, die Hoberg vorlegen musste. Der Bad Oeynhausener Feuerwehr hilft das Zusatzwissen des Mitarbeiters, den Ablauf bei Einsätzen mit Tieren zu erleichtern, sagt der stellvertretende Leiter der hauptamtlichen Wache, Markus Hilchenbach: „Es kann schon bis zu einer Stunde oder länger dauern, bis ein Tierarzt verfügbar ist, der ein Tier dann ruhigstellen darf. Da ist so eine Fachkraft Tierrettung mit den entsprechenden Befugnissen schon eine große Hilfe.“ Und diese Hilfe ist durchaus auch überregional begehrt. Man kennt sich in Feuerwehrkreisen und weiß, was der andere kann. So war Jan Hoberg unter anderem im Wege der Amtshilfe auch schon mal im Landkreis Celle  im Einsatz: „Da waren damals 8 Affen beschlagnahmt worden, die ruhig gestellt werden mussten.“ Auch in der unmittelbaren Nachbarschaft musste der Oeynhausener Experte bereits aushelfen. Zum Beispiel, als im vergangenen Jahr drei Nandus in Porta Westfalica ausgebüxt waren. Im alltäglichen Dienst geht es meist um entlaufene oder gefährliche Hunde aber manchmal ist es auch schon etwas exotischer. Im Juni musste die Oeynhausener Feuerwehr eine Kornnatter einfangen und im vergangenen Jahr war eine Spinne Grund für einen Einsatz in der Kurstadt. „Die Bewohner konnten das Tier nicht eindeutig identifizieren und hatten die Feuerwehr gerufen. Es sah aus wie eine Vogelspinne, stellte sich dann aber vor Ort als heimische Plattbauchspinne heraus, “ beschreibt Jan Hoberg den Einsatzverlauf.
Dass die Bad Oeynhausener Feuerwehr in diesem Bereich gut aufgestellt ist, ist mittlerweile auch landesweit bekannt. Jan Hoberg hat am Institut der Feuerwehr in Münster ein Tagesseminar „Tierrettung bei der Feuerwehr“ geleitet. „Das war mit gut 90 Teilnehmern aus ganz NRW fast ausgebucht“, freut sich Hoberg über die Resonanz. Wiederholungen sind durchaus denkbar.